Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

08.01.2010

10:14 Uhr

Rabattschlacht

Praktiker leidet an der eigenen Preispolitik

VonChristoph Schlautmann

Es ist die wohl bekannteste Rabattaktion Deutschlands, doch sie nagt an der Bilanz des Baumarktriesen Praktiker. "Zwanzig Prozent auf alles, außer Tiernahrung", soll die Kunden anlocken. Doch wenn es keine Nachlässe gibt, bleiben die Märkte menschenleer. Das aggressive Discountkonzept wird vom Erfolsrezept zur Last.

Hier sticht der Preis: Praktiker kann Kunden nur mit Rabatten locken. dpa

Hier sticht der Preis: Praktiker kann Kunden nur mit Rabatten locken.

DÜSSELDORF. Der Warnschuss für Anleger knallte kurz vor Silvester. „Zur Feier des neuen Jahres“, tönte Praktiker am 28. Dezember in der Reklame, biete man „20 Prozent auf alles!“.

Wieder einmal. Zwei Wochen lang verzichtete die Baumarktkette diesmal auf ein Fünftel ihrer üblichen Verkaufserlöse – selbstredend außer für Tiernahrung. Und wieder einmal ließ Vorstandschef Wolfgang Werner durchblicken, wie verzweifelt sein Unternehmen am Tropf der teuren Rabattaktionen hängt.

Die nämlich wollte der nach Obi zweitgrößte deutsche Heimwerkermarkt eigentlich nach und nach von der Bildfläche verschwinden lassen. Zu sehr kratzten die Aktionen am Ertrag des MDax-Konzerns, zu sehr hatten sich Praktikers Kunden in der Vergangenheit an die regelmäßige Wiederkehr der „20-Prozent-auf-alles“-Verkäufe gewöhnt. In den rabattfreien Wochen, klagten die Verkäufer an den Kundenkassen, blieben die Märkte nahezu menschenleer.

Im Sommer 2008 verordnete Werner seinem Konzern deshalb eine harte Entziehungskur. Mit 61 Verkaufstagen sollte es nur noch halb so viele Rabattwochen geben wie 2007. Im letzten Quartal 2009 sank die Zahl der Rabatttage sogar auf zehn – von 15 im vergleichbaren Vorjahreszeitraum.

Wie verheerend die Folgen sind, war gestern bei der Präsentation der Jahresumsatzzahlen zu sehen. Um 10,4 Prozent brach zum Weihnachtsquartal bei Praktiker Deutschland, der größten Geschäftssparte des Gesamtkonzerns, der Umsatz auf vergleichbarer Fläche ein. Für das Gesamtjahr bleibt damit ein Minus von 2,2 Prozent.

Das macht Praktiker im Kampf um Marktanteile im Heimatmarkt zum bitteren Verlierer. Branchenweit nämlich ging es, selbst auf vergleichbarer Verkaufsfläche, nach fünf Minusjahren in Deutschland 2009 überraschend wieder bergauf – voraussichtlich um 0,3 Prozent, wie Commerzbank-Experte Jürgen Elfers errechnet hat.

Wenig schmeichelhaft für Praktiker: Ausgerechnet der einzige in Deutschland börsennotierte Rivale, die Do-it-Yourself-Kette Hornbach, wird im Heimatmarkt wohl 2,4 Prozent zulegen. Anders als Praktiker verzichten die Pfälzer auf Rabattaktionen und locken die Heimwerker mit transparenten „Dauerpreisen“.

Mit deutlichen Auswirkungen auf die Ertragssituation. Während der Praktiker-Gesamtkonzern nach Schätzungen der Commerzbank 2009 bei einem Betriebsergebnis (Ebit) von 62 Millionen Euro gerade einmal eine Marge von 1,7 Prozent erzielte, schaffte Hornbach zwischen März und November 5,5 Prozent Rendite. Im gesamten Jahr zuvor blieben bei Deutschlands Nummer sechs im Baumarktgeschäft vom Umsatz 5,3 Prozent als Betriebsgewinn übrig. Schon damals musste sich Praktiker mit 3,3 Prozent begnügen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×