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30.06.2014

12:09 Uhr

Qatar-Airways-Chef Al-Baker

„Bedingungen der Gewerkschaften töten Lufthansa“

ExklusivPrügelknabe Qatar Airways: Die Lufthansa beschwert sich über unfairen Wettbewerb, Verdi brandmarkt die Arbeitsbedingungen. Airline-Chef Al-Baker outet sich als Fan der deutschen Airline, von Gewerkschaften hält er wenig.

Qatar-Airways-Chef Akbar al-Baker: „Ein besonders starkes Stück ist, dass Verdi-Chef Frank Bsirske auch noch Aufsichtsrat bei Lufthansa ist“. dapd

Qatar-Airways-Chef Akbar al-Baker: „Ein besonders starkes Stück ist, dass Verdi-Chef Frank Bsirske auch noch Aufsichtsrat bei Lufthansa ist“.

DüsseldorfDie arabische Fluggesellschaft Qatar Airways wehrt sich gegen Angriffe aus Deutschland. Die Gewerkschaft Verdi hatte der Airline zuletzt vorgeworfen, Arbeitnehmerrechte zu verletzen: Bei einer Schwangerschaft drohe die Kündigung, Mitarbeiter müssten in Gemeinschaftsunterkünften wohnen und eine Sperrstunde einhalten. Verdi-Chef Frank Bsirske forderte sogar die Abgeordneten des Bundestages auf, Qatar Airways zu boykottieren.

Airline-Chef Akbar Al-Baker weist die Vorwürfe im Interview mit der Digitalzeitung Handelsblatt Live als „absolut unfair“ zurück. „Wer als Stewardess schwanger wird, bekommt einen Job als Bodenpersonal“, sagt Al-Baker. Die Flugbegleiterinnen dürften allerdings in den ersten fünf Jahren ihrer Tätigkeit tatsächlich nicht heiraten. Dies begründet Al-Baker mit den hohen Ausbildungskosten. In den Gemeinschaftsunterkünften dürften die Mitarbeiter grundsätzlich machen, was sie wollen. Nach 22 Uhr dürfe aber kein Betriebsfremder mehr in den Gebäuden sein, um 4 Uhr müssten alle Mitarbeiter zurück sein. „Aber es gibt keine Überwachung bei uns, keine Kameras in den Schlafzimmern oder Fluren“, so der Airline-Chef.

Die drei großen Airlines vom Golf

Newcomer in der Luftfahrt

Vor allem die Golf-Airlines Emirates, Etihad und Qatar Airways mischen das weltweite Luftfahrtgeschäft auf. Sie zählen zu den Großkunden der Flugzeughersteller Airbus und Boeing.

Emirates mit großer Marktmacht

Schlagzeilen macht vor allem Emirates, die rasant wachsende Airline aus dem Golf-Emirat Dubai. Sie schreckt europäische Konkurrenten wie die Lufthansa auf und spielt auch gegenüber den Flugzeugbauern ihre Marktmacht aus. Emirates ist der weltweit größte Betreiber der Großraumjets Airbus A380 und Boeing 777. Erst im vergangenen Jahr hatte die Gesellschaft ihre Bestellungen für den Superjumbo A380 von 90 auf 140 Maschinen aufgestockt.

Dubai soll zum Weltumsteige-Flughafen werden

Geführt wird die Airline vom Briten Tim Clark, das uneingeschränkte Sagen hat jedoch Scheich Ahmed bin Saeed Al-Maktoum, der zugleich Chef des Flughafens und der Luftfahrtbehörde ist. Er treibt seit Jahren seine Pläne voran, Emirates zur führenden Airline und Dubai zum Weltumsteige-Flughafen zwischen Europa und Asien zu machen. Nach Angaben der Gruppe lag der Jahresumsatz zuletzt bei knapp 24 Milliarden Dollar (rund 18 Milliarden Euro).

Etihad startete auf königlichen Erlass

2003 hob Etihad, die nationale Airline der Vereinigten Arabischen Emirate, erstmals ab – auf königlichen Erlass. Der Rivale der großen Emirates zählt zu den schnell wachsenden Golf-Airlines. Noch ist die Flotte mit Drehkreuz in Abu Dhabi mit 72 Flugzeugen halb so groß wie die der Air Berlin, schon in sechs Jahren sollen es aber 158 Maschinen sein.

Kräftiges Passagierplus

2013 beförderte Etihad knapp 12 Millionen Passagiere, ein Plus von 16 Prozent. Das wirkt gegen die 31,5 Millionen der Beteiligung Air Berlin auch deshalb bescheiden, weil bei Etihad lange Strecken dominieren. Die knapp 11.000 Beschäftigten erwirtschafteten 2013 6,1 Milliarden US-Dollar Umsatz.

Qatar Airways Erstkunde bei der A350

Qatar Airways aus dem Emirat Katar komplettiert das Trio vom Golf. Die Fluggesellschaft wurde 1993 gegründet, ebenfalls auf Betreiben der Herrscherfamilie. Die Airline ist Großkunde bei Airbus und Boeing und hat nach eigenen Angaben 280 Flugzeuge bestellt. Beim neuen Airbus-Mittelstreckenjet A350 ist Qatar Airways Erstkunde.

Kritik wegen Arbeitsbedingungen

Zuletzt wurde Qatar Airways wegen der Arbeitsbedingungen kritisiert. Unter anderem wird der Arline vorgeworfen, dass seine überwiegend ausländischen Mitarbeiter unter Aufsicht in Gemeinschaftsunterkünften wohnen und eine Sperrstunde einhalten müssen. Außerdem dürfen sie demnach in den ersten fünf Jahren ihrer Firmenzugehörigkeit nicht heiraten, Schwangerschaften sind ein sofortiger Kündigungsgrund.

Weder die internationale Transportgewerkschaft ITF noch Verdi hätten die Vorwürfe vor Ort in Katars Hauptstadt Doha überprüft. Qatar Airways werde von Gewerkschaften und „linken Blättern“ angegriffen, weil es in dem Emirat keine Gewerkschaft gebe. „Ein besonders starkes Stück ist dabei, dass Verdi-Chef Frank Bsirske auch noch Aufsichtsrat bei Lufthansa ist“, wirft Al-Baker dem Gewerkschaftschef vor, Partei für den Konkurrenten zu ergreifen.

Auch die Attacke der Lufthansa, Qatar Airways sowie die beiden weiteren arabischen Airlines Etihad und Emirates hätten Wettbewerbsvorteile, weil sie Staatsgelder erhielten, kontert Al-Baker. Bis zu ihrer Privatisierung habe die Lufthansa ebenfalls Regierungsgelder als Kapitalspritze bekommen.

Der Airline-Chef outet sich im Handelsblatt-Live-Interview als Fan des deutschen Konkurrenten: „Lufthansa ist eine perfekte, eine wunderbare Airline“, sagt Al-Baker. Das Problem der Fluggesellschaft sei die Effizienz, die Lufthansa werde von den Gewerkschaften geknebelt. „Sie müssten eine Menge Geld verdienen. Aber die Bedingungen, die die Gewerkschaften ihnen aufzwingen, töten sie.“

Das vollständige Interview mit Qatar-Airways-Chef Akbar Al-Baker finden Sie als Download im Kaufhaus der Weltwirtschaft.

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