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18.01.2010

10:01 Uhr

Razzien

Rossmann durchlebt Alptraum

VonChristoph Schlautmann

Das Kartellamt verdächtigt Roßmann, mit Herstellern und anderen Händlern Supermarktketten illegal Preise vereinbart zu haben. Paradox: Zuvor hatte das Kartellamt Roßmann illegale Schleuderpreise vorgeworfen, also das Gegenteil. Von dem Verdacht wurde Roßmann freigesprochen. Auch jetzt pocht Unternehmer Dirk Roßmann auf seine weiße Weste.

Drogeriekettenchef Dirk Roßmann wehrt sich nun schon zum zweiten Mal gegen Vorwürfe des Kartellamts. dpa

Drogeriekettenchef Dirk Roßmann wehrt sich nun schon zum zweiten Mal gegen Vorwürfe des Kartellamts.

DÜSSELDORF. Dirk Roßmann ist seit Jahren fleißig bemüht, seinen Ruf als innovativer Firmenlenker kräftig zu mehren. Zum Jahreswechsel dürfte es der 63-jährige Drogist, der europaweit 1 500 Filialen mit mehr als 20 000 Mitarbeitern befehligt, damit an die Spitze der deutschen Handelszunft geschafft haben. Kein Geringerer als das deutsche Kartellamt attestierte ihm jetzt ein Kunststück, das vor ihm noch niemandem in der Branche gelungen ist: Roßmanns Läden, glauben die Bonner Wettbewerbshüter, haben ihre Artikel zu billig angeboten – und gleichzeitig zu teuer.

20 Polizeibeamte und Behördenvertreter rückten am Donnerstag frühmorgens an im beschaulichen Burgwedel bei Hannover, wo Roßmann die nach ihm benannte Drogeriekette Rossmann führt. Sie krempelten die Büros auf links, standen ebenso grußlos wie wortkarg neben den Kopierern, wo aufgebrachte Mitarbeiter vertrauliche Firmenakten immer wieder zu vervielfältigen hatten, und rückten Roßmanns Firmenrechnern technisch hochgerüstet zu Leibe. Kopiert wurde in Minutenschnelle alles, was die Festplatte hergab. Niemand durfte raus.

Verdacht auf Preisabsprachen mit Herstellern und anderen Händlern

Der Verdacht: Die Drogeriemarktkette habe in Absprache mit Markenherstellern jahrelang zu hohe Preise verlangt. Damit das System funktionierte, seien Mindestpreise illegalerweise von den Herstellern auch mit anderen Supermarktketten verabredet worden, glaubt das Kartellamt.

Verblüffend nur, dass die Bonner Behörde nicht einmal zwei Monate zuvor noch vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf genau das Gegenteil behauptet hatte. Nach einer ähnlichen Razzia war Dirk Roßmann vom Bundeskartellamt beschuldigt worden, Drogeriewaren zu Schleuderpreisen zu verramschen. Weil er 2005 in 267 Fällen 55 Drogerieartikel unter Einkaufspreis verkauft habe, um damit Konkurrenten aus dem Markt zu drängen, schickte das Kartellamt dem Unternehmer einen Bußgeldbescheid über 300 000 Euro. Zusätzlich brummte es der Firma 5,5 Millionen Euro auf.

Roßmann besteht auf seine „absolut weiße Weste“

Nur mit hartnäckiger juristischer Gegenwehr vermied Roßmann bislang die Zahlung. Zwar sprach ihn das Oberlandesgericht (OLG) Düsseldorf Mitte November vom illegalen Preisdumping frei. Rechtskräftig aber ist das Urteil noch nicht.

Dass die Kartellwächter jetzt ausgerechnet wegen Preistreiberei wieder bei ihm anklopften, brachte den leicht erregbaren Firmengründer auf die Palme. „Wir machen keine Deals mit der Industrie, weil wir uns die Preishoheit nicht nehmen lassen wollen“, sagte Roßmann dem „Focus“. Er habe eine „absolut weiße Weste“.

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