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18.06.2013

12:14 Uhr

Reederei-Bündnis

Die „Star Alliance“ für die Weltmeere

In der Luftfahrtbranche ist es ein alter Hut: Mehrere Gesellschaften schließen sich zu Netzwerken zusammen. Jetzt legen Containerschiff-Betreiber nach. Drei Branchengröße packen ihre Riesenfrachter in ein Netzwerk.

Allein Maersk bringt mehr als 100 Schiffe in die neue Allianz ein. Reuters, Sascha Rheker

Allein Maersk bringt mehr als 100 Schiffe in die neue Allianz ein.

KopenhagenDie weltweit drei größten Containerschiff-Betreiber schließen angesichts der Branchenflaute ein Bündnis. Die Container-Sparte der dänischen Reederei A.P. Moller-Maersk werde mit den zwei größten Rivalen MSC Mediterranean Shipping Company und CMA CGM zusammenarbeiten, um sein Angebot zu verbessern, teilte das dänische Unternehmen am Dienstag mit.

Zusammen wollen die drei Reedereien 255 Schiffe mit einer Gesamtkapazität von 2,6 Millionen Standard-Containern (TEU) betreiben und 29 Linien von Asien nach Europa, über den Pazifik und über den Atlantik betreiben. Allein Maersk bringe mehr als 100 Schiffe in die Allianz ein, hieß es weiter.

„Wir bündeln die Kräfte nachdem wir auf diesen drei Handelsrouten seit dem Ausbruch der Finanzkrise im Jahr 2008 nahezu kein Wachstum erlebt haben“, sagte Maersk-Marketingmanager Vincent Clerc der Nachrichtenagentur Bloomberg. „Wir erwarten dort auch nicht viel Wachstum in den kommenden Jahren.“

Die größten Reedereien der Welt

Platz 10

OOCL – 104 Schiffe

Die Orient Overseas Container Line wurde 1947 in Shanghai durch den Unternehmer Tung Chao Yung unter dem Namen „Orient Overseas Line“ gegründet. Noch im selben Jahr begann Tung regelmäßiger Routen nach Nordamerika und Europa zu etablieren. Auf der Flucht vor den Kommunisten siedelte Tung mit seinem 1949 nach Hongkong um. 1969 wurde das Unternehmen zur „Orient Overseas Container Line“ und transportierte als erste asiatische Reederei regelmäßig Containerfracht über den Pazifik. Von 1979 bis 1989 stand mit dem Öltanker Seawise Giant das bis heute größte jemals (nicht an einem Stück) gebaute Schiff im Dienst der Flotte.

Quelle: Alphaliner, Stand 06. Januar 2016

Platz 9

CSCL - 124 Schiffe

Die China Shipping Container Lines (CSCL) gehören zu den jüngsten Reedereien der Containerschifffahrt und gehört zur China Shipping Group. Seit 1997 expandiert die chinesische Reederei massiv – und steuert alleine in China über 40 Häfen an.

Platz 8

Hamburg Süd – 134 Schiffe

Es ist ein Unternehmen mit Tradition: Hamburg Süd ging 1871 aus dem Zusammenschluss von elf Hamburger Handelsgesellschaften hervor. Heute gehört die Reederei zum Oetker-Konzern. Im März 2015 übernahm sie den chilenischen Konkurrenten CCNI.

Platz 7

PIL – 147 Schiffe

Mit der Küstenschifffahrt und kleinen Liniendiensten von Singapur in die Häfen Südostasiens begann 1967 die Erfolgsgeschichte der Pacific International Lines. In den folgenden Jahrzehnten dehnte die Reederei ihr Containerliniennetz von Asien nach Europa und schließlich in die ganze Welt aus. Bis heute ist PIL ein Familienunternehmen.

Platz 6

Cosco - 169 Schiffe

Die China Ocean Shipping Company wurde in Europa bekannt, weil die Reederei in der Finanzkrise 50 Prozent der Anteile am Hafen in Piräus übernommen hat. In der Containerschifffahrt haben die Chinesen ihr weltweites Netz in den vergangenen Jahren sukzessive ausgebaut.

Platz 5

Hapag-Lloyd - 172 Schiffe

Hapag-Lloyd ging 1970 aus der Fusion von Hapag und Norddeutschem Lloyd hervor. 2014 übernahm der Konzern den chilenischen Konkurrenten CSAV, um im Wettbewerb der Großen mithalten zu können. Muttergesellschaft ist der Tui-Konzern.

