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01.08.2012

12:38 Uhr

Reedereien

Deutschland kassiert beim Fahnenwechsel ab

VonMark C. Schneider

Der Streit um die Beflaggung des "Traumschiff" MS Deutschland hat Folgen: Melden Reeder ihre Schiffe in Deutschland, können sie mit Zuschüssen rechnen. Wer aber seine Kähne ins Ausland verlagert, soll künftig zahlen.

Wer die deutsche Flagge loswerden will, muss demnächst deutlich höhere Gebühren für den Wechsel bezahlen. dpa

Wer die deutsche Flagge loswerden will, muss demnächst deutlich höhere Gebühren für den Wechsel bezahlen.

HamburgVor London verzeichnete die deutsche Flagge einen Prestigesieg. Die holsteinische Reederei Deilmann sah sich nach öffentlicher Debatte gezwungen, das als offizielles Olympia-Quartier auf der Themse eingesetzte Traumschiff "MS Deutschland" weiter unter heimischer Flagge fahren zu lassen. Als Grund für die geplante Ausflaggung ins günstigere Malta hatte Deilmann die gekürzte Förderung für die Schifffahrt genannt.

Wirtschaftlich bedeutungsvoller noch ist das Ausflaggen in der Handelsflotte: Nur 571 der 3716 deutschen Handelsschiffe fuhren zuletzt noch mit schwarz-rot-goldener Flagge. Weil die Sozialauflagen strenger sind als etwa in Malta und die Kosten höher, haben in den vergangenen Jahren immer mehr ausgeflaggt.

Reedereien in Deutschland

Platz 10

Bernhard Schulte Group - 4,1 Millionen dwt (Deadweight Tonnage = Tragfähigkeit eines Schiffs in Tonnen): Die Schulte Group umfasst die Reederei Bernhard Schulte als Eigner- und Reeder der eigenen Schiffe, die Bernhard Schulte Shipmanagement als Schiffsmanagementunternehmen, die OPDR als eigenständige Linienreederei und die BS Treuhand als Treuhandunternehmen.

Platz 9

Rickmers Reederei - 4,3 Millionen dwt: Keimzelle der Rickmers Reederei war die 1834 von Rickmer Clasen Rickmers in Bremerhaven gegründete Rickmers Werft. Später wurde das Unternehmen um eine Reederei sowie verschiedene Reismühlen erweitert. Die beiden Brüder Bertram R. C. Rickmers und Erck Rickmers, Nachkommen des Firmengründers in fünfter Generation, betreiben heute zwei rechtlich vollständig voneinander unabhängige Unternehmensgruppen.

Platz 8

Hapag Lloyd - 4,4 Millionen dwt: Die Hapag-Lloyd AG ist ein Transport- und Logistikunternehmen mit Firmensitz in Hamburg. Am 28. März 2012 bewilligte die Hamburgische Bürgerschaft mit den Stimmen der SPD und Die Linken 420 Millionen Euro für einen weiteren Anteilskauf an der Reederei. Damit wird die Stadt Hamburg mit 39,6 Prozent der größte Einzelaktionär der Hapag-Lloyd AG.

Platz 7

Hartmann Group - 4,6 Millionen dwt: Die Hartmann AG ist ein Familienunternehmen mit Sitz in Leer.

Platz 6

Neu Seeschifffahrt - 5,4 Millionen dwt: Das Unternehmen hat seinen Sitz am Alsterufer in Hamburg.

Platz 5

Peter Döhle Schiffahrts KG - 6,0 Millionen dwt: Die Flotte des Hamburger Unternehmens umfasst 450 Containerschiffe.

Platz 4

Conti Holding - 6,2 Millionen dwt: 73 Containerschiffe, 22 Bulker, acht Produktentanker, zwei Gastanker, ein Hochsee- und zwei Flusskreuzfahrtschiffe machen Conti zu einer der größten und modernsten Reedereien weltweit.

