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20.04.2012

03:50 Uhr

Ratingagentur

SEC nimmt Egan-Jones unter Lupe

Mit aggressiven Downgrades hat die kleine US-Ratingagentur Egan-Jones der Konkurrenz in den letzten Jahren das Leben schwer gemacht. Jetzt steht ihre Glaubwürdigkeit auf der Kippe - angeblich hat die Agentur gelogen.

Mary Schapiro ist Vorsitzende der Securities and Exchange Commission (SEC). Reuters

Mary Schapiro ist Vorsitzende der Securities and Exchange Commission (SEC).

New YorkDie großen Ratingagenturen gelten als Mitschuldige an der Finanzkrise. Ein Newcomer, die kleine Ratingagentur Egan-Jones, war angetreten, um S&P, Moody’s und Fitch das Fürchten zu lehren.

Doch nun hat der David unter den Bonitätswächtern ein Problem: Die US-Finanzmarktaufsicht SEC hat Ermittlungen eingeleitet. Das berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf eine mit der Angelegenheit vertraute Person. Die SEC könnte das Unternehmen abstrafen, indem sie ihm die Möglichkeit entzieht, offiziell anerkannte Ratings der Kreditwürdigkeit von Staaten und forderungsbesicherter Papiere herauszugeben.

Zuvor hatten Ermittler behauptet, dass Egan-Jones seine Rating-Erfahrung übertrieben habe, um als offizielle Ratingagentur (NRSRO) anerkannt zu werden. In seiner Bewerbung im Jahr 2008 hatte Egan-Jones demnach angegeben, etwa 150 forderungsbesicherte Wertpapiere (ABS, Asset-Backed Securities) bewertet zu haben. Nach Gesprächen mit den Behörden änderte Egan-Jones seine Methodik und senkte diese Anzahl auf 13. Auch die ursprünglich angegebenen 50 Ratings von Staatsanleihen reduzierten sich - auf neun.

Die Sprecherin der Börsenaufsicht verweigerte einen Kommentar zu dem Fall. Egan-Jones hingegen ging noch am Donnerstag in die Offensive. „Das Vorgehen der SEC hat mit der Qualität, Rechtschaffenheit oder Vortrefflichkeit jeglicher Ratings, die EJR veröffentlicht hat, überhaupt nichts zu tun“, ließ das Unternehmen am Donnerstag verlauten. „Stattdessen beziehen sich die Behauptungen der SEC auf einen vier Jahre alten Bewerbungsprozess.“

Firmengründer Sean Egan ging auch persönlich zum Angriff über, er trat sogar im Fernsehen auf. In einem Interview sagte er: „Wir lassen uns von niemandem davor bangemachen, rechtzeitige, präzise Bewertungen abzugeben.“

Egan-Jones hat den großen Ratingagenturen in den vergangenen Jahren die Hölle heiß gemacht. Aggressive Downgrades von Staaten wie den USA und Frankreich sollten Egan-Jones als die „ehrlichere“ Alternative etablieren und Marktanteile sichern.

Ratingagenturen Marktanteile

Drei Ratingagenturen teilen sich den weltweiten Markt zu 95 Prozent auf, wobei Fitch von diesen drei mit Abstand der kleinste Spieler ist.

In einem Interview sagte Craig Pirrong, Wirtschaftsprofessor an der Universität Houston, über Egan-Jones: „Sie schwingen den Rohrstock sicherlich nicht so wie S&P oder Moody’s. In gewisser Hinsicht ist der rauflustige kleine Bursche eine Störenfried-Ratingagentur.“

Kommentare (1)

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JayJay

20.04.2012, 06:50 Uhr

Da muss wohl ein unliebsamer Gegner aus dem Feld geräumt werden, damit das Kartenhaus nicht zusammenbricht. Die großen Ratingagenturen, die Politikaste sowie das Großkapital, stecken doch alle unter einer Decke.

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