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30.03.2011

15:39 Uhr

Radioaktive Strahlung

Fukushima versetzt Schifffahrt in Aufregung

Erstmals ist einem Schiff aus Japan die Einfahrt in einen Hafen verwehrt worden. Nun bereiten sich Reeder und Häfen auch in Europa auf den radioaktiven Ernstfall vor. Was tun, wenn kontaminierte Schiffe vor Anker liegen?

Einsam und verlassen liegt der Hafen von Tokio zumindest auf dieser Aufnahme vom 25. März da. Quelle: dpa

Einsam und verlassen liegt der Hafen von Tokio zumindest auf dieser Aufnahme vom 25. März da.

Der Schrecken der Schifffahrt hat einen Namen: MOL Presence. Das Containerschiff der japanischen Reederei Mitsui O.S.K. Lines hat weltweit Reeder in Alarmbereitschaft versetzt. Denn die MOL Presence ist das erste Schiff weltweit, dem wegen einer erhöhten radioaktiven Strahlenbelastung das Anlegen in einem Hafen untersagt worden ist.

Chinesische Behörden hatten dem aus Tokio kommenden Schiff die Einfahrt in den Hafen der im Osten des Landes liegenden Stadt Xiamen verwehrt, nachdem eine erhöhte Strahlenbelastung sowohl auf dem Oberdeck als auch an den Außenseiten von Containern nachgewiesen war. Das Schiff wurde daraufhin samt seiner Fracht zurück nach Japan beordert.

Auch wenn die Reederei nun selbst nur eine weit geringere Strahlung festgestellt haben will, sind die Konsequenzen dieses Zwischenfalls schon weltweit sichtbar. Wegen der Atomkatastrophe in Japan steuert die größte deutsche Reederei Hapag-Lloyd Tokio vorerst nicht mehr an. "Wir wollen keine Risiken eingehen", sagte eine Sprecherin von Hapag-Lloyd, der fünftgrößten Container-Reederei der Welt.

Und bald könnten europäische Behörden vor der gleichen Situation wie ihre chinesischen Kollegen stehen. Da das so ist, bereiten sich Hafenbetreiber und Reedereien inzwischen auch auf das Einlaufen radioaktiv kontaminierter Schiffe aus Japan vor. Nach Informationen der "Financial Times Deutschland" erarbeitet die Hamburger Hafenbehörde derzeit gemeinsam mit Zoll und Innenbehörde einen Notfallplan, wie mit verseuchten Frachtern umzugehen ist.

Voraussichtlich werde der Zoll die Schiffe überprüfen, sagte ein Sprecher der Behörde: "Wir haben aber den Vorteil, dass die Schiffe in der Regel zuerst einen anderen europäischen Hafen anlaufen." In China werden Schiffe inzwischen in den Häfen von Xiamen, Guangzhou, Shenzhen und Zhuhai auf Radioaktivität hin überprüft.

Kommentare (3)

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Account gelöscht!

30.03.2011, 14:26 Uhr

Die Frage nach einer möglichen Konterminierung von Waren und Transportmitteln aus Japan wird das Land an den wirtschaftlichen Abgrund führen. Seit Tschernobyl verweigern sich die Europäer z.B. ukrainischer Lebensmittel - und dies obwohl der dortige SuperGau 25 Jahre her ist. Wer will in Zulunft in einem strahlendem Auto fahren? Wer potentiell belasteten Reis essen? Dem japanischen Tourismus und seiner Landwirtschaft drohen auf Exportseite der Totalausfall, der übrigen Industrie eine jahrelange Durstphase, die ansässige Unternehemn zur Verlagerung ihrer Produktionsstandorte nutzen werden. Dass China nun das erste Land ist, dass einem japanischen Containerschiff die Einfahrt in einen chinesichen Hafen verwehrt, ist aber auch ein politisches Zeichen: China sieht Japan im Industriesektor als größten Konkurrenten in Aisen und versucht seit einigen Jahren gezielt - auch mit politisch fragwürdigen Mitteln - dagegen vorzugehen.

vesseltracker

30.03.2011, 17:09 Uhr

Verstehe die Aufregung nicht: Einfach die Grenzwerte erhöhen wie man es gerade für die Lebensmittel macht (Südd.Zeitung von heute)- und schon ist das Problem gelöst. Schlage Staffelerhöhung wie bei der Miete vor: Jede Woche 10% höher.

Übrigens: Stromanbieter schon gewechselt?

Rhett_Butler

30.03.2011, 17:31 Uhr

Pure Repressalie. Die Chinesen werden keine Gelegenheit auslassen, um ihre japanischen Nachbaren zu demütigen. Daß im eigenen Land in vielen Regionen katastrophale Zustände in Sachen Umweltschutz und Gesundheitsschutz herrschen, wird in diesem Zusammenhang nicht erwähnt. Mattel mußte sich noch bei den Chinesen entschuldigen, als bekannt wurde, wie gefährlich belastet die in China hergestellten Produkte waren. Da wurde sofort die kulturelle Karte gespielt, sachlich war es jedenfalls nicht mehr. Es gelten eben wie immer in China zweierlei Maß: die fürs Inland und die fürs Ausland.

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