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10.02.2016

13:24 Uhr

Reederei Møller-Maersk

Raue See für den Containerriesen

VonHelmut Steuer

2,6 Milliarden Dollar muss der Container-Gigant Møller-Mærsk auf seine Ölsparte abschreiben. Das Containergeschäft, das zweite Standbein der Dänen, stagniert. Für den Großkonzern dürfte es ein stürmisches Jahr werden.

Beide Sparten des dänischen Großkonzerns schwächeln. Reuters

Dunkle Wolken über Møller-Mærsk

Beide Sparten des dänischen Großkonzerns schwächeln.

StockholmNils Smedegaard Andersen standen die Sorgen im Gesicht geschrieben, als er am Mittwoch in Kopenhagen die Bilanz des von ihm geführten Konzerns präsentierte. Der Chef von Dänemarks mit Abstand größten Unternehmen, dem Reederei- und Ölriesen A.P. Møller-Mærsk, hat ein ganz schwieriges Jahr hinter sich. Niedrige Frachtraten und der extrem gefallene Ölpreis haben dem Konzern schwer zu schaffen gemacht. Der Gewinn des Konzerns stürzte um mehr als 80 Prozent auf 925 Millionen Dollar. Auch der Umsatz fiel deutlich von 47,5 Milliarden Dollar vor einem Jahr auf nunmehr 40,3 Milliarden Dollar.

Das war deutlich weniger als die meisten Analysten erwartet hatten. Der Kurs der Møller-Mærsk-Aktie reagierte an der Börse in Kopenhagen entsprechend: Er fiel zwischenzeitlich um mehr als neun Prozent. Seit April vergangenen Jahres ist der Aktienkurs um rund 50 Prozent eingebrochen.

Die größten Reedereien der Welt

Platz 10

OOCL – 104 Schiffe

Die Orient Overseas Container Line wurde 1947 in Shanghai durch den Unternehmer Tung Chao Yung unter dem Namen „Orient Overseas Line“ gegründet. Noch im selben Jahr begann Tung regelmäßiger Routen nach Nordamerika und Europa zu etablieren. Auf der Flucht vor den Kommunisten siedelte Tung mit seinem 1949 nach Hongkong um. 1969 wurde das Unternehmen zur „Orient Overseas Container Line“ und transportierte als erste asiatische Reederei regelmäßig Containerfracht über den Pazifik. Von 1979 bis 1989 stand mit dem Öltanker Seawise Giant das bis heute größte jemals (nicht an einem Stück) gebaute Schiff im Dienst der Flotte.

Quelle: Alphaliner, Stand 06. Januar 2016

Platz 9

CSCL - 124 Schiffe

Die China Shipping Container Lines (CSCL) gehören zu den jüngsten Reedereien der Containerschifffahrt und gehört zur China Shipping Group. Seit 1997 expandiert die chinesische Reederei massiv – und steuert alleine in China über 40 Häfen an.

Platz 8

Hamburg Süd – 134 Schiffe

Es ist ein Unternehmen mit Tradition: Hamburg Süd ging 1871 aus dem Zusammenschluss von elf Hamburger Handelsgesellschaften hervor. Heute gehört die Reederei zum Oetker-Konzern. Im März 2015 übernahm sie den chilenischen Konkurrenten CCNI.

Platz 7

PIL – 147 Schiffe

Mit der Küstenschifffahrt und kleinen Liniendiensten von Singapur in die Häfen Südostasiens begann 1967 die Erfolgsgeschichte der Pacific International Lines. In den folgenden Jahrzehnten dehnte die Reederei ihr Containerliniennetz von Asien nach Europa und schließlich in die ganze Welt aus. Bis heute ist PIL ein Familienunternehmen.

Platz 6

Cosco - 169 Schiffe

Die China Ocean Shipping Company wurde in Europa bekannt, weil die Reederei in der Finanzkrise 50 Prozent der Anteile am Hafen in Piräus übernommen hat. In der Containerschifffahrt haben die Chinesen ihr weltweites Netz in den vergangenen Jahren sukzessive ausgebaut.

