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08.08.2014

11:33 Uhr

Regionalflughäfen

Mit Medizin-Touristen zum Boom-Airport?

VonTobias Döring

Wenn das Geld ausgeht, kennt die Phantasie keine Grenzen: Der Flughafen Dortmund führt eine kostenpflichtige Überholspur am Sicherheitscheck ein. Lübeck setzt auf Medizin-Touristen. Kann das die Pleite abwenden?

Fluggasttreppe am Flughafen Lübeck: Schwarze Zahlen müssen her, und zwar schnell. dpa

Fluggasttreppe am Flughafen Lübeck: Schwarze Zahlen müssen her, und zwar schnell.

DüsseldorfFür fünf Euro auf die Überholspur? In der vergangenen Woche startete der Flughafen Dortmund ein neues Angebot. Dauert es dem Passagier an der Sicherheitskontrolle zu lange, kann er gegen die Zusatzgebühr links vorbeiziehen und Zeit sparen. Flughafenchef Udo Mager spricht von dem Beginn einer „Qualitätsoffensive“ – doch natürlich will der Airport-Manager mit der sogenannten „Fast Lane“ auch Geld verdienen.

Der Flughafen Dortmund steht mit dem neuen Angebot stellvertretend für Deutschlands Regionalflughäfen. Die meisten von ihnen schreiben Millionenverluste. Und seit dem Frühjahr ist klar: Lange geht das nicht mehr gut. Die neuen EU-Leitlinien geben den Regional-Airports nur noch zehn Jahre Zeit, um ohne staatliche Zuschüsse auszukommen. Schwarze Zahlen müssen her, und zwar schnell.

„Die Hälfte der Regionalflughäfen könnte wieder verschwinden“, hat die Wirtschaftsprofessorin und Luftfahrtexpertin Yvonne Ziegler prophezeit. Es geht ums Überleben, wie die jüngsten Insolvenzen der Flughäfen Zweibrücken und Lübeck noch einmal unterstreichen.

Flughäfen Halbjahresbilanz: Die Gewinner und Verlierer

Gewinner – Platz 5

Leipzig/Halle
Passagiere Jan.-Jun. 2014: 997.135
Zuwachs: + 4,5 Prozent

Platz 4

Friedrichshafen
Passagiere Jan.-Jun. 2014: 255.956
Zuwachs: + 5,3 Prozent

Platz 3

Berlin-Tegel
Passagiere Jan.-Jun. 2014: 9,75 Millionen
Zuwachs: + 5,8 Prozent

Platz 1

Hamburg
Passagiere Jan.-Jun. 2014: 6,81 Millionen
Zuwachs: + 7,2 Prozent

Platz 1

Berlin-Schönefeld
Passagiere Jan.-Jun. 2014: 3,41 Millionen
Zuwachs: + 7,2 Prozent

Verlierer – Platz 5

Hahn
Passagiere Jan.-Jun. 2014: 1,11 Millionen
Verlust: - 7,6 Prozent

Platz 4

Saarbrücken
Passagiere Jan.-Jun. 2014: 182.537
Verlust: - 9,1 Prozent

Platz 3

Paderborn/Lippstadt
Passagiere Jan.-Jun. 2014: 318.287
Verlust: - 9,5 Prozent

Platz 2

Nürnberg
Passagiere Jan.-Jun. 2014: 1,45 Millionen
Verlust: - 10,6 Prozent

Platz 1

Weeze
Passagiere Jan.-Jun. 2014: 814.946
Verlust: - 26,1 Prozent

Quelle: ADV

Von den Fluggesellschaften sind nur wenig neue Verbindungen zu erwarten. Bei den meisten Regional-Airports geht die Zahl der Passagiere zurück oder stagniert, wie zuletzt auch wieder die Halbjahreszahlen des Branchenverbands ADV zeigten. Deshalb wollen die Regionalflughäfen nicht nur verstärkt an die Portemonnaies der Passagiere, sondern zeigen sich auch sonst kreativ bei neuen Einnahmequellen.

