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08.04.2012

10:05 Uhr

Ralf Leinemann

Der Anwalt der Baulöwen

VonMarcus Creutz

Der Bau- und Vergaberechtsanwalt Ralf Leinemann hat im Schatten der Großkanzleien eine beachtliche Karriere hingelegt. In nur einem Jahrzehnt ist er als Berater großer Baukonzerne zum gefragten Juristen aufgestiegen.

Ralf Leinemann, Seniorpartner bei Leinemann Partner Rechtsanwälte in Berlin. Pressefoto

Ralf Leinemann, Seniorpartner bei Leinemann Partner Rechtsanwälte in Berlin.

BerlinWährend auf der Großbaustelle des internationalen Verkehrsflughafens Berlin-Brandenburg fieberhaft letzte Arbeiten erledigt werden, zählt Ralf Leinemann schon einmal zusammen:  „Nach allem, was sich abzeichnet, wird der neue Berliner Flughafen wesentlich mehr kosten als ursprünglich vom Bauherrn kalkuliert“, stellt der Spezialist für Bau- und Vergaberecht nüchtern fest. „Ein paar hundert Millionen Euro werden es am Ende sein“, sagt er mit sonorer Stimme.

Leinemann sitzt im holzvertäfelten Besprechungszimmer seiner Kanzlei in der Berliner Friedrichstraße, als er über die abenteuerliche Kalkulation laut nachdenkt. Während München für Terminal 2 rund 1,5 Milliarden Euro ausgab, habe die Berliner Flughafengesellschaft für das fast gleich große Flughafengebäude nur mit rund 650 Mio. Euro gerechnet. Im Vergabeverfahren traten 2007 alle vier Bieterkonsortien mit knapp über einer Milliarde Euro Baukosten an. Es wurde daraufhin aufgehoben – unter Hinweis auf den vergleichsweise kleinen Etat. Leinemann war für den Mitbieter Hochtief vor Gericht gezogen. Doch das Oberlandesgericht Brandenburg war der Ansicht, das Geschäftsgebaren des Bauherrn sei nicht offensichtlich willkürlich gewesen – und wies die Klage ab.

Leinemann, gerade erst 50 Jahre alt geworden, ist dort zuhause, wo es in der Regel drunter und drüber geht: Seit 15 Jahren pendelt der Honorarprofessor zwischen Großbaustellen, Vergabekammern und Gerichtssälen. Er kennt die Konfliktherde: „Schon bei der kleinsten Störung geraten die Baustellen aus dem Ruder. Und dann fängt man an, sich gegenseitig Vorwürfe zu machen“, beschreibt Leinemann. Der Grund: „Alle Projekte werden mit einem sehr engen Terminrahmen ausgeschrieben.“ Das größte Problem in der Branche sei die Bauzeit. Ein Thema, das Leinemann zu einem finanziell unabhängigen Mann gemacht hat: Denn eine unproduktive Großbaustelle kostet Millionen, die niemand zahlen will. Anwälte werden eingeschaltet, um das Projekt wieder anzuschieben.

Ob Hamburger Elbphilharmonie, die U-Bahn-Linie Düsseldorf-Wehrhahn, der Jade-Weser-Port in Wilhelmshaven oder der Neubau des Bundesnachrichtendienstes in Berlin – kaum eine Großbaustelle in Deutschland, bei der Leinemanns Sozietät nicht Bauunternehmer, Architekten oder Bauherrn berät.

Kommentare (2)

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Nachwuchs

08.04.2012, 19:02 Uhr

Der Fachanwalt meint: Die Kosten werden sehr massiv steigen. Mit anderen Worten nur Laien und Abzocker, sie sich Experten nennen, waren hier wieder am Werk. Wann wird dies endlich massiv bestraft, auch mit Vermögensentzug und Sippenhaft. Hartz IV hat auch die Sippenhaft. Ich nenne es vorsätzlichen Betrug, wenn eine Leistung für 1 Euro angeboten wird und dann werden Millionen verlangt!

Betongold

09.04.2012, 07:25 Uhr

Geringere Mehrkosten durch Einzelvergaben:
Der Berliner Flughafen war sehr gut beraten nicht die großen Baukonzerne zu beauftragen, sondern auf Einzelvergaben zu setzen. Mit den Bauaktiengesellchaften hätten Sie ein komplettes Desaster erlebt. Denn Mehrkosten hätte der Flughafen dort in noch größerem Umfang erlebt, jedoch fast ohne vertragliche und vergabetechnische Gegensteuerungsmöglichkeiten außer MEHRGELD!

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