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02.02.2017

14:21 Uhr

Rapunzel kauft Zwergenwiese

„Märchenhochzeit“ im Naturkost-Regal

Kunden von Biomärkten kennen diese Marken: Der Allgäuer Naturkost-Hersteller Rapunzel übernimmt die Schleswiger Firma Zwergenwiese. Diese soll aber als eigenständiges Unternehmen und Marke erhalten bleiben.

Joseph Wilhelm und Susanne Schöning freuen sich auf den künftig gemeinsamen Weg von Rapunzel und Zwergenwiese. obs/Rapunzel Naturkost

Märchen-Hochzeit

Joseph Wilhelm und Susanne Schöning freuen sich auf den künftig gemeinsamen Weg von Rapunzel und Zwergenwiese.

LegauKonsolidierung in der Naturkostbranche: Der Allgäuer Hersteller Rapunzel wird Ende Februar die Schleswiger Firma Zwergenwiese übernehmen, deren Gründerin Susanne Schöning sich aus dem aktiven Geschäftsleben zurückziehen will.

Zwergenwiese soll als eigenständiges Unternehmen und eigenständige Marke erhalten bleiben, wie eine Rapunzel-Sprecherin in Legau am Donnerstag sagte. „Das ist keine Übernahme, sondern eine Weiterführung.“ In ihrer Mitteilung nennen beide Biofirmen die Weiterführung noch weitaus blumiger eine „Märchenhochzeit“.

Was wirklich hinter den Siegeln steckt

Bio

Das Bio-Siegel der EU wurde im Juli 2010 eingeführt. Ein Produkt, das dieses Label trägt, darf höchsten 0,9 Prozent gentechnisch verändertes Material enthalten und muss zu mindestens 95 Prozent aus ökologischer Landwirtschaft kommen. Vielen Bio-Herstellern sind die Kriterien an das Bio-Siegel nicht scharf genug, deswegen haben sie eigene Siegel wie Demeter oder Naturland, die höhere Anforderungen erfüllen müssen.

Fairtrade

Das Label steht für weltweit gültige Standards, die Kleinbauern stabile und auskömmliche Preise und möglichst direkte Handelsbeziehungen sichern. Dazu gehören auch die Vorfinanzierung der Produktion und ein garantierter Mindestpreis. Bei einem Produkt, das dieses Siegel trägt, müssen alle Zutaten, die unter Fairtrade-Bedingungen erhältlich sind, zu 100 Prozent Fairtrade-zertifiziert sein.

FSC

Die Non-Profit-Organisation Forest Stewardship Council vergibt dieses Siegel, um nachhaltige Forstwirtschaft zu zertifizieren. Die Produzenten müssen dafür zehn Kriterien erfüllen, die die ökonomischen, ökologischen und sozialen Standards bei den Forstbetrieben verbessern sollen. Umweltverbände kritisieren aber immer wieder, das Siegel würde zu leichtfertig vergeben.

MSC

Die private Organisation Marine Stewardship Council, die das Label für nachhaltigen Fischfang vergibt, wurde vom Konzern Unilever und der Naturschutzorganisation WWF gegründet. Betriebe die das Label bekommen, müssen unter anderem Überfischung vermeiden und das Ökosystem schützen. Auch hier gibt es Kritik an der Vergabe, beispielsweise rügt Greenpeace, dass nur 60 bis 80 Prozent der Standards erfüllt sein müssten, damit eine Fischerei das Gütesiegel erhält.

PEFC

Auch dieses Siegel soll die nachhaltige Waldbewirtschaftung sicherstellen. Im Gegensatz zum FSC, das Betriebe zertifiziert, vergibt PEFC das Siegel an Regionen. Die Nachhaltigkeit der Waldbewirtschaftung wird dann auf regionaler Ebene kontrolliert. Die Einhaltung der Standards wird regelmäßig stichprobenartig überprüft. Während das FSC-Siegel meist für Tropenholz verwendet wird, zertifiziert PEFC in der Regel europäische Wälder.

UTZ

Mit dem Label werden nachhaltig angebaute Agrarprodukte gekennzeichnet, speziell Kaffee, Tee und Kakao. Die Produzenten müssen soziale Kriterien festlegen, Anforderungen an die Umweltverträglichkeit erfüllen und eine effiziente Bewirtschaftung sicherstellen. Ein Label für fairen Handel ist UTZ jedoch nicht.

V

Das V-Siegel, das vom Vegetarierbund Deutschland (VEBU) vergeben wird, kennzeichnet vegetarische Lebensmittel. Produzenten müssen für die Zertifizierung ihre Zutatenliste offenlegen und ihre Produktion vor Ort überprüfen lassen. Sie müssen auf jegliche Tierkörperbestandteile, also auch etwa auf Gelatine, verzichten. Es wird inzwischen von über 250 Lizenzpartnern verwendet, zum Beispiel von Alpro, Frosta, Katjes, Valensina und Voelkel.

Beide Unternehmen sind unter der Kundschaft von Biomärkten bundesweit bekannt. Rapunzel stellt unter anderem Müsli und Biosüßigkeiten her und ist mit 360 Mitarbeitern und 200 Millionen Euro Jahresumsatz wesentlich größer als Zwergenwiese. Die norddeutsche Firma verkauft im wesentlichen Marmelade, beschäftigt 110 Menschen und setzt im Jahr etwa 25 Millionen Euro um.

Zwergenwiese-Gründerin Schöning wollte ihr Unternehmen unbedingt an eine andere Naturkostfirma verkaufen und nicht an einen Investor.

Von

dpa

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