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23.01.2014

06:23 Uhr

Regionalflughäfen

Baden-Baden geht baden

VonTobias Döring

Mehr Passagiere heben von deutschen Flughäfen ab. Doch für viele Provinz-Airports geht es weiter bergab: Regional-Airlines verschwinden, Billigflieger ziehen Maschinen ab. Die Regionalflughäfen stecken in der Klemme.

Flughafenkrise

Regionalflughäfen schreiben Verluste

Flughafenkrise: Regionalflughäfen schreiben Verluste

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DüsseldorfSie heißen Allgäu Airport, Baden-Airpark oder Bodensee-Airport. Das klingt nicht nur regional, die Flughäfen sind es auch. Neben den großen deutschen Drehkreuzen Frankfurt, München, Berlin und Düsseldorf buhlen die Airports aus der Provinz um jeden Start und jede Landung. Von Lübeck bis Friedrichshafen werben sie um jeden Reisenden – und kommen trotzdem nicht so recht vom Fleck.

Im Jahr 2013 ist die Zahl der Passagiere an den deutschen Flughäfen wohl leicht gestiegen – bis Ende November waren es 0,6 Prozent mehr. Noch haben zwar nicht alle Airports ihre Verkehrszahlen für das abgelaufene Jahr veröffentlicht, doch schon jetzt ist klar: Viele Regionalflughäfen bekommen vom Mini-Wachstum nichts ab. Ganz im Gegenteil: sie müssen nach Rückschlägen in den Vorjahren mit einem weiteren Minus zurechtkommen.

Besonders bergab ging es 2013 an den Zweistadt-Flughäfen Karlsruhe/Baden-Baden und Münster/Osnabrück. Der Baden-Airpark verlor 225.000 Passagiere – ein Minus von 17,3 Prozent im Vergleich zum Rekord im Vorjahr. Der Flughafen Münster/Osnabrück verbuchte 16 Prozent weniger Reisende. Nur noch 862.000 waren es in 2013. Damit hat der Flughafen im Grenzgebiet von Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen binnen zwei Jahren fast eine halbe Million Passagiere verloren. Dabei ist das Terminal auf bis zu 2,5 Millionen Menschen im Jahr ausgelegt.

Flughäfen in Deutschland: Das waren die Verlierer 2013

Dresden

Passagiere 2012: 1,89 Mio.

Passagiere 2013: 1,75 Mio.

Zuwachs/Rückgang: - 7,0 %

Frankfurt-Hahn

Passagiere 2012: 2,79 Mio.

Passagiere 2013: 2,67 Mio.

Zuwachs/Rückgang: - 4,4 %

Karlsruhe/Baden-Baden (Baden-Airpark)

Passagiere 2012: 1,29 Mio.

Passagiere 2013: 1,06 Mio.

Zuwachs/Rückgang: - 17,7 %

Köln-Bonn

Passagiere 2012: 9,28 Mio.

Passagiere 2013: 9,08 Mio.

Zuwachs/Rückgang: - 2,0 %

Leipzig/Halle

Passagiere 2012: 2,28 Mio.

Passagiere 2013: 2,24 Mio.

Zuwachs/Rückgang: - 2,0 %

Memmingen (Allgäu Airport)

Passagiere 2012: 867.000

Passagiere 2013: 839.000

Zuwachs/Rückgang: - 3,6 %

Münster/Osnabrück

Passagiere 2012: 1,02 Mio.

Passagiere 2013: 854.000

Zuwachs/Rückgang: - 16,4 %

Nürnberg

Passagiere 2012: 3,6 Mio.

Passagiere 2013: 3,31 Mio.

Zuwachs/Rückgang: - 8,0 %

Paderborn/Lippstadt

Passagiere 2012: 873.000

Passagiere 2013: 795.000

Zuwachs/Rückgang: - 9,0 %

Saarbrücken

Passagiere 2012: 425.000

Passagiere 2013: 405.000

Zuwachs/Rückgang: - 4,7 %

Auswahl: Zehn Flughäfen mit dem größten Verlust in Prozent, Quelle: Flughäfen, ADV-Monatsstatistiken

Mit diesen drastischen Einbrüchen sind die beiden Flughäfen die negativen Ausreißer. Doch bei einigen Regionalflughäfen gebe es „eine langanhaltende Tendenz nach unten“, meint René Steinhaus von der Beratungsgesellschaft A.T. Kearney.

Die niedrigen Passagierzahlen bleiben ein wirtschaftliches Problem der meisten Provinz-Airports. Trotz jahrelanger Subventionen ringen viele ums Überleben: Erst Anfang Januar beschloss die Landesregierung von Mecklenburg-Vorpommern, die Zuschüsse für den Flughafen Rostock-Laage auf eine Million Euro zu verdoppeln. „Ein Flughafen dieser Art braucht dauerhaft Zuschüsse“, begründete Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) vielsagend. Auch der Hunsrück-Flughafen Frankfurt Hahn braucht mehr Steuergelder – Ende Dezember wurde ein Sanierungskonzept beschlossen.

Kommentare (9)

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goldeneye

23.01.2014, 08:45 Uhr

Baden Baden geht baden! treffende Headline! Vielleicht "findet" sich ja auch hier ein russischer, ukrainischer oder kasachischer Investor der den Airport übernimmt. Ist ja gerade in Baden Baden Gang und Gebe - aber Vorsicht.... die Bühlerhöhe und diverse andere Objekte, die marode verfallen, lassen grüssen!

Account gelöscht!

23.01.2014, 08:46 Uhr

Wer hätte es denn gedacht? Seit wann weiß man das nun schon? Aber werden Politiker, welche diese Flughäfen oftmals als Prestigeobjekt der eigenen Amtszeit ansehen, in Haftung für diesen Mist genommen? Nein. Jeder normale Arbeitnehmer würde mindestens hochkant aus seinem Job fliegen. Aber noch nicht einmal das passiert bei unseren Politikern. Nein, sie freuen sich auf Ihre Pension, vom Staat -natürlich- vollfinanziert.

Account gelöscht!

23.01.2014, 08:52 Uhr

Den Landespolitikern kann man nur zum Teil einen Vorwurf machen. Oft ist der Druck der Wirtschaft in der Region so hoch, dass Argumente der Politiker kaum Gehör finden. Man schwingt immer die Arbeitsplätzekeule.

Allerdings ist es in der Tat so, dass es mit einer Haftung der Politiker für ihre Taten keine derartigen Flughäfen gäbe.

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