Platz 3

E.R. Schifffahrt - 6,3 Millionen dwt: E.R. Schiffahrt ist maritimer Dienstleister für die Container-, Massengut- und Multipurpose-Schifffahrt. Derzeit disponiert die Reederei 137 Schiffe in Fahrt. Die E.R. Offshore managt 13 Spezialschiffe für die Öl- und Gasförderung auf See.

Platz 2

Dr. Peters - 7,1 Millionen dwt: Bisher investierte die Dr. Peters Gruppe ca. 6,56 Milliarden Euro in Flugzeuge, Schiffe, Immobilien und den Zweitmarkt von US-Lebensversicherungen. Das von mehr als 85.000 Beteiligungen eingezahlte Eigenkapital beträgt rund 3,18 Milliarden Euro.

Platz 1

C.P. Offen - 8,4 Millionen dwt: Die Reederei Claus-Peter Offen (gegründet 1971) gehört zu den weltweit größten Anbietern moderner Containerschiff-Tonnage und hat ihren Sitz in Hamburg.

Ändern will das ein maritimes Bündnis aus Reedern, Gewerkschaft, Bundesregierung und den Nordländern Bremen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und Schleswig-Holstein. Monate des Streits sollen jetzt ein Ende haben. "Alle Beteiligten haben sich auf eine Lösung geeinigt" sagte Ralf Nagel, geschäftsführendes Präsidiumsmitglied des Verbands deutscher Reeder (VDR) dem Handelsblatt.

Unmittelbar nach der Sommerpause soll die Bundesregierung den gesetzlichen Rahmen schaffen. Der Fahrplan sieht vor, dass CDU und FDP eine Gesetzesregelung in den Bundestag einbringen. "Ich gehe davon aus, dass auch 2013 57,8 Millionen Euro Bundesmittel für die Seeschifffahrt zur Verfügung stehen werden", kündigt Eckhardt Rehberg, Bundestags-Berichterstatter der Unionsfraktion für maritime Wirtschaft, bereits jetzt an.

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Die Bundesregierung sponsert Reedereien mit Steuererleichterungen. Ein Drittel aller Containerschiffe ist in deutscher Hand, segelt aber nicht unter hiesiger Flagge. Der Staat hat somit nichts von seiner Großzügigkeit.

Offiziell stellte die Regierung im Haushaltsentwurf 2013 bisher nur 30 Millionen Euro zur Förderung der Schifffahrt ein. Doch der Haushaltsausschuss hat den Reedern nach Informationen des Handelsblatts zugesagt, dass der Bund wieder gut 60 Millionen Euro beitragen wird. Nach langem Hin und Her ist das auch in diesem Jahr der Fall, obwohl die Regierung den Zuschuss für 2012 ursprünglich komplett gestrichen hatte.

"Zur Sicherung von Beschäftigung und Ausbildung am maritimen Standort stehen dann jährlich fast 90 Millionen Euro bereit", rechnet VDR-Chef Nagel vor. Denn weitere 30 Millionen Euro kommen von den Reedern selbst.

Und das geht so: Tauscht ein Reeder künftig die deutsche Flagge gegen eine internationale, fallen deutlich höhere Gebühren als bisher an. Statt maximal 450 Euro werden im Fall größerer Schiffe beim Flaggenwechsel 12 225 Euro für die üblichen zwei Jahre fällig.

Kommentare (3)

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Lothar

01.08.2012, 14:28 Uhr

Wenn sich ein Geschäftsfeld ohne Subventionen nicht rechnet, sollten entweder die Rahmenbedingungen angepasst oder das Geschäftsfeld aufggegeben werden.

guedue

01.08.2012, 15:16 Uhr

Wann werden die Schreiberlinge es endlich begreifen,dieses Schwarz Rot Goldene Ding ist eine Flagge.Denn Schiffe werden
Ausgeflaggt und nicht Ausgefahnt.

Account gelöscht!

02.08.2012, 08:53 Uhr

Endlich mal eine gute Nachricht für die deutschen Seeleute, viel zu lange hat die Politik den Trend des Ausflaggens einfach so hingenommen!
Natürlich müssen die Rahmenbedingungen so angepasst werden, daß alle Beteiligten davon provitieren!

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