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28.10.2015

23:50 Uhr

Probleme im Frachtgeschäft

Deutsche Post kappt Gewinnprognose erneut

Streiks und die Krise im Frachtgeschäft haben den Gewinn der Deutschen Post gedrückt. Zum zweiten Mal schraubt der Konzern deshalb seine Erwartungen herunter. Doch Rückenwind naht – von einer unbeliebten Maßnahme.

Der Arbeitskampf kommt die Deutsche Post teuer zu stehen. dpa

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BerlinDie kriselnde Frachtsparte wird für die Deutsche Post zum Fass ohne Boden und zwingt den Konzern zur erneuten Absenkung seiner Gewinnprognose. Erwartet werde nun noch ein Ergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit) von mindestens 2,4 Milliarden Euro, teilte das Unternehmen am Mittwochabend mit - mindestens eine halbe Milliarde Euro weniger als bislang vorausgesagt.

Schon Anfang August hatte die Post angesichts des kriselnden Frachtgeschäfts und von Streiks die Ebit-Prognose für 2015 zusammenstreichen müssen. Das laufende Jahr sei wie angekündigt ein „Jahr des Übergangs“, versuchte Konzernchef Frank Appel die Anleger zu beruhigen.

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Am Mittwochabend hieß es, für die ersten neun Monate seien Abschreibungen und Rückstellungen von insgesamt 345 Millionen Euro angefallen. Hinzu kämen Belastungen in einer Höhe von 200 Millionen Euro „überwiegend für rechtliche und regulatorische Sachverhalte“. Einer Sprecherin zufolge gehören dazu etwa Abschreibungen auf nicht genutzte Flugzeuge, aber auch für die Finanzierung der Pensionsverpflichtungen für Beamte werde angesichts des niedrigen Zinsniveaus Vorsorge getroffen.

Im weltweiten Frachtgeschäft hat die Post schon länger Probleme - seit gut zwei Jahren sinken dort die Gewinne. Konzernchef Frank Appel hatte Ende April persönlich die Verantwortung für die Sparte übernommen und will den Bereich auf Kurs bringen. Das Frachtgeschäft kämpft mit Gewinnrückgängen, ächzt unter hohem Wettbewerbsdruck und den Folgen interner Umbauten.

Frachtsparte arbeitet noch mit Papier-Dokumenten

Denn der Konzern hatte viel Geld in die Datenverarbeitung der Sparte gesteckt, die vor allem noch mit Dokumenten auf Papier arbeitet. Doch die Umstellung kommt nicht voran, 308 Millionen Euro muss die Post nun auf das Projekt abschreiben.

Noch vor wenigen Monaten hatte der Konzern gehofft, diesen Schritt vermeiden zu können: „Wir haben bis jetzt 300 Millionen Euro für die Umstellung aktiviert. Die Chance, dass wir das alles abschreiben müssen, ist sehr gering“, hatte Finanzchef Larry Rosen im August in einem Reuters-Interview dazu gesagt. Nun kommen auch noch Rückstellungen von rund 37 Millionen Euro hinzu.

„Wir verfolgen nach wie vor unverändert das Ziel, unser Frachtgeschäft zu erneuern“, unterstrich Appel. Der Umbau soll weitergehen: „Dafür ergreifen wir nun weitere Maßnahmen, um die IT-Ausrichtung am Geschäft zu orientieren“, fügte Appel hinzu. Der Konzern sei dazu weiter „in Gesprächen mit verschiedenen Dienstleistern“.

Die Konkurrenten der Deutschen Post

DPD

DPD Deutschland gehört zur DPD Group, nach eigenen Angaben das zweitgrößte Netzwerk von Paketdiensten in Europa. Die Zentrale des Unternehmens mit 7500 Mitarbeitern ist in Aschaffenburg (Bayern). Im März 2015 kündigte der Paketdienst an, die Deutsche Post DHL mit einer einheitlichen europäischen Marke herauszufordern. So soll das Paketnetz europaweit auf 22.000 Stationen erweitern werden.

Quelle: dpa

Pin Mail AG

Bei dem Postdienstleister mit Sitz in Berlin dominiert die Farbe Grün - statt Post-Gelb. Die Firma hat rund 1150 Mitarbeiter und beförderte 1999 in der Hauptstadt die ersten Briefsendungen.

Hermes

Der international tätige Handels- und Logistikdienstleister ist ein Tochterunternehmen der Otto Group und beschäftigt rund 9000 Mitarbeiter in Deutschland. In Europa bewegte die Hamburger Firma im vergangenen Jahr nach eigenen Angaben 530 Millionen Sendungen im Paket- und Logistikgeschäft. Deutschland gehört zu den Kernmärkten.

TNT

Das niederländische Unternehmen ist nach eigenen Angaben einer der weltweit führenden Anbieter von Expressdienstleistungen für Geschäftskunden. Dazu gehört die deutsche TNT Express GmbH mit Sitz in Troisdorf (Nordrhein-Westfalen) mit etwa 3700 Mitarbeitern. Im Jahr 2013 hatten die EU-Wettbewerbshüter eine Fusion mit dem US-Paketdienst UPS untersagt.

UPS

Der US-Paketdienstleister bezeichnet sich als der größte Express- und Paketzustelldienst weltweit mit rund 435 000 Mitarbeitern. Im April 2015 kündigte UPS-Deutschland-Chef Frank Sportolari in der „Wirtschaftswoche“ an, dass der Konzern eine Milliarde Euro in Europa investieren wolle - unter anderem in den Ausbau seiner Sortierzentren und in neue Paketshops.

Appel hofft aber weiter auf Besserung: „Wir ergreifen diese Maßnahmen, um unsere Ergebnisziele für 2016 und 2020 zu untermauern.“ Im kommenden Jahr will der Konzern danach seinen Gewinn deutlich in die Höhe schrauben: Dann soll der operative Ertrag um mindestens eine Milliarde Euro steigen, Appel stellte erneut ein Ebit von 3,4 bis 3,7 Milliarden Euro in Aussicht.

Für Rückenwind könnte dabei auch eine Porto-Erhöhung in Deutschland sorgen. Die Post hatte jüngst angekündigt, das Briefporto im kommenden Jahr so deutlich anheben zu wollen wie seit fast 30 Jahren nicht mehr. Beim Massenprodukt Standardbrief soll das Porto zum Jahreswechsel etwa von derzeit 62 auf 70 Cent steigen.

Von

rtr

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