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26.07.2013

00:28 Uhr

Quartalszahlen

Amazon rutscht in die Verlustzone

Auch wenn die Bilanzsaison an der Börse in New York für Unruhe sorgt: Von Amazon haben Analysten weiterhin Gewinne erwartet. Doch das Unternehmen schockte nicht nur mit Verlusten im zweiten Quartal.

Abgerutscht: Der Online-Versandhändler Amazon enttäuscht mit seinen Quartalszahlen. dpa

Abgerutscht: Der Online-Versandhändler Amazon enttäuscht mit seinen Quartalszahlen.

Seattle/BangaloreDer starke Expansionskurs und die hartnäckige Wirtschaftskrise in Europa kommen Amazon teuer zu stehen. Der weltweit führende Internet-Versandhändler rutschte im zweiten Quartal in die roten Zahlen und rechnet auch für die kommenden drei Monate mit Verlusten.

Unter dem Strich lag das Minus im Frühjahr bei sieben Millionen Dollar oder zwei Cent pro Aktie, wie das Unternehmen am Donnerstag nach US-Börsenschluss mitteilte. Von Reuters befragte Analysten hatten dagegen mit einem Gewinn gerechnet. Im Vorjahr hatte der Ebay-Konkurrent noch einen hauchdünnen Überschuss von sieben Millionen Dollar verbucht.

Die hohen Investitionen werden nach Ansicht von Gründer und Chef Jeff Bezos im laufenden Quartal zu einem noch höheren Verlust führen von operativ bis zu 440 Millionen Dollar. Nachbörslich fiel die Aktie um 2,1 Prozent. Seit Jahresbeginn hat das Papier damit aber immer noch rund 20 Prozent zugelegt und steht nahe seines Allzeithochs von gut 309 Dollar.

Aufstieg mit Schattenseiten: Wie funktioniert Amazon?

Wie fing Amazon an?

Jeff Bezos gründete amazon.com im Jahr 1995. Den deutschen Ableger amazon.de gibt es seit 1998. Groß wurde das Unternehmen mit dem Versand von Büchern, Videos und Musik-CDs. Seit dem Jahr 2000 können auch fremde Händler ihre Produkte bei Amazon anbieten. Mittlerweile macht der Konzern mit Sitz in Seattle zwei Drittel seines Umsatzes mit Waren wie Computern, Digitalkameras, Mode oder Lebensmitteln. Amazon ist auch einer der Vorreiter bei elektronischen Büchern sowie Musik- und Video-Downloads. Zweites großes Standbein neben dem Handel sind die Webservices mit dem Cloud Computing.

Wie konnte der Konzern so mächtig werden?

Amazon fährt eine riskante Wachstumsstrategie: Der Konzern lockt die Kunden mit günstigen Preisen sowie einer schnellen und vielfach kostenlosen Lieferung. Zudem investiert er kräftig, in die Versandzentren wie auch in die Entwicklung neuer Technologie. Dieser Wachstumskurs hat jedoch eine Kehrseite: Die Gewinnmargen sind eher dünn. 2012 machte Amazon einen Verlust von 39 Millionen Dollar. Im Jahr 2013 blieben unterm Strich 274 Millionen Dollar (204 Millionen Euro) – bei einem Nettoumsatz von 74,45 Milliarden Dollar im Jahr 2013.

Wie relevant ist der deutsche Markt?

Es ist der größte Auslandsmarkt. 2012 setzte Amazon hierzulande 8,7 Milliarden Dollar um, umgerechnet sind das derzeit etwa 6,5 Milliarden Euro. Damit lag Deutschland noch vor Japan mit 7,8 Milliarden Dollar und Großbritannien mit 6,5 Milliarden Dollar. Der wichtigste Markt überhaupt ist allerdings Nordamerika mit 34,8 Milliarden Dollar. Amazon wuchs in seiner Heimat zuletzt auch deutlich schneller als im Ausland.

Wie wichtig ist Amazon für Deutschland?

Gemessen am Einzelhandelsumsatz insgesamt ist die Rolle von Amazon überschaubar. Etwa 1,5 Prozent trägt Amazon zum Branchenumsatz von fast 428 Milliarden Euro bei. Das meiste sind jedoch Lebensmittel. Betrachtet man den Online-Handel von Unterhaltungselektronik bis hin zu Büchern, sieht die Sache ganz anders aus: Amazon hält hier fast ein Viertel des Marktes.

Wie ist der Konzern aufgestellt?

In Deutschland unterhält das Unternehmen Logistikzentren in Graben bei Augsburg, Bad Hersfeld, Leipzig, Rheinberg, Werne, Pforzheim, Brieselang und Koblenz. Dort arbeiten nach Auskunft von Amazon etwa 10.000 fest angestellte Vollzeitmitarbeiter. In Spitzenzeiten wie dem Weihnachtsgeschäft kommen in jedem dieser Zentren Tausende Saisonkräfte hinzu. Weltweit arbeiteten 124.600 Mitarbeiter (Stand: März 2014) im Unternehmen.

Amazon nimmt das Minus allerdings bewusst in Kauf: Mit eigenen Produkten wie den Kindle-Tablets und Kampfpreisen im Sortiment versucht der Konzern, seinen Marktanteil stetig zu vergrößern. Auch der Aufbau neuer Versandzentren geht ins Geld.

Der Lohn der Mühe: Amazon wächst weiterhin rasant. Der Umsatz stieg um 22 Prozent auf 15,7 Milliarden Dollar, wie das Unternehmen am Sitz in Seattle mitteilte. Besonders stark legte dabei das wichtige Geschäft im Heimatmarkt zu, während der Ausbau des internationalen Zweigs hinterherhinkte. Für das dritte Quartal rechnet Amazon mit Umsatzerlösen zwischen 15,45 und 17,15 Milliarden Dollar. Dies wäre ein Zuwachs um zwölf bis 14 Prozent verglichen mit dem dritten Quartal 2012.

"Das internationale Geschäft war weit schwächer als erwartet und das macht sich bei der Vorhersage bemerkbar. Wir sehen Schwäche auf der internationalen Seite, die das Inlandsgeschäft nicht ausgleichen kann", sagte Scott Tilghman, Analyst bei B. Riley & Co.

Kommentare (15)

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Mankenntmich

25.07.2013, 23:42 Uhr

Seifenblasen wo man hinschaut. Media Markt, Amazon, Ebay, Google, Facebook, Twitter, usw.

ichhabrecht

26.07.2013, 00:02 Uhr

Seifenblasenkommentare wo man hinschaut. Mankenntmich, ichweissnix, ichhabkeine ahnung

Account gelöscht!

26.07.2013, 00:47 Uhr

Google als Blase zu bezeichnen ist interessant...

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