Denn der scheinbar einfachste Weg, nämlich beim Staat zu kassieren, wird immer schwerer. Der rheinland-pfälzische Flughafen Zweibrücken meldete Insolvenz an, weil die EU-Kommission entschied, dass der Airport Subventionen in Höhe von mehr als 50 Millionen Euro zurückzahlen muss. Nur noch selten schießt die öffentliche Hand Geld nach, wie zuletzt Stadt und der Freistaat Bayern im Fall des Nürnberger Flughafens. Insgesamt 70 Millionen Euro machten sie als Kapital und Darlehen für den Airport locker, der als Teil einer Marketingoffensive in Zukunft Albrecht-Dürer-Flughafen heißen soll.

Doch ein neuer Name allein wird nicht reichen, um den Flughafen erfolgreich zu machen, der von Januar bis Juni mehr als zehn Prozent seiner Passagiere verloren hat. „Regionalflughäfen müssen sich im Kopf der Konsumenten verankern, das ist die große Herausforderung“, sagt Stefan Höffinger, der mit seiner Gesellschaft Höffinger Solutions von Wien aus Flughäfen in Europa berät. Die regionalen Airports müssten „ein Gesamtpaket liefern und Teil eines maßgeschneiderten Produktes sein“, erläutert Höffinger im Gespräch mit Handelsblatt Online.

Kommentare (3)

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Herr Jürgen Volkers

08.08.2014, 12:56 Uhr

Guten Tag,
Sie bezeichnen den Flughafen Dortmund als Gewinner. Dazu sollte man wissen, dass seit Jahren der Flughafen von den Verkehrsbetrieben der Stadt Dortmund zuventioniert wird, was nun dazu führt, dass der öffentliche Personennahverkehr ausgedünnt wird, um die Zahlungen an den Flughafen weiter auszubauen. Also zahlen in Zukunft die Dortmunder Bürger extra dafür, dass sie etwas bequemer in den Urlaub fliegen können.Macht das Sinn, wenn schon im Umkreis von 80km sehr viele Flughäfen profitabel betrieben werden?

Herr Tom Beck

08.08.2014, 13:26 Uhr

Mag sein das sich die Regionalflughäfen anders positionieren müssen,dass sie bisher nur über Subventionen jahrzehntelang betrieben wurden halte ich für skandalös und ein Paradebeispiel dafür wie verantwortungslos Politik mit unserem Geld umgeht. Verkehrspolitisch müssen wir uns neu Ordnung. Bei AKWs verabschieden wir uns weil wir Öko sein wollen und beim Verkehr wird auf Fliegen gesetzt. Das passt nicht. Wir sollten die Regionalflughäfen einmotten und den ÖPNV und Bahnreisen deutlichst verbessern - eher revolutionieren und in beiden Bereichen auch an neuen Technologien, bessere Züge, Ticket- und Fahrgastinformationsysteme, Leittechnik, Güterumschlag etc. forschen und weltweit führend auf diesen Gebieten werden. Auch banale Dinge müssen konsequent umgesetzt werden, warum z.B. ist der Berliner Hbf mit seinem riesiegen Glasdach nicht mit Photovoltaik ausgerüstet? Die Fußböden könnten per Piazo Technik zur Stromerzeugung genutzt werden etc.

Frau Handelsblatt Redaktion

08.08.2014, 13:43 Uhr

Sehr geehrter Herr Beck,
"Gewinner" im Jahr 2013 ist der Flughafen Dortmund ausschließlich wegen eines Passagierzuwachs. Die Thematik der Finanzierung ist mir bekannt. Vielleicht wird das im Interview mit Flughafenchef Mager deutlicher. Hier kommt auch der Jahresverlust zur Sprache:
http://www.handelsblatt.com/unternehmen/handel-dienstleister/dortmunder-flughafenchef-mager-die-fast-lane-ist-teil-einer-qualitaetsoffensive/10292120.html

Beste Grüße,
Tobias Döring

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