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12.11.2013

08:19 Uhr

Quartalsbericht

Portoerhöhung beschert Post ein Gewinnplus

Der Umsatz geht zurück, dennoch klettert der Gewinn. Auch Dank der Portoerhöhung steigert die Deutsche Post im dritten Quartal ihr Ergebnis. Höhere Löhne gleichen die Bonner mit einem zusätzlichen Arbeitstag aus.

Postchef im Interview

Kommt bald die nächste Portoerhöhung?

Postchef im Interview: Kommt bald die nächste Portoerhöhung?

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FrankfurtDie Deutsche Post steckt die internationalen Währungsturbulenzen mit einem Gewinnplus weg. Zwar sanken durch negative Währungseffekte die Umsätze im dritten Quartal 2013, doch konnte der Konzern mehr verdienen. Einen deutlich höheren operativen Gewinn fuhr dabei ausgerechnet ein früheres Sorgenkind ein: die Briefsparte. Diese profitierte unter anderem von der Portoerhöhung für 2013.

Auch die Briefwahl-Welle bei der Bundestagswahl beflügelte das Geschäft. Zudem verdiente der Konzern im internationalen Exportgeschäfte mehr. Seine Prognose für das laufende Jahr bekräftigte Konzernchef Frank Appel, es werde aber „kein Selbstläufer“, diese zu erreichen.

„Nach wie vor fehlt spürbarer konjunktureller Rückenwind“, beklagte Appel. Doch: „Unsere wichtigsten Wachstumstreiber, das Paketgeschäft in Deutschland und das internationale Expressgeschäft, sind weiter intakt.“ Der Umsatz der Post schrumpfte vor allem wegen negativer Währungseffekte - die Aufwertung des Euro gegenüber Währungen in Schwellenländern - um 2,5 Prozent auf 13,5 Milliarden Euro, wie der Konzern mitteilte. Ohne diesen Effekt wäre der Umsatz indes um 3,4 Prozent angestiegen, betonte Appel. Vorbörslich geriet die Post-Aktie unter Druck.

Stärken und Schwächen Deutsche Post

Stärke: Profitabilität

Alle Sparten der Deutschen Posten arbeiten profitabel. Für 2013 rechnet Konzern-Chef Appelt mit einem Gewinn von 2,7 bis 2,95 Milliarden Euro. Besonders stark ist das Briefgeschäft, das 2012 gut ein Drittel am Gewinn ausmachte.

Stärke: Monopol-Stellung im Briefmarkt

Die Post hält 90 Prozent Marktanteil im deutschen Briefgeschäft. Damit ist sie unangefochten die Nummer eins. Das Briefgeschäft soll 2013 zwischen 1,1 und 1,2 Milliarden Euro Gewinn abwerfen.

Stärke: Paket-Geschäft

Die Post ist zwar Marktführer im Briefgeschäft, doch da immer mehr Privat- und Geschäftsleute die elektronische Kommunikation per E-Mail vorziehen, schrumpft der Markt für Papierbriefe seit 2000 stetig. Dafür läuft das Geschäft mit der Paketzustellung dank Internethandel umso besser. Millionen von Kunden bestellen Päckchen online – und schicken sie deutlich öfter als den Versandhändlern lieb ist wieder zurück.

Schwäche: E-Postbrief

Um der Abwanderung der Briefkunden ins Internet nicht tatenlos zuzusehen, startete die Deutsche Post im November 2010 den „E-Postbrief“ - eine rechtsverbindliche, vertrauliche und sichere Form der E-Mail, für die Nutzer 55 Cent pro Sendung zahlen sollen. Der E-Postbrief lässt sich außerdem ausdrucken und per Briefträger zustellen. Bislang nutzen ihn rund eine Millionen Privatkunden, 4000 Mittelständler und 150 Großkunden - deutlich weniger erhofft.
Auch beim elektronischen Briefverkehr der Bundesbehörden kam die Post nicht zum Zug. Diese elektronische Nachrichten müssen nach dem De-Mail-Standard verschlüsselt sein, den die Deutsche Telekom und 1&1 anbieten.

