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15.05.2014

09:43 Uhr

Quartalszahlen

Air Berlin fliegt dickes Minus ein

Tiefrote Zahlen bei Air Berlin: Deutschlands zweitgrößte Airline kann zum Jahresauftakt den stattlichen Verlust aus dem Vorjahreszeitraum nur minimal drücken. Schuld diesmal: die späten Osterferien.

Schlechtes Quartalsergebnis

Air Berlin tief in den roten Zahlen

Schlechtes Quartalsergebnis: Air Berlin tief in den roten Zahlen

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BerlinDie Fluggesellschaft Air Berlin ist zu Jahresbeginn erneut tiefer in die roten Zahlen geflogen. Trotz weiterer Einsparungen fiel der Nettoverlust im saisonbedingt schwachen ersten Quartal mit rund 210 Millionen Euro um sieben Prozent höher aus als ein Jahr zuvor. Das teilte Deutschlands zweitgrößte Fluglinie überraschend bereits am Mittwochabend mit.

Da die reisestarken Osterferien 2014 im Gegensatz zum Vorjahr komplett in den April fielen, ging der Umsatz in den ersten drei Monaten um vier Prozent auf 762 Millionen Euro zurück. Den Verlust vor Steuern und Zinsen (Ebit) konnte Air Berlin um drei Prozent auf 183 Millionen eindämmen.

Damit sackte das Eigenkapital kurz vor der inzwischen vereinbarten Finanzspritze der arabischen Großaktionärin Etihad noch weiter ins Minus. Ende März lag es bei minus 399 Millionen Euro nach minus 186 Millionen zum Jahreswechsel.

Air Berlin – schneller Aufstieg, jahrelange Turbulenzen

Die Anfänge

Vor 37 Jahren hob der erste Air-Berlin-Flieger ab. Alles begann mit alliierten Sonderrechten zur Landung im geteilten Berlin. Gegründet wurde Air Berlin als Chartergesellschaft durch den Ex-Pan-Am-Pilot Kim Lundgren. Der Erstflug ging am 28. April 1979 von Tegel nach Mallorca. Die Flotte umfasste zunächst zwei Maschinen. Nach der Wende wuchs Air Berlin zur Nummer Zwei am Himmel über Deutschland heran, doch inzwischen steckt die Fluglinie seit Jahren in der Krise.

1990er-Jahre

1991: Im April kauft der LTU-Manager Joachim Hunold die Mehrheit der Anteile. Es gibt kurz darauf 15 Flüge pro Tag. Air Berlin expandiert und stationiert zunehmend auch Flugzeuge auf Regionalflughäfen.

1998: Mit dem Mallorca Shuttle Einstieg ins Linienfluggeschäft.

2004-2007

2004: Einstieg bei der Fluggesellschaft Niki des früheren Rennfahrers Niki Lauda

2006: Börsengang und Kauf der Fluggesellschaft dba

2007: Kauf des Ferienfliegers LTU, damit auch Interkontinentalflüge

2008

2008: Air Berlin rutscht in die roten Zahlen, legt das erste Sparprogramm auf: Strecken fallen weg, Flugzeuge werden ausgemustert. Die Übernahme des Ferienfliegers Condor scheitert.

2010

Air Berlin kündigt für 2012 den Eintritt in das Luftfahrtbündnis Oneworld an.

2011

Hunold wirft das Handtuch, Hartmut Mehdorn übernimmt. Ein weiteres Sparprogramm soll das operative Ergebnis um 200 Millionen Euro verbessern. 18 der 170 Maschinen werden verkauft.

2012

Die arabische Staatsairline Etihad erhöht ihren Anteil von knapp 3 auf 29,2 Prozent und stützt die Airline mit einem 255-Millionen-Dollar-Kredit. Ein neues Sparprogramm beginnt. Der Verkauf des Vielfliegerprogramms an Großaktionär Etihad bringt nur vorübergehend wieder schwarze Zahlen.

