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30.10.2013

09:19 Uhr

Regierungsbildung in Prag

„Golden Toast“-Eigner mischt Tschechien auf

VonHans-Peter Siebenhaar

Großbäcker, Milliardär und Populist: Andrej Babis ist der Königsmacher einen neuen Regierung in Prag. Der Gründer der Partei „Aktion unzufriedener Bürger“ ist seit dem Wochenende die Nummer zwei in Tschechiens Politik.

Andrej Babis feiert sein Wahlergebnis. dpa

Andrej Babis feiert sein Wahlergebnis.

WienAndrej Babis gibt in Deutschland vielen tausend Menschen Brot. Der zweitreichste Mensch der Tschechischen Republik hatte erst im Juni die größte deutsche Bäckerei Lieken übernommen. Der Herr über Marken wie „Golden Toast“ und „Lieken Urkorn“ hatte das Unternehmen mit 4700 Mitarbeitern und Erlösen von zuletzt 780 Millionen vom weltgrößten Nudelhersteller Barilla für eine unbekannte Summe gekauft. Bei dem Geschäft im Sommer war der heute 59-Jährige ein Niemand in Deutschland.

Das ändert sich nun gewaltig. Denn der Milliardär und Gründer der populistischen Partei ANO („Aktion unzufriedener Bürger“), hat es am Wochenende auf Anhieb geschafft, die politische Nummer zwei in der Tschechischen Republik zu werden. Seine erst vor zwei Jahren gegründete Partei holte bei der Parlamentswahl am Samstag 18,65 Prozent der Stimmen. Fast hätte der Unternehmer sogar die Sozialdemokraten (CSSD), die politische Nummer eins, überholt. Bei der Regierungsbildung an der Moldau kommt Babis damit die Rolle des Königsmachers zu. Wer künftig in Prag die politische Macht übernimmt, kommt an den eigenwilligen Unternehmer nicht vorbei.

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Babis ist in Tschechien ein mächtiger Mann. Der Populist stieg über ein Konglomerat aus über 200 Firmen unter dem Dach der Agrofert zum zweitreichsten Unternehmer des Landes auf. Er ist in Tschechien und der Slowakei der größte Brothersteller. Auch in Deutschland ist der Agrarunternehmer, der 1989 mit Düngemittel den Grundstein für seinen heutigen Reichtum legte, aktiv. Seit elf Jahren gehört ihm das Chemiewerk SKW Piesteritz in Sachsen-Anhalt, eine ehemalige Tochter von Evonik.

Er kennt die Hebel der Macht. Deshalb strickt er auch am eigenen Medienimperium. Erst im Sommer erwarb er von der Rheinisch-Bergischen Verlagsgesellschaft, Hol­ding der Düsseldorfer Rhei­ni­sche Post Medi­en­gruppe, die einflussreichen Prager Zeitungen „Mladá fronta Dnes“ und „Lidové noviny“ - als mediales Spielzeug.  Damals erwarb er auch die Gratiszeitung Metro, auflagenstärkste Zeitung in Tschechien, iDnes, reich­wei­ten­stärkstes Nach­rich­ten­por­tal des Lan­des und den Fern­seh­kanal TV Očko sowie zwei Druckereien. Bereits vor dem Deal mit den Düsseldorfern besaß er die Gratis-Wochenzeitung „5+2 dny“ sowie die slowakische Wirtschaftszeitung „Hospodárske noviny“. Böse Zungen in Prag sprechen von „Babisconi“, in Anspielung auf Italiens Ex-Premier und Medienzar Silvio Berlusconi.

Für welche politischen Ziele der 59-Jährige steht, ist unterdessen nebulös. „Es ist nicht einmal klar, was diese Partei überhaupt inhaltlich will“, sagt Tschechien-Experte, der lieber ungenannt bleiben will. Ein detailliertes Parteiprogramm besitzt der Milliardär nicht. „Der Mann und die Partei sind eine politische Black Box“, bestätigt auch ein tschechischer Bankanalyst.

Kommentare (1)

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Udo

30.10.2013, 13:00 Uhr

Populismus ist laut DUDEN eine opportune, volksnahe, demagogische Politik. Wenn sich ein Unternehmer hinstellt und sagt was ihm nicht passt und sich mit SEINER Meinung zur Wahl stellt ist das eher das Gegenteil von opportun. Wenn eine Regierung ständig abwartet, was die Presse schreibt und dann entscheidet, würde ich eher von Opportunismus reden. Ich würde entgegen der allgemeinen Darstellung in Deutschland das tschechische Wahlergebnis so zusammenfassen: 20% der tschechischen Wähler haben den Populismus satt und haben deshalb Herrn Babis gewählt. Udo

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