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25.06.2015

13:28 Uhr

Proteste in Frankreich

Taxifahrer machen Jagd auf Uber

VonThomas Hanke

Die Wut der französischen Taxifahrer auf Uber schlägt in Gewalt um. In vielen Großstädten machen sie regelrecht Jagd auf die Konkurrenten und legen Verkehrsadern lahm. Die Polizei schaut meist nur zu.

Paris

Ausschreitungen bei Taxifahrer-Protest gegen Uber

Paris: Ausschreitungen bei Taxifahrer-Protest gegen Uber

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ParisBrennende Reifen auf dem Pariser Autobahnring, Uber-Autos, die mit Steinen zerschlagen oder umgestürzt werden, Bahnhöfe und Flughäfen blockiert: In der französischen Hauptstadt und in anderen Großstädten wie Marseille, Bordeaux, Toulouse, Nizza, Nantes und Lille haben viele Taxifahrer erneut ihren vandalistischen Neigungen freien Lauf gelassen. Vorwand ist die angeblich unfaire Konkurrenz durch den internet-basierten Dienst Uber Pop, bei dem nicht-professionelle Fahrer über die Software von Uber von Kunden angeheuert werden können.

Rund 2.500 Taxifahrer haben nach Angaben der Polizei an den Aktionen am Donnerstag teilgenommen, die am Freitag eventuell fortgesetzt werden. Für alle Reisenden, die mit dem Auto oder dem Bus zu Flughäfen und Bahnhöfen gelangen wollten oder einfach nur die Autobahn benutzten, wurden sie zum Alptraum. Von vier Uhr morgens an haben die Taxifahrer die Zufahrten zu den Verkehrsknotenpunkten mit ihren Autos blockiert. In Tunnels des Autobahnrings Périphérique zündeten sie Reifen an, genau wie in Nantes in der Bretagne. Lebensgefährlich wurde es teilweise für die Fahrer der verhassten Konkurrenz von Uber: Deren Autos wurden auf der Pariser Autobahn mit Steinen beworfen oder umgestürzt.

Innenminister Bernard Cazeneuve wies nicht etwa die gewalttätigen Droschkenfahrer in die Schranken, sondern forderte ein „sofortiges Verbot von Uber Pop durch den Präfekten“. Die Politik hat traditionell große Angst vor den Taxifahrern, weil sie mit geringen Mitteln ein Verkehrschaos anrichten können.

Dabei haben die Proteste der französischen Taxifahrer zunehmend mafiöse Züge. Zur Ehrenrettung muss man sagen: Von den 55.000 zugelassenen Fahrern beteiligt sich nur eine kleine Minderheit an den Ausschreitungen. Doch der gegenüber zeigt der französische Rechtstaat sich nicht von seiner besten Seite, denn er verhält sich passiv. Das gilt nicht nur für die gewalttätigen Ausschreitungen am Donnerstag.

Kampf um die Fahrgäste

Taxigewerbe unter Druck

Für das Taxigewerbe war die Konkurrenz lange überschaubar – die Firmen konkurrierten nur untereinander. Doch derzeit geraten viele Unternehmen unter Druck. Neue Konkurrenz aus dem Internet reißt immer mehr Lücken in das klassische Geschäftsmodell. Ein Überblick.

MyTaxi schaltet Zentrale aus

Mit Apps wie MyTaxi können sich Passagiere ein Taxi finden, ohne dass ein Anruf in der Zentrale nötig wäre. Den Fahrern geht also kein Geschäft verloren, aber den Vermittlern. Die Taxizentralen versuchen mit einer eigenen App, sich die Konkurrenz vom Leib zu halten.

Uber buhlt direkt um die Gäste

Dienste wie Uber konkurrieren direkt mit den Taxiunternehmen um die Gäste. Das Start-up, das mit Google einen potenten Investor hat, betreibt selbst keine Wagen, sondern agiert als Vermittler, der eigenständigen Fahrern eine technische Plattform bietet. Damit wälzt es die Verantwortung ab: Für die Einhaltung der Bestimmungen sind die Fahrer zuständig. Viele Städte halten dieses Modell für unzulässig.

