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12.11.2012

12:20 Uhr

Radikaler Sparplan

SAS kämpft gegen das drohende Aus

Die Fluggesellschaft SAS muss mit heftigen Sparmaßnahmen, einem Schrumpfprogramm und neuen Bankkrediten gegen ihr drohendes Ende ankämpfen. Dafür sollen unter anderem hunderte Stellen gestrichen werden.

Das Heck einer SAS-Maschine auf dem Flughafen Stockholm Arlanda. dpa

Das Heck einer SAS-Maschine auf dem Flughafen Stockholm Arlanda.

StockholmMit drastischen Einschnitten beim Personal, dem Verkauf von Konzernaktivitäten und frischen Krediten will die schwer angeschlagene Fluggesellschaft SAS das drohende Aus abwenden. „Dies ist unsere letzte Chance“, sagte Vorstandschef Rickard Gustafson am Montag in Stockholm bei der Vorstellung des radikalen Sparplanes gegen die seit Jahren chronischen Verluste sowie immer akutere Liquiditätsprobleme.

Das teilstaatlich in Dänemark, Norwegen und Schweden betriebene Unternehmen will den gut 15 000 Beschäftigten Einkommenssenkungen von 15 bis 17 Prozent sowie Verminderungen ihrer Pensionsansprüche abverlangen. Umgehend sollen 800 Verwaltungsstellen gestrichen werden.

Längerfristig erwartet SAS nach den Angaben Gustafsons, dass die Zahl der Beschäftigten durch Verkäufe und andere Maßnahmen von 15.000 auf 9000 sinkt. Er sagte zu den geplanten Einkommensminderungen: „Die Existenz unseres Unternehmens hängt davon ab, dass wir in absehbarer Zeit entsprechende Tarifverträge vereinbaren.“

Die Einschnitte beim Personal und die erhofften Verkäufe sollen jeweils drei Milliarden schwedische Kronen (350 Millionen Euro) pro Jahr als Kostenerleichterung in die Kasse bringen. Den akuten Kapitalbedarf sollen Bankkredite über 3,5 Milliarden Kronen decken. Garantien dafür haben erneut die Staatskassen der drei skandinavischen Länder sowie die schwedische Finanzgruppe Wallenberg als wichtiger privater SAS-Eigner übernommen.

Das dritte Quartal brachte dem Unternehmen einen Nettogewinn von 434 Millionen Kronen. Der Umsatz stieg gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres von 10,6 auf 11,1 Milliarden Kronen. SAS hat in den letzten Jahren zunehmend Boden gegen die neue regionale Billig-Fluggesellschaft Norwegian verloren. Das Traditionsunternehmen wurde immer wieder als Kandidat für eine Übernahme durch die Lufthansa oder einen anderen europäischen Branchenführer genannt.

Die größten europäischen Billigflieger

Platz 10

Wizz Air: 42 Flugzeuge

Die ungarische Fluglinie Wizz Air hat ihr Streckennetz vor allem in Osteuropa. In Deutschland fliegt sie mit ihren 42 Airbus A320 die Flughäfen in Dortmund, Frankfurt-Hahn, Köln/Bonn, Lübeck und Memmingen an.

Quelle: DLR Low-Cost-Monitor 1/2014 (Stand: Frühjahr 2014). Es wurden ausschließlich in Deutschland operierende Airlines in das Ranking aufgenommen.

Platz 9

Jet 2: 49 Flugzeuge

Die britische Billig-Airline Jet 2 gibt es erst seit dem Jahr 2002, trotzdem hat sie mit 49 Flugzeugen eine der größten Flotten unter den europäischen Billig-Airlines. Mit ihren 38 Boeing 737-Maschinen und elf Boeing 757 fliegt die Airline viele Urlaubsziele im Mittelmeer und außerdem New York City an.

Platz 8

Germanwings: 55 Flugzeuge

Die Lufthansa-Tochter bleibt in den Top Ten der europäischen Billigflieger. Germanwings kommt der Aufstellung zufolge auf 55 Flugzeuge in der Flotte. Weil die Lufthansa allerdings noch weitere Flugverbindungen und Maschinen an die Tochter abgibt, wird die Zahl der Flieger noch zunehmen.

Platz 7

Flybe: 59 Flugzeuge

Die britische Airline Flybe betreibt mit 37 Maschinen die größte Flotte an Bombardier Dash Q8-400 Maschinen weltweit. Dazu kommen 22 Flieger von Embraer. Flybe hat seinen Sitz in Southampton und fliegt in Deutschland die Flughäfen in Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg, Hannover und Stuttgart an.

Platz 6

Vueling: 72 Flugzeuge

Die spanische Fluggesellschaft Vueling startete im Jahr 2004. Die Flotte der Billig-Airline besteht aus Flugzeugen der Typen Airbus A320 und A319. Der Billigflieger gehört mittlerweile zur International Airline Group (IAG), der Mutter von British Airways und Iberia. Die Flotte wächst weiter – auch dank der Übernahme von Iberia-Verbindungen.

Platz 5

Air Berlin: 88 Flugzeuge

Die Netzwerk-Airline Air Berlin ist ebenfalls im Ranking vertreten – mit Strecken, die als Low-Cost-Flüge gelten (siehe Hinweis). Die Fluggesellschaft hat 41 Airbus A319, A320 und A321, 46 Boeing 737 und eine ATR in der Flotte.
Hinweis: Das DLR spricht bei Air Berlin von einer „Grauzone“, in der mehrere Geschäftsmodelle Anwendung finden. In das Ranking wurden nur die bisherigen Low-Cost-Strecken der in Air Berlin aufgegangenen Fluggesellschaften aufgenommen. Bei der Flotte verhält es sich offenbar ähnlich. Die komplette Flotte von Air Berlin finden Sie hier.

Platz 4

Norwegian: 91 Flugzeuge

Zu Norwegian gehören 87 Boeing 737 und vier 787, viele davon sind mit Portraits berühmter skandinavischer Persönlichkeiten geschmückt. Norwegian gehört damit mittlerweile zu den großen im europäischen Luftraum.

Platz 3

HOP!: 102 Flugzeuge

Die Fluggesellschaft ist neu im Ranking – und schießt gleich auf Rang drei vor. Das hat einen einfachen Grund: Der Zusammenschluss mehrerer ehemaliger französischer Regionalflieger unter dem Dach der Air France bedient erst seit kurzem den deutschen Markt.

Platz 2

Easyjet: 197 Flugzeuge

Die britische Fluglinie Easyjet ist die Nummer zwei der Billigflieger in Europa. Zu der wachsenden Flotte gehören 138 Airbus A319 und 59 Airbus A320.

Platz 1

Ryanair: 297 Flugzeuge

Mit einer Flotte von mehr als knapp 300 Flugzeugen ist Ryanair unumstritten die größte Billig-Airline in Europa. Und die Flotte wird noch größer: Bei Boeing haben die Iren zuletzt 175 neue Flugzeuge bestellt.

Von

dpa

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