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11.10.2011

17:16 Uhr

Rechtsstreit

Gericht untersagt Nachtflüge in Frankfurt

Für den Flughafenbetreiber Fraport ist es ein Schlag ins Gesicht: Vorerst dürfen in Frankfurt keine Nachtflüge mehr starten und landen. Die Lufthansa denkt bereits über eine Streichung von Flügen nach.

Nachtarbeiten am Frankfurter Flughafen: Vorerst dürfen dort keine Nachtflüge mehr starten und landen. ap

Nachtarbeiten am Frankfurter Flughafen: Vorerst dürfen dort keine Nachtflüge mehr starten und landen.

FrankfurtLange hatten Bürgerinitiativen für ein Verbot von Nachflügen am Drehkreuz Frankfurt gekämpft – jetzt haben sie einen überraschenden Erfolg erzielt: Wie der Hessische Verwaltungsgerichtshof gestern mitteilte, dürfen  in Frankfurt vorerst keine Nachtflüge mehr starten  und landen. Das Gericht stoppte Flüge zwischen elf Uhr Nachts und fünf Uhr Morgens, die im Flugplan für den Winter vorgesehen waren.

Eigentlich sollten ab Ende Oktober pro Nacht durchschnittlich 17 Starts und Landungen stattfinden. So sah es der so genannte "Planfeststellungsbeschluss" vor. In dem Dokument sind die Konditionen für den Ausbau des Frankfurter Flughafens festgelegt. Doch die obersten hessischen Verwaltungsrichter gestanden den Klagen mehrerer Anwohner des Flughafens aus Rüsselsheim und Offenbach jetzt eine aufschiebende Wirkung in der Frage der Nachtflüge zu.

Das bedeutet, dass die geplanten Flüge fürs erste nicht zulässig sind. Bereits in seinem Urteil aus dem Jahr 2009 über den Planfeststellungsbeschluss hatte der VGH die Zulassung der Nachtflüge als rechtswidrig eingestuft, bei seiner jüngsten Entscheidung zum Milliardenprojekt Flughafenausbau beruft sich der Senat auf diesen Beschluss.

Die wichtigsten Daten und Fakten zum Flughafen Frankfurt

Deutschlands größtes Luftfahrtdrehkreuz

Der Flughafen Frankfurt ist Deutschlands wichtigstes Drehkreuz für den Luftverkehr. Im Sommerflugplan 2011 standen nach Angaben des Betreibers Fraport allein 4.585 Flüge zu 298 Zielen pro Woche im Passagier-Linienverkehr und 250 Flüge pro Woche im Fracht-Linienverkehr.

Eine halbe Million Flüge pro Jahr

Im vergangenen Jahr wurden 464.432 Flugbewegungen registriert und durchschnittlich 150.000 Passagiere pro Tag abgefertigt. Im Schnitt saßen 123 Passagiere in jeder Maschine.

Frachtvolumen wird in diesem Jahr sinken

In diesem Jahr steuert FRA - so die Kennung der Luftfahrtorganisation IATA - auf einen neuen Passagierrekord zu: Ende August lagen die Zahlen um 7 Prozent über dem Wert aus dem Vorjahr. 2010 wurden 53 Millionen Fluggäste gezählt. Die leicht lahmende Weltwirtschaft wird wohl dazu führen, dass das Frachtvolumen von 2010 nicht wieder erreicht wird.

Kanzlerin Merkel soll neue Piste einweihen

In nur zweieinhalb Jahren entstand die neue Landebahn Nordwest, die am 21. Oktober von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) offiziell in Betrieb genommen werden soll. Mit der zusätzlichen Piste
kann die Zahl der Flugbewegungen pro Jahr nach Angaben von Fraport auf mehr als 700.000 steigen.

Steigendes Passagieraufkommen erwartet

Damit will der Flughafen den für 2020 prognostizierten 88,3 Millionen Passagieren gerecht werden. Der Stundeneckwert soll im Endausbau von jetzt 82 auf 126 steigen.

Gegen die Entscheidung sei kein Rechtsmittel möglich, erklärte das Gericht am Dienstag. Der Winterflugplan beginnt Ende Oktober, am 21. Oktober wird die neue Landebahn am Flughafen eröffnet. Die Frachtfluggesellschaft Lufthansa Cargo, nächtlicher Hauptkunde, fürchtet schwere Einbußen.

Der Rechtsstreit ist damit aber noch nicht entschieden. Die 17er-Regelung in der „Kernnacht“ steht wie die gesamte Planfeststellung beim Bundesverwaltungsgericht in Leipzig zur Entscheidung an. Ein Termin ist noch nicht bekannt, die hessische Landesregierung rechnet mit Anfang nächsten Jahres.

Kommentare (25)

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Tja

11.10.2011, 14:25 Uhr

Nachtflugverbot, Finanztransaktionssteuer. Frankfurt wird bald anfangen zu kotzen hihihi

bk1

11.10.2011, 14:35 Uhr

jaja Deutschland schafft sich und seine Arbeitsplätze für die Pensionisten ab... bin gespannt wer die Rechnung zahlt...

Neue_Welt

11.10.2011, 15:32 Uhr

17 Nachtflüge in Frankfurt 90 in Köln/Bonn. Wann entscheiden die Gerichte gleich? Wann werden die Genehmigungsgrundlagen vereinheitlicht?

Hessen sind keien anderen wie Kölner, Bonner, siegburger etc.

Die politisch motivierten Entscheidungen sind vollkommen indiskutabel.

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