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16.06.2016

13:22 Uhr

Problem-Jet A350

Airbus hat wieder Stress mit den Scheichs

VonJens Koenen

Eigentlich sollte der erste A350-1000 im September abheben. Doch Airbus wird den Liefertermin für den Langstreckenjet wohl nicht halten. Erstabnehmer ist ausgerechnet der schwierige Kunde Qatar Airways.

Bei dem Langstreckenjet kämpft der europäische Konzern vor allem damit, dass die Zulieferer nicht mit dem Tempo der Produktionsausweitung mitkommen. Reuters

Airbus A350 in Berlin

Bei dem Langstreckenjet kämpft der europäische Konzern vor allem damit, dass die Zulieferer nicht mit dem Tempo der Produktionsausweitung mitkommen.

FrankfurtErste Hinweise hatte es schon vor einigen Wochen beim Innovation-Day von Airbus in Hamburg gegeben. Im September solle der Erstflug des Langstreckenjets A350-1000 stattfinden, hatte Airbus-Vorstand Tom Williams erklärt, dann aber angedeutet, dass das noch eng werden könne. Nun zeichnet sich ab: Airbus wird den Terminplan nicht schaffen. Der Erstflug werde im vierten Quartal dieses Jahres stattfinden, erklärte ein Airbus-Sprecher auf Anfrage: „Wir haben den Zeitplan angepasst, um sicherzustellen, dass die Anforderungen unserer Kunden an ein ausgereiftes Flugzeug vom ersten Tag erfüllt werden.“

Die Kunden, das ist zunächst vor allem Qatar Airways. Mitte 2017 sollte Qatar-Chef Akbar Al Baker die erste A350-1000 bekommen. Nun spricht Airbus offiziell von der zweiten Jahreshälfte 2017. Das ist keine gute Nachricht, zählt Qatar doch zu den schwierigsten Kunden der Flugzeug-Hersteller. Al Baker liegt mit Airbus bereits wegen der Triebwerksprobleme beim Mittelstreckenjet A320neo über Kreuz. Die brandneuen Motoren von Pratt & Whitney müssen nach einem Flug noch eine Zeit zur Kühlung weiterlaufen, sonst können sich wichtige Teile verziehen. Nach einem erneuten Start könnten dann die Turbinenschaufeln am Gehäuse schleifen.

Pratt & Whitney hat mittlerweile über neue Software und auch neue Teile im Triebwerk nachgebessert. Doch das hat Al Baker nicht davon abgehalten, wegen der Lieferverzögerungen von der Stornierungsklausel in den Verträgen Gebrauch zu machen. Zumindest die Übernahme der ersten A320neo wurde von ihm abgesagt.

Wo Airbus Flugzeuge zusammenbaut

Vier Werke

Der größte europäische Flugzeughersteller Airbus baut in vier großen Produktionswerken auf drei Kontinenten Flugzeuge zusammen. Die Hauptproduktionsstätten.

Toulouse

Am Stammsitz von Airbus in der südfranzösischen Stadt mit mehr als 21 000 Beschäftigten in der Region werden auf mehreren Fertigungslinien die A320, A330, A350 und A380 endmontiert. Für die A320-Familie gibt es zwei Endmontagelinien.

Hamburg-Finkenwerder

Das Hamburger Werk in Finkenwerder ist mit 12 700 Beschäftigten die größte Produktionsstätte von Airbus in Deutschland. Für die Flieger der A320-Familie werden hier nicht nur Teile produziert, es gibt auch drei Endmontage-Linien. Eine vierte Linie soll in Hamburg entstehen, wenn die Produktion des Erfolgsschlagers A320 mehr als ohnehin geplant ausgeweitet wird. Auch an anderen Airbus-Programmen wie dem weltgrößten Passagierflugzeug A380 ist Hamburg beteiligt.

Tianjin

2008 eröffnete Airbus ein Werk als Joint Venture in der chinesischen Hafenstadt Tianjin. Dort werden von mehr als 400 Mitarbeitern ebenfalls Flugzeuge der A320-Familie montiert.

Mobile

Mit der Fertigungsstätte im US-Staat Alabama will Airbus dem Erzrivalen Boeing noch mehr Konkurrenz machen. Im Frühjahr 2016 soll dort der erste auf dem 470 000 Quadratmeter großen Areal montierte Mittelstreckenjet der A320-Familie ausgeliefert werden. 1000 Arbeitsplätze sind dort geplant.

Quelle: dpa

Nun muss Airbus seinen Kunden vom persischen Golf auch beim A350 auf Verspätungen vorbereiten, wenn auch bisher nur leichte. Beim A350 kämpft der europäische Konzern vor allem damit, dass die Zulieferer nicht mit dem Tempo der Produktionsausweitung mitkommen. Das betrifft vor allem die Innenausstattung wie Sitze oder Toiletten, die zum Beispiel vom französischen Zulieferer Zodiac kommen. Der kann teilweise die Liefertermine nicht halten, oder es gibt Qualitätsprobleme, etwa nicht schließende Toilettentüren.

Trotz der Verzögerungen bekräftigte der Airbus-Sprecher am Donnerstag noch einmal das Lieferziel für die A350-Familie. 50 Stück sollen dieses Jahr die Werkshallen verlassen. Doch diese Aussage bezieht sich auf die kürzeren Versionen des Langstreckenjets, nicht die lange.

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