Platz 5

Hapag-Lloyd - 172 Schiffe

Hapag-Lloyd ging 1970 aus der Fusion von Hapag und Norddeutschem Lloyd hervor. 2014 übernahm der Konzern den chilenischen Konkurrenten CSAV, um im Wettbewerb der Großen mithalten zu können. Muttergesellschaft ist der Tui-Konzern.

Platz 4

Evergreen - 192 Schiffe

Anders als der Name vermuten lässt, kommt die Reederei Evergreen aus China, genauer: aus Taipeh. Zum Konzern gehören die Uniglory Marine aus Taiwan, die Evergreen Marine UK (vorher: Hatsu Marine) aus Großbritannien und die Lloyd Triestino (einst Österreichischer Lloyd, seit 2006 Italia Marittima). Darüber hinaus hält die Reederei Beteiligungen an der Fluggesellschaft Eva Air und an der Hotelkette Evergreen Laurel.

Platz 3

CMA CGM - 461 Schiffe

Aus Compagnie Générale Maritime (CGM) und der Compagnie Maritime d'Affrètement (CMA) entstand 1999 die größte Reederei Frankreichs, die auch weltweit in der Top drei landet. Mit der CMA CGM Marco Polo betreibt das Unternehmen eines der größten Containerschiffe der Welt, an Bord ist Platz für über 16.000 Container.

Platz 2

MSC - 487 Schiffe

Eine der größten Reedereien der Welt kommt ausgerechnet aus der Schweiz. Die Mediterranean Shipping Company (MSC) aus Genf wuchs jahrelang rasant durch den Kauf gebrauchter Containerschiffe, bestellt mittlerweile aber auch neue Schiffe. Wichtigster Umschlagplatz ist der Hafen in Antwerpen, weltweit steuert die Reederei 270 Häfen an.

Platz 1

APM-Maersk - 585 Schiffe

Das größte Containerimperium der Welt wird von Kopenhagen aus gesteuert. Seit 1904 sind die Dänen im Frachtgeschäft tätig und unterhalten mittlerweile Niederlassungen in 135 Ländern. Neben der Containerschifffahrt gehört auch die Öl- und Gasförderung zum Geschäft von Maersk.

Ein Grund für die heftige Reaktion an der Börse waren die düsteren Aussichten für das laufende Jahr. „Wir rechnen damit, dass der Ölpreis noch für eine längere Zeit auf einem niedrigen Niveau liegen wird“, erklärte Smedegaard Andersen und kündigte deshalb Abschreibungen in der Ölsparte seines Konzerns in Milliardenhöhe an. „Weil wir weiterhin mit einem niedrigen Ölpreis rechnen, haben wir Abschreibungen in Höhe von 2,6 Milliarden US-Dollar vorgenommen“, erklärte der Konzernchef. Das ist die höchste Abschreibung, die ein dänisches Unternehmen jemals vornehmen musste.

Die Abschreibungen fallen so hoch aus, da Møller-Mærsk erst ab etwa 45 bis 55 Dollar je Barrel Rohöl die Gewinnschwelle überschreitet. Bei einem anhaltenden Niedrigpreis von gerade einmal 30 Dollar je Barrel ist ein Verlust der Ölsparte in diesem Jahr bereits vorprogrammiert.

Doch es ist nicht nur der niedrige Ölpreis, der der weltgrößten Container-Reederei die Bilanz verhagelt hat. Auch der schwache Welthandel ist für das schlechte Ergebnis des dänischen Vorzeigekonzerns verantwortlich. Konnte Smedegaard Andersen noch vor wenigen Jahren stolz von zweistelligen Zuwachsraten im Containergeschäft berichten, musste er heute einräumen, dass der Geschäftsbereich im vergangenen Jahr stagnierte. Der Welthandel sei im vergangenen Jahr „nicht normal“ gelaufen, da sich keine Region positiv entwickelt habe.

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