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06.01.2014

15:51 Uhr

Reederei

Scandlines hat doch Interesse an P+S-Fähren

Scandlines will doch die Fähren der insolventen Werft P+S kaufen. Die Reederei war 2012 vom Kaufvertrag zurückgetreten. Jetzt könnte Scandlines die Schiffe für einen deutlich niedrigeren Preis erhalten.

Ein Mann steht im Hafen von Helsingborg und Blickt auf eine Fähre der deutsch-dänischen Rederei Scandlines. ap

Ein Mann steht im Hafen von Helsingborg und Blickt auf eine Fähre der deutsch-dänischen Rederei Scandlines.

Stralsund/KopenhagenDie deutsch-dänische Reederei Scandlines will die zuvor verschmähten Fähren der insolventen P+S-Werft nun doch haben. Scandlines habe ein Angebot für die beiden Schiffe abgegeben, sagte Unternehmenssprecherin Anette Ustrup Svendsen am Montag in Kopenhagen der dpa. Man hoffe auf eine möglichst schnelle Entscheidung der Insolvenzverwaltung. Nach dpa-Informationen will Scandlines insgesamt 25 Millionen Euro für beide Schiffe bezahlen.

Scandlines war nach der P+S-Insolvenz im Herbst 2012 vom Vertrag zurückgetreten und hatte das mit dem zu starken Tiefgang der Schiffe für die Strecke Rostock-Gedser begründet. Die Schiffe - für die ursprünglich ein Kaufpreis von 184 Millionen Euro vereinbart worden war - sollen nach einem möglichen Kauf laut Scandlines von einer anderen Werft fertiggestellt werden. Das Gewicht der Fähre solle minimiert werden, um den Tiefgang zu verringern.

Das Auf und Ab der P+S-Werften

1948

Die Volkswerft Stralsund und die Peene-Werft Wolgast werden gegründet.

1992

Die Bremer Hegemann-Gruppe übernimmt die Peene-Werft in Wolgast. Jahrelang hat sie volle Auftragsbücher.

Juli 2007

Die Hegemann-Gruppe übernimmt auch die Volkswerft Stralsund. Sie will in die Produktion besonders großer Containerschiffe einsteigen.

Frühjahr 2009

In beiden Werften werden die Aufträge knapp. Hegemann kündigt die Umstellung auf den Spezialschiffbau an.

Juni 2009

Finanz-und Wirtschaftsministerium geben grünes Licht für eine Bürgschaft über9 Millionen Euro.

Juni 2010

Die beiden Werften stellen sich unter dem Namen P+S- Werften neu auf. Die Hegemann-Gruppe hält einen Anteil von 7 Prozent, die HSW Treuhand- und Beteiligungsgesellschaft ist mit 93 Prozent beteiligt.

August 2010

Die Belegschaften erklären sich zu kostenloser Mehrarbeit bereit, um die weitere Sanierung der Werften zusichern.

August 2011

Die P+S-Werften erhalten einen Millionenauftrag über den Bau von zwei Offshore-Installationsschiffen.

März 2012

Land, Bund und Banken einigen sich auf Unterstützung bei der Finanzierung von Schiffbauaufträgen. Grund sind die teureren Spezialschiffe.

Mai 2012

Ein Finanzloch von 200 Millionen Euro gefährdet den Fortbestand. Das Land ist grundsätzlich zu erneuter Hilfe bereit, braucht aber die Zustimmung der EU und sieht auch Bund, Banken, das Unternehmen und die Belegschaft mit in der Verantwortung.

Juni 2012

Es stellt sich heraus, dass fast 300 Millionen Euro Umstrukturierungsbeihilfe nötig sind. Die Mitarbeiter erklären sich bereit, sich an der Rettung mit 68 Millionen Euro zu beteiligen. Schwerin sagt ein Darlehen von bis zu 152,4 Millionen Euro zu.

Juli 2012

Die EU-Kommission genehmigt die staatliche Garantie für die P+S Werften unter Vorbehalt.

August 2012

Der frühere Airbus-Manager und Sietas-Werftsanierer Rüdiger Fuchs wechselt als Unternehmenschef an die Spitze der P+S-Werften. Er deckt größere Probleme als bisher bekannt auf, darunter Lieferverzögerungen für Scandlines-Fähren und zwei Spezialfrachter.

20. August

Das Land stoppt die Hilfen.

29. August

Die Werftengruppe reicht den Insolvenzantrag ein.

Auch die Insolvenzverwaltung bestätigte Gespräche. Ziel sei es, die Verhandlungen bald abzuschließen und das Ergebnis dem Gläubigerausschuss vorzulegen, sagte Insolvenzverwalter Berthold Brinkmann. Einen Termin für die nächste Sitzung des Gläubigerausschusses gibt es bislang noch nicht.

Der Erlös aus dem Verkauf der Fähren steht den Sicherungsgläubigern zu. Das Land Mecklenburg-Vorpommern und die Nord/LB müssen deshalb entscheiden, ob sie sich mit einem geringeren als dem ursprünglich kalkulierten Preis zufriedengeben.

Von

dpa

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