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09.01.2014

16:54 Uhr

Qantas in der Krise

Nächster Tiefschlag für das boxende Känguru

VonTobias Döring

Australiens Fluggesellschaften Qantas und Virgin liefern sich einen harten Kampf. Qantas wird zum zweiten Mal auf Ramsch-Niveau abgewertet. Die Känguru-Airline legt ein Sparprogramm auf – und attackiert den Konkurrenten.

Maschine von Qantas mit einer Sonderlackierung: Die Airline wurde von Moody's abgewertet, will sich jetzt aber „durchboxen“. AFP

Maschine von Qantas mit einer Sonderlackierung: Die Airline wurde von Moody's abgewertet, will sich jetzt aber „durchboxen“.

DüsseldorfDen größten australischen Pop-Star hatte die Fluggesellschaft Qantas am Mittwochabend in Los Angeles auf die Bühne gestellt. Kylie Minogue sang vier Lieder und warb bei dem „Qantas Spirit of Australia“-Event in Kalifornien für ihr Heimatland. Auch Hollywood-Star John Travolta ließ sich auf der Veranstaltung blicken.

Doch wenige Stunden später war es vorbei mit dem „Qantas-Spirit“: Die Ratingagentur Moody's hat die Kreditwürdigkeit der Airline am Donnerstag auf Ramsch-Niveau herabgesetzt – und der größten Fluggesellschaft Australiens den nächsten Tiefschlag verpasst.

Moody's senkte die Bewertung von der Note Baa3 auf Ba2. Bereits im Dezember hatte auch Standard & Poor's die Airline mit dem Känguru auf Ramsch abgewertet. Moody's erklärte die Herabstufung mit einer Marktverschlechterung auf dem australischen Heimatmarkt: Qantas macht der harte Konkurrenzkampf mit Virgin Australia zu schaffen.

Roter Teppich für alle – Ungewöhnliche Zusatzservices

Last-Minute-Upgrade

Bei Delta in den USA verkaufen die Flugbegleiter an Bord mithilfe ihrer Tablet-Computer Upgrades für die letzten freien First-Class-Sitze, in der Regel für weniger Geld als bei einer frühzeitigen Buchung.

Koffer nach Hause

Für 30 Dollar liefern American Airlines und US Airways innerhalb von vier Stunden nach der Landung in den USA den Koffer ins Hotel oder nach Hause, damit sich die Kundschaft das Warten am Band sparen kann.

Genuss am Himmel

Bei Langstreckenflügen aus Paris bietet Air France neben dem kostenlosen Standardessen fünf weitere Menüs der traditionellen französischen Küche, von Bio bis zur 28 Euro teuren, viergängigen „Sélection“ des Gourmettempels „Maison Lenotre“ aus Paris. Kurzentschlossene Genießer können über den -À-la-Carte-Service von Austrian Airlines noch eine Stunde vor Abflug beim Wiener Edelcaterer Do & Co für 15 Euros Tapas, Salate und natürlich Wiener Schnitzel mit Vor- und Nachspeise ordern.

Kindermenü für einen Penny

Bestellen Eltern beim britischen Ferienflieger Jet2.com eine Mahlzeit (ab umgerechnet 9,50 Euro), bekommen ihre Kinder das Menü für einen Penny. Damit die Eltern nicht vergessen zu bestellen, erinnert sie die Linie rechtzeitig vor dem Abflug mit einer Mail, wie lang der Flug ist.

Bequemer zum Flieger

Zum „Roter Teppich“ genannten Paket des malaysischen Billigfliegers Air Asia gehört für umgerechnet 25 Euro freies WLAN am Flughafen, eine schnellere Pass- und Sicherheitskontrolle und das Versprechen, dass der Koffer bei Ankunft zuerst auf das Gepäckband rollt.

Extra-Flatrate

Für eine Pauschale von 199 Dollar können die Kunden bei Delta drei Monate lang auf jedem Flug innerhalb der Vereinigten Staaten ohne Zusatzgebühr einen Koffer aufgeben und zusätzlich als Erste ins Flugzeug einsteigen. Darüber hinaus bekommen sie außerdem Sitze mit mehr Platz und zusätzliche Meilen im Bonusprogramm.

Serviceclub

250 Euro verlangt der spanische Billigflieger Vueling für zehn Lounge-Besuche, schnellere Sicherheitskontrollen und das Recht, als Erster einzusteigen. Beim ungarischen Ultra-Geizflieger Wizzair bekommen Mitglieder des Discount Clubs für knapp 30 Euro Jahresgebühr immer mindestens zehn Euro Rabatt auf alle Tickets außer den allerbilligsten.

Laden an Bord

In ihren Airbus A380-Superjumbos bietet Korean Air statt der bei anderen üblichen Bar einen Duty-free-Laden mit 64 Artikeln. In den Regalen gehalten werden die zollfreien Waren von kleinen Magneten – damit die teuren Parfüms und Cremes bei Turbulenzen nicht herumfliegen.

Kaufhaus im Vordersitz

Über sein Bordunterhaltungssystem verkauft der US-Billigflieger Virgin America ein Schlafset mit Kissen und Decke für neun Dollar sowie Schmerz- und Schlaftabletten für vier Dollar. Die Rechnung begleichen die Passagiere am Ende des Fluges am Bildschirm per Kreditkarte.

Nie mehr Kofferverlust

Die australische Qantas verkauft für umgerechnet 40 Euro einen Gepäckanhänger, der dank RFID-Technik immer zeigt, wo der Koffer gerade ist. Ein ähnliches System erprobt auch British Airways.

Quelle: Wirtschaftswoche, Rüdiger Kiani-Kreß

Aktionen der Airlines wie der Ausbau von Kapazitäten hätten „die Marktdynamik in einer strukturellen Weise gegen Qantas verschoben“, sagte Ian Lewis, Vizepräsident von Moody's. „Wir erwarten, dass die Geschäftsrisiken und der Verschuldungsgrad auf hohem Level bleiben“, sagte Lewis. Das sei unvereinbar mit einer höheren Bewertung.

Qantas teilte mit, die Herabstufung komme nicht unerwartet. Finanzchef Gareth Evans sagte, dass man die nötigen Entscheidungen treffe: „Wie hart diese auch ausfallen werden – damit werden wir sicherstellen, dass wir in den kommenden Jahren stark und diszipliniert sein werden.“ Die Aktie von Qantas verteuerte sich trotz des Moody's-Urteils um knapp zwei Prozent auf 1,12 australische Dollar – der beste Kurs seit dem 20. Dezember.

Qantas steckt in einer tiefen Krise. Nach der Pleite von Ansett Australia im Jahr 2001 hatte Qantas nahezu ein Jahrzehnt lang eine Vormachtstellung bei Inlandsflügen inne, die einem Monopol glich. Doch Virgin Australia - zuvor Virgin Blue - holte dank zahlreicher Zukäufe auf. Anfang Dezember kündigte Qantas an, im zweiten Halbjahr 2013 mit einem Verlust von 250 bis 300 Millionen australischen Dollar (165 bis 199 Millionen Euro) zu rechnen.

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