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17.01.2005

09:12 Uhr

„Redesign“ verschiebt neue Zugkäufe in weite Zukunft

Bahn verlängert Leben der 15 Jahre alten ICE 1

VonEberhard Krummheuer

Die Deutsche Bahn verabschiedet sich für Jahre vom Kauf neuer Hochgeschwindigkeitszüge. Statt dessen plant sie ein „Redesign“ der 59 Einheiten ihrer ICE-1-Flotte. Die seit 1991 fahrenden Triebzüge waren seinerzeit technisch für 15 bis 20 Jahre Lebensdauer ausgelegt worden. Nun sollen sie bis weit ins zweite Jahrzehnt eingesetzt werden.

HB DÜSSELDORF. Der Jungbrunnen, der laut Bahn pro Zug etwa fünf Mill. Euro kostet, lässt die Bahnindustrie weitgehend außen vor: Sie ist nur Ersatzteil-Lieferant; erneuert werden die ICEs im Bahn-Ausbesserungswerk Nürnberg.

Karl-Friedrich Rausch, Vorstand Personenverkehr gewinnt den Redesign-Plänen nur gute Seiten ab: „Der ICE 1 ist ein zuverlässiges und leistungsfähiges Fahrzeug, das bei unseren Kunden einen sehr guten Ruf hat. Durch das Redesign bedienen wir auch in Zukunft die hohen Komfortansprüche unserer Kunden“, sagte Rausch dem Handelsblatt. In Industriekreisen heißt es dagegen, das Vorhaben der Bahn sei im wesentlichen Kosmetik für die Fahrgäste. Maßgebliche technische Komponenten wie die elektrische Ausrüstung des Zuges blieben unverändert. Völlig offen sei, ob diese noch über die gesamte längere Lebensdauer funktionsfähig blieben. Wenn nicht, drohten Zugausfälle durch den Verschleiß von Bauteilen.

Eine Bahn-Sprecherin wies die Bedenken zurück. Die ICE 1-Flotte fahre in puncto Wirtschaftlichkeit und geringer Störanfälligkeit seit Jahren beste Ergebnisse ein. Diesen Zustand wolle sich die Bahn naturgemäß erhalten, zumal die Redesign-Kosten je Zug nur Bruchteile der Investition in neue Züge ausmache. Richtig sei, dass die aufwändigste Maßnahme die Anpassung der Fahrgasträume an die Standards der jüngsten ICE-Generation sei. Darüber hinaus aber würde auch die technische Weiterentwicklung der letzten 15 Jahre in die Züge implementiert. Beispielsweise würden neue Komponenten bei den Laufwerken der Züge eingebaut und die Energieversorgung der Klimaanlagen modernisiert.

Michael Clausecker, Geschäftsführer des Verbandes der Bahnindustrie in Deutschland, begrüßte prinzipiell die Bahn-Pläne. Das Redesign der ICE 1 sei „dringend geboten“, nicht nur äußerlich, sondern auch hinsichtlich der Technik. Er äußerte „ein gewisses Verständnis“ dafür, dass die Bahn mit der Erneuerung der Flotte nicht die Industrie beauftrage. Sie sichere so die Arbeitsplätze in ihren Werken.

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