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21.01.2003

15:44 Uhr

Probleme sind zum Teil hausgemacht

„Teuro“ belastet das Gastgewerbe

Die anhaltende Konsumflaute und die „Teuro“- Debatte haben 2002 insbesondere bei Restaurants und Gaststätten zu Umsatzeinbrüchen geführt. Sie bekommen die Wirtschaftsschwäche deutlicher zu spüren als die gesamte Branche, zu der auch Hotels und Pensionen sowie Kantinen gehören.

HB/dpa WIESBADEN. 2002 verringerten sich die Erlöse des Gastgewerbes im Vergleich zum Vorjahr um knapp 4 Prozent, teilte das Statistische Bundesamt auf Basis vorläufiger Zahlen am Dienstag in Wiesbaden mit. Ohne Preiserhöhungen hätte das Minus sogar sieben Prozent betragen.

„Die Branche hängt wie ein Seismograph am Tropf der Konjunktur“, begründete ein Sprecher des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands Dehoga das Minus. „Auf den Restaurantbesuch können Sie verzichten, aber nicht auf Wurst, Käse und Brot.“ Dehoga-Präsident Ernst Fischer machte die Steuer- und Abgabeerhöhungen für die Misere der Branche mitverantwortlich. Diese hätten den Konsum in Deutschland weiter abgewürgt.

„Ein Teil der miserablen Lage ist aber auch hausgemacht“, schreibt die Dresdner Bank in einer Branchenanalyse. Viele Betriebe hätten die Euro-Bargeldeinführung am Jahresanfang zu deutlichen Preisanhebungen genutzt. „Die verärgerten Verbraucher reagierten mit Konsumverzicht, vor allem die Zahl der Restaurantbesuche sank zu Jahresanfang drastisch“. Während die Preissteigerungen in den vergangenen Jahren im Jahresmittel unter 1,5 Prozent lag, betrugen die Aufschläge in den ersten neun Monaten 2002 fast 3,5 Prozent.

„Das Gastgewerbe musste aufhören, die Kostensteigerungen alleine auszulöffeln“, verteidigte dagegen der Dehoga-Sprecher den Preisanstieg. Schließlich seien Personalkosten, die Bier- und die Brotpreise um 3 Prozent und mehr gestiegen. „Teuro“-Sünder habe es gegeben, alles in allem sei die „Anpassung der Preise“ aber fair gewesen. Die Ertragslage im Gastgewerbe dürfte angesichts langjähriger realer Umsatzrückgänge bei gleichzeitigem Anstieg der Kosten unbefriedigend sein, stellten die Dresdner-Bank-Ökonomen fest.

Auch die Commerzbank-Volkswirtin Elisabeth Andreae hält die „Teuro“-Debatte in einigen Bereichen für überzogen. Viele Nahrungsmittel hätten sich zu Beginn des Jahres verteuert. Später hätten höhere Personalkosten zu Buche geschlagen. Andreae gibt daher der schwachen Konjunktur die Hauptschuld an den Umsatzeinbrüchen. „Der private Verbrauch ist in Deutschland ohnehin recht schwach. Hinzu kommt, dass sich auch die Firmen bei Geschäftsessen stärker zurückhalten.“

Vor allem Restaurants und Gaststätten, die rund 60 Prozent der Branche ausmachen, trifft es mit Wucht. Im November lagen die Umsätze um 9,5 Prozent, ohne Preiserhöhungen sogar um 12,4 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Das Minus des gesamten Gastgewerbes lag im November dagegen nur bei 7,9 (preisbereinigt 11,0) Prozent. Von Januar bis November waren die Erlöse der Restaurantbesitzer 4,5 (preisbereinigt 7,9) Prozent niedriger.

Die Flaute spürten auch Hotels und Pensionen, die etwa ein Drittel der Branche umfassen. Dort fielen die Umsätze in den ersten elf Monaten 2,3 Prozent (preisbereinigt um 5,8 Prozent) geringer aus. „Die Folgen der Terroranschläge, die generelle Abkühlung der Weltwirtschaft und die reduzierte Reisetätigkeit der Geschäftsreisenden spürte besonders die Stadthotellerie“, urteilte die Dresdner Bank.

Auch Kantinen und Lieferservice-Anbieter seien derzeit von der Flaute betroffen. Angesichts der wirtschaftlichen Lage sparten viele Firmen selbst in diesem Bereich und hielten sich bei Betriebs- und Weihnachtsfeiern zurück. Die Statistiker bezifferten den Umsatzrückgang dieser Sparte von Januar bis November mit 5,0 (preisbereinigt 7,7) Prozent.

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