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24.10.2014

01:21 Uhr

Quartalszahlen

Amazon verfehlt Geschäftserwartungen

Im Dritten Quartal enttäuscht der Online-Händler Amazon die Erwartungen der Analysten, obwohl das Unternehmen seinen Umsatz um 20 Prozent steigern konnte. Auch der Ausblick auf das nächste Quartal ist getrübt.

Im dritten Geschäftsquartal steigert der Online-Händler seinen Umsatz um 20 Prozent. Nicht genug, meinen Analysten. AFP

Im dritten Geschäftsquartal steigert der Online-Händler seinen Umsatz um 20 Prozent. Nicht genug, meinen Analysten.

San FranciscoAmazon hat trotz eines Umsatzsprungs von 20 Prozent die Erwartungen verfehlt und Anleger mit seinem Ausblick auf das wichtige Weihnachtsgeschäft enttäuscht. Finanzchef Tom Szkutak zufolge hat der Versandhändler unter anderem mit dem starken Dollar zu kämpfen. Die Aktie fiel nachbörslich um fast zehn Prozent. Damit wurden mehr als 15 Milliarden Dollar an Börsenwert vernichtet.

Wie schon im zweiten Quartal wies Amazon am Donnerstag nach Börsenschluss auch für das abgelaufene dritte Vierteljahr einen unerwartet deutlichen Anstieg des Verlustes auf diesmal 437 Millionen Dollar aus. Doch jetzt kam dazu noch ein überraschend geringes Umsatzwachstum und die Aussicht, dass die Erlöse auch im laufenden Quartal hinter dem erwarteten Zuwachs von "20 plus x Prozent" zurückbleiben werden. "Damit ist die Wachstumsstory fast vom Tisch", sagte Tob Plaza, Analyst bei der Key Private Bank. "Das war ein hässliches Quartal."

Von Juli bis September steigerte Amazon den Umsatz zwar um 20 Prozent auf 20,58 Milliarden Dollar. Das lag aber rund 250 Millionen Dollar unter den Prognosen der Experten. Der Verlust von 437 Millionen Dollar bedeutete pro Aktie einen Fehlbetrag von 95 Cent, erwartet worden waren nur 74 Cent. Für das wegen des Weihnachtsgeschäfts wichtige vierte Quartal blieb Amazon mit seiner Umsatz-Prognose von 27,3 bis 30,3 Milliarden Dollar hinter den Erwartungen von im Schnitt 30,89 Milliarden zurück. In der vergangenen Woche hatte der Online-Händler eBay seine Prognosen kassiert und dies unter anderem auch mit Auswirkungen des gestiegenen Dollar-Kurses begründet.

Aufstieg mit Schattenseiten: Wie funktioniert Amazon?

Wie fing Amazon an?

Jeff Bezos gründete amazon.com im Jahr 1995. Den deutschen Ableger amazon.de gibt es seit 1998. Groß wurde das Unternehmen mit dem Versand von Büchern, Videos und Musik-CDs. Seit dem Jahr 2000 können auch fremde Händler ihre Produkte bei Amazon anbieten. Mittlerweile macht der Konzern mit Sitz in Seattle zwei Drittel seines Umsatzes mit Waren wie Computern, Digitalkameras, Mode oder Lebensmitteln. Amazon ist auch einer der Vorreiter bei elektronischen Büchern sowie Musik- und Video-Downloads. Zweites großes Standbein neben dem Handel sind die Webservices mit dem Cloud Computing.

Wie konnte der Konzern so mächtig werden?

Amazon fährt eine riskante Wachstumsstrategie: Der Konzern lockt die Kunden mit günstigen Preisen sowie einer schnellen und vielfach kostenlosen Lieferung. Zudem investiert er kräftig, in die Versandzentren wie auch in die Entwicklung neuer Technologie. Dieser Wachstumskurs hat jedoch eine Kehrseite: Die Gewinnmargen sind eher dünn. 2012 machte Amazon einen Verlust von 39 Millionen Dollar. Im Jahr 2013 blieben unterm Strich 274 Millionen Dollar (204 Millionen Euro) – bei einem Nettoumsatz von 74,45 Milliarden Dollar im Jahr 2013.

Wie relevant ist der deutsche Markt?

Es ist der größte Auslandsmarkt. 2012 setzte Amazon hierzulande 8,7 Milliarden Dollar um, umgerechnet sind das derzeit etwa 6,5 Milliarden Euro. Damit lag Deutschland noch vor Japan mit 7,8 Milliarden Dollar und Großbritannien mit 6,5 Milliarden Dollar. Der wichtigste Markt überhaupt ist allerdings Nordamerika mit 34,8 Milliarden Dollar. Amazon wuchs in seiner Heimat zuletzt auch deutlich schneller als im Ausland.

Wie wichtig ist Amazon für Deutschland?

Gemessen am Einzelhandelsumsatz insgesamt ist die Rolle von Amazon überschaubar. Etwa 1,5 Prozent trägt Amazon zum Branchenumsatz von fast 428 Milliarden Euro bei. Das meiste sind jedoch Lebensmittel. Betrachtet man den Online-Handel von Unterhaltungselektronik bis hin zu Büchern, sieht die Sache ganz anders aus: Amazon hält hier fast ein Viertel des Marktes.

Wie ist der Konzern aufgestellt?

In Deutschland unterhält das Unternehmen Logistikzentren in Graben bei Augsburg, Bad Hersfeld, Leipzig, Rheinberg, Werne, Pforzheim, Brieselang und Koblenz. Dort arbeiten nach Auskunft von Amazon etwa 10.000 fest angestellte Vollzeitmitarbeiter. In Spitzenzeiten wie dem Weihnachtsgeschäft kommen in jedem dieser Zentren Tausende Saisonkräfte hinzu. Weltweit arbeiteten 124.600 Mitarbeiter (Stand: März 2014) im Unternehmen.

Amazon hatte in der Vergangenheit wiederholt Verluste ausgewiesen, weil der Konzern in neue Geschäftsfelder wie Smartphones, Tablets, Videospiele und TV-Serien investierte. Der US-Konzern stellt sich damit zwar sehr breit auf und ist dadurch rasant gewachsen. Zuletzt wurden Anteilseigner aber nervös. Schon bei der Vorlage der Verlusts für das zweite Quartal, der mit 126 Millionen Dollar doppelt so hoch ausgefallen war wie erwartet, stürzte die Aktie um zehn Prozent ab. Amazon hatte damals erklärt, die hohen Ausgaben belasteten zwar kurzfristig weiter die Bilanz. Langfristig werde sich dies aber rechnen.

Auch in den vergangenen drei Monaten hatte Amazon Geld investiert. So wurde das Billig-Smartphone "Firephone" auf den Markt gebracht, mit dem Amazon gegen Video- und Streamingdienste wie MaxDome oder Netflix antritt. Ende August hatte Amazon beim größten Zukauf seiner 20-jährigen Firmengeschichte fast eine Milliarde Dollar für die Videospiele-Plattform Twitch bezahlt. Damit sollen noch mehr eigene Inhalte angeboten werden, die dann auf Amazons Instant Video, dem Kindle-Tablet und der Fire TV Set-Top-Box laufen können.

In Deutschland liegt Amazon seit langem mit Verdi im Streit. Die Gewerkschaft fordert höhere Löhne sowie tarifliche Regelungen wie im Einzel- und Versandhandel. Amazon nimmt indes die Logistikbranche als Maßstab, in der weniger gezahlt wird.

Von

rtr

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