Platz 4

Evergreen - 192 Schiffe

Anders als der Name vermuten lässt, kommt die Reederei Evergreen aus China, genauer: aus Taipeh. Zum Konzern gehören die Uniglory Marine aus Taiwan, die Evergreen Marine UK (vorher: Hatsu Marine) aus Großbritannien und die Lloyd Triestino (einst Österreichischer Lloyd, seit 2006 Italia Marittima). Darüber hinaus hält die Reederei Beteiligungen an der Fluggesellschaft Eva Air und an der Hotelkette Evergreen Laurel.

Platz 3

CMA CGM - 461 Schiffe

Aus Compagnie Générale Maritime (CGM) und der Compagnie Maritime d'Affrètement (CMA) entstand 1999 die größte Reederei Frankreichs, die auch weltweit in der Top drei landet. Mit der CMA CGM Marco Polo betreibt das Unternehmen eines der größten Containerschiffe der Welt, an Bord ist Platz für über 16.000 Container.

Platz 2

MSC - 487 Schiffe

Eine der größten Reedereien der Welt kommt ausgerechnet aus der Schweiz. Die Mediterranean Shipping Company (MSC) aus Genf wuchs jahrelang rasant durch den Kauf gebrauchter Containerschiffe, bestellt mittlerweile aber auch neue Schiffe. Wichtigster Umschlagplatz ist der Hafen in Antwerpen, weltweit steuert die Reederei 270 Häfen an.

Platz 1

APM-Maersk - 585 Schiffe

Das größte Containerimperium der Welt wird von Kopenhagen aus gesteuert. Seit 1904 sind die Dänen im Frachtgeschäft tätig und unterhalten mittlerweile Niederlassungen in 135 Ländern. Neben der Containerschifffahrt gehört auch die Öl- und Gasförderung zum Geschäft von Maersk.

Seit mittlerweile fünf Jahren übertrifft das Transportangebot die Nachfrage und Branchenbeobachter gehen davon aus, dass die weltweite Container-Flotte im laufenden Jahr um 7,5 Prozent wachsen wird, die Nachfrage aber nur um 4,5 Prozent steigen. Das erschwert es den Reedern, bestimmte Preise erzielen zu können. Laut Clerc wird der Marktanteil der drei Gesellschaften zwischen Asien und Europa 42 Prozent betragen, auf Transatlantik-Routen zwischen 40 und 42 Prozent und auf Pazifik-Routen 24 Prozent.

Die Allianz mit dem Namen P3 will im zweiten Quartal 2014 ihre Geschäfte aufnehmen, wenn die zuständigen Regulierungsbehörden zustimmen. Der Mischkonzern Oetker will seine Reederei Hamburg Süd derzeit nicht auf Fusionskurs bringen. Wann neue Gespräche mit dem Konkurrenten Hapag-Lloyd über ein Zusammengehen aufgenommen werden sollen, sei „derzeit nicht abzusehen“, sagte Oetker-Chef Richard Oetker am Dienstag in Bielefeld. Die Verhandlungen waren Ende März abgebrochen worden. Grund sei, dass eine „Einigung über wichtige Punkte noch aussteht“, räumte Oetker ein.

Kommentare (3)

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Henri

18.06.2013, 13:12 Uhr

Es wäre so schön wenn es mal Journalisten geben würde die von Schifffahrt Ahnung hätten. Allianzen gibt es in der Linienschifffahrt schon seit Ewigkeiten. Lange bevor es überhaupt Lufahrtgesellschaften gab!! Gschweige den Lufahrtallianzen. Neu ist nur das sich die drei großen hier zusammengeschlossen haben. Maersk macht bei sowas normalerweise nicht mit.

Liberoo

18.06.2013, 15:45 Uhr

Gestern ist einer der Meeresgiganten vorm Jemen auseinander gebrochen:
http://gcaptain.com/mol-box-ship-suffers-broken-back-sinks-off-yeme/

Seebaer

19.06.2013, 13:01 Uhr

Ich wiederum finde es sehr spannend, dass Evergreen based in Taipeh China zugeordnet wird.... das wird die Chinesen sehr freuen!
Was ist mit Trampreedern? Laut Wiki: (muss ja nicht richtig sein..) "Oldendorff in Lübeck? Oldendorff Carriers GmbH & Co. KG ist die größte deutsche Massengutreederei. Sie betreibt rund 300 eigene und gecharterte Schiffe mit einer Tragfähigkeit von etwa 14 Millionen Tonnen."

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