RideWith verbindet Fahrer und Mitfahrer

RideWith ist eine App des Google-Dienstes Waze und startet in Israel: Die Applikation soll Fahrer auf dem Weg zur Arbeit und zurück mit Mitfahrern verbinden. Waze erstellt Routen-Anweisungen auf Grundlage von Informationen der Nutzer über den Verkehrsfluss.

Carsharing als Alternative

Wer nach einem Kneipenabend nach Hause fahren will, kann natürlich nicht selbst fahren. In anderen Fällen sind Carsharing-Dienste aber durchaus eine Alternative. In den Großstädten wird das Netz an Fahrzeugen immer dichter, so dass Nutzer es nicht weit haben. Gerade an Bahnhöfen ist das Angebot groß.

Seit Tagen machen Taxifahrer in manchen Städten, vor allem Lyon und Lille, regelrecht Jagd auf Fahrer und Kunden von Uber. Sie üben dabei auch schon mal Selbstjustiz. In Lyon verweigerte ein Taxichauffeur eine Fahrt. Als der frustrierte Kunde daraufhin sagte, dann werde er eben ein Uber-Auto bestellen, fiel der Fahrer mit mehreren Kollegen über ihn her und brach ihm Nase und Kiefer.

Die Fahrer von Uber Pop, Franzosen ohne Taxilizenz, die ihren Verdienst aufbessern wollen, werden mittlerweile zu Parias. In der Rhone-Metropole Lyon und in Lille im Norden Frankreichs haben die Taxifahrer sich darauf verlegt, ihre neuen Konkurrenten zu jagen, statt Kunden zu befördern. Sie melden sich als Kunde bei Uber an und bestellen zum Schein eine Fahrt. Kommt der Uber-Wagen zum vereinbarten Treffpunkt, wartet dort kein Kunde, sondern mehrere Taxis, die ihn einklemmen. Wenn der Uber-Mann Glück hat, halten die Taxis ihn nur fest und rufen die Polizei. „Wir schlagen die Fahrer nicht, wir sorgen nur dafür, dass das Gesetz zur Anwendung kommt“, rühmt sich der Chef einer Taxivereinigung von Lille.

Kommentare (2)

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25.06.2015, 14:32 Uhr

Man sieht mal wieder sehr schön, wie die Bürger in anderen EU-Ländern ihren Frust freien lauf lassen können, ohne das die Polizei einschreitet. Und wenn der Bürgerfrust in Frankreich, Italien, Spanien und wie jetzt aktuell in Griechenland weiter anwächst, dann brennt die EU-EURO Hütte in zwei Jahren lichterloh. Die EU-EURO Politik ist gescheitert und die Bürger in Südeuropa merken dies als erstes und immer mehr. Der deutsche Michl dagegen ist NOCH politisch Korrekt und staatshörig....NOCH!

Herr John Lamp

25.06.2015, 14:36 Uhr

professionelle Fahrer zeichnet die Fähigkeit aus sich frei in Lynchjustiz zu üben. Klasse ich fühle mich nun in guten Händen. Ich hoffe sehr es sind nicht überwiegen nicht-christliche Männer mit dem alleinigen Anspruch auf das Geld der Kunden die Tranportiert werden. Wenn Uber nicht illegal ist, dann verhält sich die Polizei illegal indem die nur zuschaut. Lizenzgebühr ist für mich ein unternehmerisches Risiko und kein Sonderrecht auf Monopol. Wird die Polizei auch nur zuschauen wenn ich gegen Taxis in der Stadt protestiere und auch Reifen in Hauptverkehrsader der Großstadt verbrenne? Ist das die Welt die wir uns erschaffen? Taxifahrer aus Nordafrika entscheiden wer mich gegen teure Euros von A nach B bringt? Ein Steilvorlage für Le Pen eine Katastrophe für Europa

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