Schwäche: Cashflow

Obwohl die Post 2012 deutlich mehr Gewinn machte als im Vorjahr, wuchs die Nettoverschuldung auf rund zwei Milliarden Euro. Der Grund: Die Post musste Pensionsverbindlichkeiten von rund zwei Milliarden Euro finanzieren. Hinzu kam eine Umsatzsteuernachzahlung in Höhen von 482 Millionen Euro sowie eine Beihilferückforderung von rund 300 Millionen Euro. Die Beihilfen hatte der Staat nach der Post-Privatisierung für Beamtenpensionen gewährt, doch die EU-Kommission hielt sie für zu hoch.
In den ersten sechs Monaten des Jahres hat die Post ihren Cashflow gegenüber dem Vorjahr jedoch deutlich verbessert. Er stieg von -767 Millionen Euro im ersten Halbjahr 2012 auf 99 Millionen Euro in 2013. Die Nettoverschuldung ist allerdings auf 2,8 Milliarden Euro gestiegen.

Schwäche: Teilweise ungedeckte Pensionsverpflichtungen

14,7 Milliarden Euro Pensionsverpflichtungen kommen auf die Post zu, mehr als 2,5 Milliarden Euro sind nicht gedeckt. Das heißt diese Summe ist weder in der Bilanz erfasst noch durch externes Fondsvermögen abgedeckt.

Schwäche: Hohe Konzernkosten

Rund 400 Millionen Euro kosten den Konzern sein Headquarter jährlich. Analysten halten die hohen Kosten für eine Erbschaft des ehemaligen Staatsunternehmens, das einst von Beamten geführt wurde. Zum Vergleich: Der Logistikkonzern Kühne + Nagel begnügte sich mit Verwaltungsaufwendungen von rund 110 Millionen Euro.

Chance: Einstieg im Fernreise-Markt

Zusammen mit dem ADAC startete die Post am 1. November 2013 den ADAC Postbus. Das neue Fernbusangebot soll schrittweise zu einem deutschlandweiten Netz ausgebaut werden. Bis zum Frühjahr 2014 will die gemeinsame Betreibergesellschaft rund 60 Fernbusse einsetzen und 30 deutsche Städte anfahren. Tickets gibt es über das Internet und in 5000 Postfilialen und ADAC-Geschäftsstellen.

Quelle: WiWo.de

Der operative Gewinn (Ebit) kletterte dagegen im Quartal um sieben Prozent auf 646 (Vorjahr: 604) Millionen Euro. Der Überschuss nach Anteilen Dritter stieg auf 399 (377) Millionen Euro. Bei Umsatz und Nettogewinn lag die Post dabei unter den Markterwartungen: Von Reuters befragte Analysten hatten im Mittel einen Umsatz von 13,797 Milliarden Euro, einen operativen Gewinn (Ebit) von 636 Millionen Euro und einen Überschuss nach Minderheiten von 409 Millionen Euro erwartet.

Neben der Portoerhöhung spielen dem Logistik-Konzern mit Sitz in Bonn noch weitere Faktoren in die Hände. Die Post hatte sich mit den Gewerkschaften auf höhere Löhne geeinigt. Die gestiegenen Personalkosten gleicht der Konzern aber durch einen zusätzlichen Arbeitstag aus. Im vergangenen Jahr waren zudem noch Aufwendungen durch die Neckermann-Insolvenz angefallen. Anfang des Jahres hatte das Unternehmen das Porto erhöht, bei Standardbriefen etwa von 55 auf 58 Cent.

Die erst im August angehobene Prognose für das Gesamtjahr bekräftigte Konzernchef Appel: Die Post rechnet 2013 mit einen Anstieg des Ebit auf 2,75 bis drei Milliarden Euro. Knapp zwei Milliarden Euro hat Appel dabei beim Ebit nach neun Monaten schon eingefahren. 2012 hatte der Konzern ein Ebit von rund 2,6 Milliarden Euro verdient.

Kommentare (1)

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12.11.2013, 09:39 Uhr

Moment, waren nicht gestiegene Löhne der wichtigste Grund für die Portoerhöhung ? Und jetzt neutralisiert die Post die höheren Löhne durch längere Arbeitszeiten ? Und wozu dann die Portoerhöhung ? Als allgemeinen Beitrag zur Inflation und zugunsten des eigenen Gewinns ?
Ich bin wahrlich kein Linker und strammer Marktwirtschaftler. Das jedoch geht zu weit. Irgendwie stößt es mir sauer auf, wenn die Bahn, Post, Telekom, also die ehemaligen Staatsmonopolisten Preise erhöhen obwohl die Kosten netto eben nicht gestiegen sind !

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