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25.10.2013

04:40 Uhr

Quartalszahlen

Amazon legt weiter kräftig zu

Amazon prescht mit voller Kraft nach vorne: Der Umsatz im dritten Quartal stieg um satte 24 Prozent an. Der Expansionsdrang des weltgrößten Online-Händlers brachte allerdings auch hohe Kosten mit sich.

Amazon wächst: Der Umsatz des Online-Händlers stieg im dritten Quartal um 24 Prozent auf 17,1 Milliarden Dollar an. dpa

Amazon wächst: Der Umsatz des Online-Händlers stieg im dritten Quartal um 24 Prozent auf 17,1 Milliarden Dollar an.

SeattleDer weltgrößte Online-Händler Amazon scheint in seinem Expansionsdrang nicht zu bremsen zu sein. Der Umsatz im dritten Quartal wuchs um 24 Prozent auf 17,1 Milliarden Dollar (12,4 Mrd Euro). Angesichts der damit verbundenen hohen Kosten etwa für neue Versandzentren fiel allerdings erneut auch ein Verlust an.

Amazon durchläuft einen Wandel von einem reinen Internet-Händler zu einem breit aufgestellten Technologieunternehmen und bietet inzwischen eigene Tablets in Konkurrenz zu Apples iPad an sowie Online-Datendienste - sogenanntes Cloud Computing - für Privatleute, Firmen und Behörden.

Diese Neuausrichtung lässt sich Amazon einiges kosten, so dass auch im dritten Quartal ein Verlust von netto 41 Millionen Dollar anfiel. Vor einem Jahr stand jedoch noch ein Minus von 274 Millionen Dollar unter dem Strich. Zudem hatte Amazon wegen seiner Pläne für massive Investitionen einen Verlust angekündigt.

Um die Kosten besser in den Griff zu kriegen, hatte Amazon erst in dieser Woche die Schwelle für den Gratisversand im US-Heimatmarkt von 25 auf 35 Dollar pro Bestellung angehoben. Für Deutschland sei eine Anhebung der 20-Euro-Schwelle „derzeit nicht geplant“, erklärte eine Sprecherin auf Anfrage.

Aufstieg mit Schattenseiten: Wie funktioniert Amazon?

Wie fing Amazon an?

Jeff Bezos gründete amazon.com im Jahr 1995. Den deutschen Ableger amazon.de gibt es seit 1998. Groß wurde das Unternehmen mit dem Versand von Büchern, Videos und Musik-CDs. Seit dem Jahr 2000 können auch fremde Händler ihre Produkte bei Amazon anbieten. Mittlerweile macht der Konzern mit Sitz in Seattle zwei Drittel seines Umsatzes mit Waren wie Computern, Digitalkameras, Mode oder Lebensmitteln. Amazon ist auch einer der Vorreiter bei elektronischen Büchern sowie Musik- und Video-Downloads. Zweites großes Standbein neben dem Handel sind die Webservices mit dem Cloud Computing.

Wie konnte der Konzern so mächtig werden?

Amazon fährt eine riskante Wachstumsstrategie: Der Konzern lockt die Kunden mit günstigen Preisen sowie einer schnellen und vielfach kostenlosen Lieferung. Zudem investiert er kräftig, in die Versandzentren wie auch in die Entwicklung neuer Technologie. Dieser Wachstumskurs hat jedoch eine Kehrseite: Die Gewinnmargen sind eher dünn. 2012 machte Amazon einen Verlust von 39 Millionen Dollar. Im Jahr 2013 blieben unterm Strich 274 Millionen Dollar (204 Millionen Euro) – bei einem Nettoumsatz von 74,45 Milliarden Dollar im Jahr 2013.

Wie relevant ist der deutsche Markt?

Es ist der größte Auslandsmarkt. 2012 setzte Amazon hierzulande 8,7 Milliarden Dollar um, umgerechnet sind das derzeit etwa 6,5 Milliarden Euro. Damit lag Deutschland noch vor Japan mit 7,8 Milliarden Dollar und Großbritannien mit 6,5 Milliarden Dollar. Der wichtigste Markt überhaupt ist allerdings Nordamerika mit 34,8 Milliarden Dollar. Amazon wuchs in seiner Heimat zuletzt auch deutlich schneller als im Ausland.

Wie wichtig ist Amazon für Deutschland?

Gemessen am Einzelhandelsumsatz insgesamt ist die Rolle von Amazon überschaubar. Etwa 1,5 Prozent trägt Amazon zum Branchenumsatz von fast 428 Milliarden Euro bei. Das meiste sind jedoch Lebensmittel. Betrachtet man den Online-Handel von Unterhaltungselektronik bis hin zu Büchern, sieht die Sache ganz anders aus: Amazon hält hier fast ein Viertel des Marktes.

Wie ist der Konzern aufgestellt?

In Deutschland unterhält das Unternehmen Logistikzentren in Graben bei Augsburg, Bad Hersfeld, Leipzig, Rheinberg, Werne, Pforzheim, Brieselang und Koblenz. Dort arbeiten nach Auskunft von Amazon etwa 10.000 fest angestellte Vollzeitmitarbeiter. In Spitzenzeiten wie dem Weihnachtsgeschäft kommen in jedem dieser Zentren Tausende Saisonkräfte hinzu. Weltweit arbeiteten 124.600 Mitarbeiter (Stand: März 2014) im Unternehmen.

„Es waren geschäftige Monate“, erklärte Gründer und Firmenchef Jeff Bezos. Er verwies auf den Verkaufsstart des neuen Lesegeräts Kindle Fire, den Start des Kunsthandelsdiensts, die Eröffnung eines neuen Servicecenters und die Anmeldung von "Millionen neuer Abonnenten" beim Prime-Dienst, der gegen Zahlung eines Jahresabos erlaubt, ohne zusätzliche Kosten Waren binnen zwei Tagen zu erhalten.

Bezos hatte aber nicht nur mit neuen Produkten für Schlagzeilen gesorgt, sondern auch mit dem Kauf der „Washington Post“. Für die renommierte US-Zeitung blätterte er 250 Millionen Dollar aus seinem Privatvermögen hin.

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