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23.04.2012

13:37 Uhr

Protest gegen S&P

Deutsche Konzerne kritisieren US-Ratingagentur

Viele deutsche Großkonzerne haben das neue Gebührenmodell der US-Ratingagentur Standard & Poor's hart attackiert. Die Pläne seien inakzeptabel, das Modell laufe auf eine Verdopplung der Preise hinaus.

Die Konzernzentrale von Standard and Poors in New York. dapd

Die Konzernzentrale von Standard and Poors in New York.

MünchenDeutsche Konzerne haben der US-Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) einem Zeitungsbericht zufolge Preistreiberei vorgeworfen. Deren jüngstes Gebührenmodell laufe „auf eine Verdopplung der Preise, wenn nicht sogar mehr“ hinaus, zitierte die „Financial Times Deutschland“ aus dem Protestschreiben von zwölf Konzernen an die Notenvergeber. Die Pläne seien „vollkommen inakzeptabel“.

Unterzeichnet worden sei der Brief von VW, Daimler, Siemens, Bayer, Eon, RWE, Continental, Lufthansa, Deutsche Post, Henkel, Linde und Bertelsmann. In Wirtschaftskreisen wurde das Protestschreiben bestätigt. Konzerne zahlten den Ratingagenturen schon jetzt eine halbe Million Euro jährlich für die Benotung von Unternehmenspapieren, hieß es.

Die US-Anbieter S&P, Moody's und Fitch verdienen überwiegend mit diesen Bewertungen ihr Geld - die in der Eurokrise umstrittenen Länderratings sind für sie eher ein Imagefaktor. Kritisiert wird bisher vor allem, dass das US-Trio den weltweiten Rating-Markt beherrscht.

Der Brief ist daher auch ein Signal an das Bundeskartellamt und die EU-Wettbewerbshüter. Der Göttinger Kartellrechts-Professor Torsten Körber sagte der „FTD“: „Für sich genommen ist eine marktbeherrschende Stellung nicht unbedingt problematisch. Anders sieht es aus, wenn sich ein Missbrauch dieser Macht nachweisen lässt - etwa um überhöhte Preise durchzusetzen.“

S&P wollte sich am Montag zunächst nicht äußern. Die „FTD“ zitierte jedoch einen Sprecher, wonach die Gebühren für Europas Unternehmen im Schnitt um weniger als fünf Prozent stiegen, aber einigen großen Konzernen stärkere Erhöhungen drohten.

Es gibt derzeit Versuche, eine neue, nicht profitorientierte Ratingagentur als Konkurrenz zu den US-Anbietern hochzuziehen. Es dürfte jedoch nach Ansicht von Experten Jahre dauern, um eine entsprechende Reputation an den Finanzmärkten aufzubauen. Geldgeber für einen neuen Notenvergeber brauchen daher einen langen Atem.

Von

dpa

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

10.05.2012, 18:57 Uhr

Wieso soll das Jahre dauern?
Wenn genug offen sich an diesen Ratings orientiert wird, kann das ganz schnell gehen.
Echt jetzt, sich mit Facebook eine goldene Nase verdienen wollen, aber in Europa selber nicht mal selbst ein ordentliches Rating hinbekommen (wollen).

Account gelöscht!

10.05.2012, 22:21 Uhr

Das mit der Reputation ist egal. Hauptsache die Ratings werden von den Aufsichtsbehörden anerkannt. Letztlich sind Regulierungsregime der Hauptgrund für Ratings. Es sind die Aufsichtsbehörden die die Big-3 mächtig machen. Durch Empörung wird die Verhandlungsposition um die Rechnung auch nicht besser.

Die Unternehmen sollten sich darüber klar sein, dass es mit den privaten CRAs genauso ist wie mit dem private WPs (die bspw. IFRS in gewisse Richtungen biegen können. Ganz offiziell, ohne "Beschiss"). Wenn du willig bist mehr zu spendieren, dann gibt es schönere Buchstaben von CRAs, sodass sich vielleicht ein paar Leute finden, die ein bisschen mehr Risiken eingehen als deren Aufsicht erlauben würde (Wie gesagt: Die Aufsicht lässt sich von diesen Buchstaben verblenden).

Dieses ganze Gelabbere über Ratings und Repuation ist einfach verlogen. Es ist eine staatlich geförderte Korruptionsmaschine für Emittenten, um Investoren zu zwingen Kapital fehlzuallokieren. Pest mit Pest bekämpfen.

Ich glaube nicht wirklich an dieser Roland Berger Ratingagentur. Irgendwer müsste auch diese Rechnung zahlen.

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