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27.10.2013

13:58 Uhr

Problemflughafen

Polizeieinsatz gegen Architekten von BER

Wer ist schuld an dem Desaster um BER? Der Untersuchungsausschuss hat nun einen Durchsuchungsbeschluss gegen den Architekten des Flughafens erwirkt. Dieser habe „mehrfach“ über den Verbleib von Dokumenten getäuscht.

Ohne Helm geht nichts: Der Berliner Flughafen ist eine einzige große Baustelle. dpa

Ohne Helm geht nichts: Der Berliner Flughafen ist eine einzige große Baustelle.

BerlinBei der Aufarbeitung des Desasters um den Bau des Flughafens Berlin Brandenburg (BER) hat es einen Polizeieinsatz gegen Büros des BER-Architekten Meinhard von Gerkan in Berlin und Hamburg gegeben. Der BER-Untersuchungsausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses hatte einen Durchsuchungsbeschluss erwirkt, um die Herausgabe bestimmter Dokumente zu erzwingen, wie der Ausschussvorsitzende Martin Delius (Piratenpartei) mehreren Berliner Zeitungen vom Samstag erläuterte. Das Büro von Gerkan wurde mit der Angabe zitiert, die Dokumente seien nach Anrücken der Polizei am Freitag freiwillig ausgehändigt worden. Der Täuschungsvorwurf sei unhaltbar.

„Es ging um ein Gutachten, das sich mit der ersten Verschiebung des Eröffnungstermins für den Flughafen befasst“, sagte Delius dem „Tagesspiegel“. Demnach bestand schon im Jahr 2010 der Verdacht, dass der später abgesagte Eröffnungstermin im Jahr 2012 kaum zu halten sein werde. Zu einer Durchsuchung im engeren Sinn kam es dem Bericht zufolge aber nicht. „Die Unterlagen sind von uns indessen freiwillig zur Verfügung gestellt worden“, zitierte das Blatt Mitarbeiter von Gerkans.

Fragen und Antworten zum Hauptstadtflughafen

Warum ist es so schwer, den Flughafen in Betrieb zu nehmen?

Die größten Probleme sind ungelöst: Noch haben die Ingenieure die Brandschutzanlage im Hauptgebäude des Terminals nicht im Griff. Der größte Entrauchungsabschnitt soll nun geteilt werden - in der Hoffnung, das Ungetüm dann beherrschen zu können. Außerdem strömt die Frischluft im Brandfall noch nicht so nach, wie sie sollte, und verwirbelt mit dem Rauch. Hier wird umkonzipiert. Umbauen können die Techniker aber erst, wenn ein anderes Problem gelöst ist: die hoffnungslos überbelegten Kabeltrassen zu entwirren.
Eigentlich wollte Mehdorn schon in diesen Wochen einen Inbetriebnahme-Zeitplan für den gesamten Flughafen nennen, nun hofft er, den in zwei bis drei Monaten liefern zu können. „Das muss ein Termin sein, den wir risikofrei erreichen können“, sagt Mehdorn nach der Blamage um vier geplatzte Starttermine.

Was hat Mehdorn jetzt vor?

Im Nordflügel des Terminals gibt es einen Großteil der Probleme nicht. In dem für Billigflieger gedachten Trakt will Mehdorn im März oder April die ersten Passagiere einchecken lassen. Es wäre ein Start auf Regionalflughafen-Niveau, mit höchstens fünf Starts und fünf Landungen pro Tag - gerade mal ein Prozent der Kapazität des Flughafens.
Mehdorns Kalkül: Der Großteil der Abläufe am Flughafen kann so getestet werden, bevor alle Airlines von Tegel und Schönefeld-Alt zum Neubau umziehen. Für die Gesamteröffnung wird seit längerem das Jahr 2015 genannt. Aber niemand legt sich fest.

Platzeck geht – übernimmt jetzt Wowereit?

Ja. Brandenburgs Regierungschef Matthias Platzeck (SPD) hört nach einem leichten Schlaganfall auf und gibt auch den Flughafen-Aufsichtsratsvorsitz ab. Als gewählter Stellvertreter war der Berliner Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit erst einmal eingesprungen. Nun übernimmt er wieder die Spitze im Aufsichtsrat – es gab schließlich keine Konkurrenz.

Seit einem Jahr ist Technikchef Amann auf der Baustelle. Was hat er bewegt?

Der Hoffnungsträger vom Frankfurter Flughafen hat sich in Schönefeld eine Mammutaufgabe gestellt: Eine Bestandsaufnahme aller Mängel, um dann planvoll neu durchzustarten. Von der gebrochenen Fliese bis zur defekten Brandschutzklappe kamen Zehntausende Mängel zusammen - für Projekte dieser Größenordnung keine ungewöhnliche Dimension. Mit dieser Akribie bringt Horst Amann aber den ungeduldigen Mehdorn auf die Palme, der dem Ingenieur im Frühjahr vor die Nase gesetzt wurde. Mehdorn nennt die Amann-Zeit „Schockstarre“ und startete sein Beschleunigungsprogramm „Sprint“. Beide Manager sind heillos zerstritten. Am Freitag brachten sie konkurrierende Konzepte für die Teileröffnung in den Aufsichtsrat.

Wie viel wird der Flughafen am Ende kosten?

Das weiß heute niemand. Bislang gilt die fast ein Jahr alte Zahl von 4,3 Milliarden Euro, doch sie ist nicht zu halten. Denn damals dachten die Verantwortlichen noch, dass in diesem Oktober die ersten Passagiere einchecken. Jeder weitere Monat Verzögerung kostet 34 Millionen Euro. Hinzu kommen Mehrkosten für den Schallschutz. Die 5-Milliarden-Marke ist also in Sichtweite.

Nach einem Bericht der Zeitung „B.Z.“ war von der Polizeiaktion auch die Privatwohnung von Gerkans in Hamburg betroffen. Demnach hatte sein Büro die vom Ausschuss angeforderten Unterlagen mehrfach nur massiv geschwärzt herausgegeben, so dass sie in den Augen des Gremiums wertlos waren. Das Architekturbüro habe den Untersuchungsausschuss bei Anfragen nach Dokumenten „mehrfach über deren Zustand und Verbleib getäuscht“, sagte Delius der „Berliner Morgenpost“.

Die Eröffnung des Hauptstadtflughafens war wegen diverser Baumängel, insbesondere beim Brandschutz, bereits mehrfach verschoben worden. Ein Termin für die Inbetriebnahme ist bisher nicht bekannt.

Von

afp

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