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09.03.2016

16:40 Uhr

Qatar Airways

Frech und von sich überzeugt

VonJens Koenen

Die zweigrößte der drei Fluggesellschaften vom Persischen Golf Qatar Airways will rasant wachsen. Von politischem Widerstand aus Nordamerika und Europa will sich Airline-Chef Akbar Al Baker dabei nicht aufhalten lassen.

Akbar Al Baker, Chef der Golf-Airline Qatar Airways, gilt als „Enfant Terrible“ der Luftfahrtbranche. AP

Airline-Chef

Akbar Al Baker, Chef der Golf-Airline Qatar Airways, gilt als „Enfant Terrible“ der Luftfahrtbranche.

BerlinAkbar Al Baker pflegt sein Image. Schon zu Beginn der Pressekonferenz auf der ITB in Berlin macht der Chef der Golf-Airline Qatar Airways deutlich, wohin in den kommenden Minuten die Reise gehen wird. „Schön dass Sie da sind. Es wird sicher unterhaltsam werden – wie immer“, sagt der asketisch wirkende Topmanager mit einem etwas verkniffenen Lächeln.

Es dauert nicht lange und Al Baker liefert. Zahlreiche neue Verbindungen zählt er auf, die die Fluggesellschaft in den kommenden Wochen starten will. Etwa Jerewan, die Hauptstadt von Armenien. Oder Birmingham in Großbritannien und Adelaide in Australien. Vor allem aber Atlanta in den USA begeistert Al Baker. „Wir fliegen damit mitten in die Heimat von Delta Airways, dem Anführer der Kampagne von US-Airlines gegen die Golf-Carrier“, wettert der Qatar-Chef.

Al Baker ist so eine Art „Enfant Terrible“ der Luftfahrtbranche. Er soll schon mal neue Flugzeuge zurückgeben, weil die Kabinenfarbe nicht genau so ist, wie er sie sich vorstellt. Die von ihm gesteuerte Golf-Airline Qatar ist berüchtigt dafür, es mit den Arbeitnehmerrechten und Sozialstandards zuweilen nicht so genau zu nehmen. Doch Al Baker ficht das nicht an, er kontert mit neuen Provokationen.

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Besagte Kampagne der US-Airlines etwa findet er allmählich „langweilig“. Die großen Fluggesellschaften werfen Emirates, Qatar und Etihad vor, mit Hilfe von massiven staatlichen Subventionen freie Märkte kaputt zu machen. „Wir haben keinem US-Carier auch nur irgendeinen Schaden zugefügt“, hält Al Baker gegen. Und legt nach: „Wie kann man einen Schaden beklagen, wenn man gleichzeitig Rekordgewinne in der Geschichte einfliegt. Das ist blanke Phantasie.“

An der aggressiven Expansion von Qatar ändern solche Attacken von Rivalen sowieso nichts. Das zeigt sich etwa am Heimatflughafen Hamad International Airport in Doha. Qatar stoße hier allmählich an die Kapazitätsgrenze, berichtet Al Baker. Wie gut, dass Qatar auch der Betreiber des Flughafens ist. Und so hat man beim Stararchitekten Sir Norman Forster bereits die dritte Ausbaustufe des Airports in Auftrag gegeben. Dabei ist die zweite Stufe noch nicht einmal fertig. 70 Millionen Passagiere pro Jahr sollen dann in Doha ab 2021 abgefertigt werden können. Zum Vergleich: Soviel will Frankfurt abfertigen, wenn das dritte einmal Terminal eröffnet ist. Doha ist aber nur einer von drei unmittelbar benachbarten Mega-Airports am Persischen Golf.

Qatar Airways wurde 1993 gegründet. Mit 174 Flugzeugen in Betrieb und mehr als 200 bestellten Maschinen ist die Airline die zweitgrößte Fluggesellschaft vom Persischen Golf. Doch während die älteste Airline dort, Emirates, sowie mit Etihad die jüngste, beide zu den Vereinigten Arabischen Emiraten gehören, ist Qatar im Besitz des unabhängigen Staates Katar. In Deutschland fliegt die Gesellschaft Frankfurt, München und Berlin an, würde aber gerne mehr Verkehrsrechte bekommen.

Wichtige Punkte der Strategie von Unternehmens-Chef Al Baker sind organisches Wachstum, Partnerschaften und Beteiligungen. So ist Qatar vor einigen Jahren der Luftfahrt-Allianz Oneworld um British Airways beigetreten. Gleichzeitig beteiligte sich die Golf-Airline im vergangenen Jahr mit knapp zehn Prozent an der IAG, der Holdinggesellschaft von British Airways und Iberia. „Wir hätten gerne mehr, aber derzeit ist das kein Thema“, sagte Al Baker. Auch eine Beteiligung an der zweitgrößten italienischen Fluggesellschaft Meridiana ist angeblich im Gespräch, ebenso ein Einstieg bei Royal Air Maroc. „Wir sind in Gesprächen über weitere Engagements, mehr will ich heute nicht sagen, weil ich sonst die Verhandlungen gefährde“, so der Qatar-Chef.

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