2013

Wolfgang Prock-Schauer wird Vorstandschef und verschärft das von Mehdorn im Vorjahr aufgelegte neue Sparprogramm. Jeder zehnte Arbeitsplatz fällt weg, die Flotte schrumpft auf 142 Maschinen. 400 Millionen Euro sollen bis Ende 2014 eingespart werden.

2015

Im Februar löst Stefan Pichler den glücklosen Prock-Schauer ab. Air Berlin macht 447 Millionen Euro Verlust - so viel wie nie.

2016

Nach einem juristischen Tauziehen kann Air Berlin den größten Teil der wichtigen Gemeinschaftsflüge mit Etihad weiter anbieten. Die Zahlen bessern sich nicht. Gespräche mit Lufthansa über einen Verkauf von Geschäftsteilen beginnen. Mit einem tiefgreifenden Umbau und der Streichung von bis zu 1200 Arbeitsplätzen will Air Berlin seine Krise überwinden.

2017

Air Berlin bekommt einen neuen Chef. Der Lufthansa-Manager und früheren Germanwings-Chef Thomas Winkelmann wird Vorstandschef. Air Berlin führt ihren Flugbetrieb in zwei getrennten Geschäftsfeldern weiter: Langstreckenflüge und Städteverbindungen in Europa werden zusammengefasst, Urlaubsflüge unter der Marke Niki geführt. Lufthansa erklärt sich bereit, Air Berlin zu übernehmen, wenn der Großaktionär Etihad zuvor die Schulden übernähme.

15. August 2017

Air Berlin meldet Insolvenz an. Zuvor hatte Etihad seine finanzielle Unterstützung eingestellt. Ein 150-Millionen-Euro-Kredit des Bundes soll den Flugbetrieb zunächst sichern.

Etihad schießt nun über eine Wandelanleihe schrittweise 300 Millionen Euro frisches Kapital zu, wie beide Seiten Ende April vereinbart hatten. Air-Berlin-Chef Wolfgang Prock-Schauer kündigte nun erneut deutliche Veränderungen im Unternehmen an. „Wir brauchen einen fundamentalen Wandel“, sagte der Vorstandschef laut Mitteilung. Es gelte, das Geschäft „nachhaltig aufzustellen“.

Konkrete Schritte müssen allerdings noch erarbeitet werden. Nach einem jahrelangem Schrumpfkurs wolle Air Berlin dieses Jahr wieder wachsen. Die Phase des Kapazitätsausbaus sei inzwischen abgeschlossen, erklärte Prock-Schauer. Auf Basis steigender Passagierzahlen solle die Auslastung verbessert werden und die Umsätze steigen.

Prock-Schauer sprach trotz des großen Minus von „deutlichen Auswirkungen“ des laufenden Sparprogramms „Turbine“. So habe Air Berlin die Kosten je angebotenem Sitzplatzkilometer jenseits des Treibstoffs im Vergleich zum Vorjahresquartal um 8,2 Prozent gesenkt. Billiger kamen Air Berlin den Angaben zufolge die Einrichtungen an den Flughäfen. Für ihre Flugzeuge habe die Gesellschaft zudem günstigere Leasingverträge ausgehandelt.

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

14.05.2014, 21:29 Uhr

eigentlich eine gute Airline. Ich war bei meinen Flügen immer sehr zufrieden. Keine Ahnung, was da falsch läuft.

Account gelöscht!

15.05.2014, 08:01 Uhr

Viele "Rennstrecken, die Geld gebracht haben dürften (Maschinen stets ausgebucht, resp. bis auf den letzten Platz besetzt), wurden unter Mehdorn dichtgemacht.
Das kann man natürlich so machen.
Das Problem: Unternehmenskommunikation zur zahlenden Kundschaft scheint nicht zu Mehdorns Stärken zu gehören:
Plötzlich waren die Flüge einfach nicht mehr buchbar.
Sowas passiert ein bis zweimal beim Buchen und dann schaut man besser woanders.

Man multipliziere so ein Kundenverhalten mit X.
Dafür können weder das fliegende Personal noch das Bodenpersonal etwas.
Das wirkt wie Streicharien nach Gutsherrenart.


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