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30.01.2014

09:22 Uhr

Regionalflughafen-Chefs

„Wir können uns schlecht nach China verlagern“

VonTobias Döring

ExklusivHeute trifft sich die Flughafen-Branche bei den Deutschen Luftfahrttagen. Kassel-Calden-Chefin Muller und Frankfurt-Hahn-Chef Bunk erklären, warum sie sich mehr Anerkennung wünschen – und zu Ryanair nie nie sagen.

Kassel-Calden-Chefin Maria Anna Muller und Frankfurt-Hahn-Chef Markus Bunk: „Kritik ist schnell geäußert, man muss aber auch mal schauen, wo wir herkommen.“ Bert Bostelmann für Handelsblatt

Kassel-Calden-Chefin Maria Anna Muller und Frankfurt-Hahn-Chef Markus Bunk: „Kritik ist schnell geäußert, man muss aber auch mal schauen, wo wir herkommen.“

Maria Anna Muller und Markus Bunk sind erfahrene Flughafen-Manager. Die Kassel-Calden-Chefin erlebte ein turbulentes Eröffnungsjahr und musste bei Deutschlands jüngstem Regionalflughafen viel Kritik einstecken. Bunk wechselte im Oktober aus Dortmund zum Flughafen Frankfurt-Hahn, Ende des Jahres stimmte das Land Rheinland-Pfalz einem Sanierungskonzept für den angeschlagenen Hunsrück-Airport zu. Muller kennt sich dort bestens aus, bis 2007 war sie verantwortlich für den Vertrieb.

Handelsblatt Online: Frau Muller, es war gar nicht so einfach, einen Gesprächstermin mit Ihnen zu bekommen. Für die Geschäftsführerin eines Flughafens im „Winterschlaf“ ist bei Ihnen ganz schön viel los.

Maria Anna Muller: Wir sind nicht im Winterschlaf! Kassel-Calden ist voll in Betrieb und es fliegen jeden Tag Maschinen. Außerdem bauen wir den Flughafen weiter aus, denn wir sind ja noch lange nicht fertig, sondern erst am 4. April in Betrieb gegangen. Wir hatten bisher keinen Tag Langeweile.

Und dennoch wird Ihr Flughafen oft nicht ernst genommen.

Muller: Die Leute vermissen große Flugzeuge. Nach der Eröffnung wurde erwartet, dass wie in Frankfurt auf der Nordbahn alle drei Minuten ein großer Flieger ankommt. Das ist natürlich Wahnsinn, wir bauen gerade erst einen Flughafen auf.

Den Flughafen Frankfurt-Hahn dagegen gibt es schon seit 20 Jahren. Unter den Billigflughäfen gehören Sie zu den Pionieren. Im Dezember mussten Sie ein Sanierungskonzept ausarbeiten – haben Sie jetzt endlich Zeit zum durchatmen, Herr Bunk?

Markus Bunk: Das Sanierungskonzept hat der Aufsichtsrat in seiner Sitzung im Dezember beschlossen und uns mit der Umsetzung beauftragt. Zeit zum Durchatmen ist keine. Wir stecken mitten in der Umsetzung und es gibt immer etwas zu tun – vor allem für mich, da ich erst ein paar Tage im Job bin.

Flughäfen in Deutschland: Das waren die Verlierer 2013

Dresden

Passagiere 2012: 1,89 Mio.

Passagiere 2013: 1,75 Mio.

Zuwachs/Rückgang: - 7,0 %

Frankfurt-Hahn

Passagiere 2012: 2,79 Mio.

Passagiere 2013: 2,67 Mio.

Zuwachs/Rückgang: - 4,4 %

Karlsruhe/Baden-Baden (Baden-Airpark)

Passagiere 2012: 1,29 Mio.

Passagiere 2013: 1,06 Mio.

Zuwachs/Rückgang: - 17,7 %

Köln-Bonn

Passagiere 2012: 9,28 Mio.

Passagiere 2013: 9,08 Mio.

Zuwachs/Rückgang: - 2,0 %

Leipzig/Halle

Passagiere 2012: 2,28 Mio.

Passagiere 2013: 2,24 Mio.

Zuwachs/Rückgang: - 2,0 %

Memmingen (Allgäu Airport)

Passagiere 2012: 867.000

Passagiere 2013: 839.000

Zuwachs/Rückgang: - 3,6 %

Münster/Osnabrück

Passagiere 2012: 1,02 Mio.

Passagiere 2013: 854.000

Zuwachs/Rückgang: - 16,4 %

Nürnberg

Passagiere 2012: 3,6 Mio.

Passagiere 2013: 3,31 Mio.

Zuwachs/Rückgang: - 8,0 %

Paderborn/Lippstadt

Passagiere 2012: 873.000

Passagiere 2013: 795.000

Zuwachs/Rückgang: - 9,0 %

Saarbrücken

Passagiere 2012: 425.000

Passagiere 2013: 405.000

Zuwachs/Rückgang: - 4,7 %

Auswahl: Zehn Flughäfen mit dem größten Verlust in Prozent, Quelle: Flughäfen, ADV-Monatsstatistiken

80 Stellen wollen Sie bis 2018 abbauen. Schrumpf Ihr Flughafen unter dem Sparkurs?

Bunk: Uns geht es darum, das Ergebnis zu verbessern. Viele Kollegen werden jetzt leider zu spüren bekommen, dass sie von dem erarbeiteten Konzept betroffen sind. Die Umsetzung wird anstrengend. Darüber nur zu sprechen ist etwas anderes als es dann auch zu tun.

Vor allem dürfte dieses Jahr nicht einfacher werden. Die Diskussion über das nationale Luftfahrtkonzept ist in vollem Gange. Zum Jahresanfang wurden Sie von Seiten der Politik scharf attackiert. Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter sagte beispielsweise: „Damit könnte die unkoordinierte und ruinöse Flughafenplanung in den Ländern endlich der Vergangenheit angehören. Insbesondere die kostspieligen Regionalflughäfen könnten neu sortiert werden.“ Wie kommt das bei Ihnen an?

Muller: Kritik ist schnell geäußert, man muss aber auch mal schauen, wo wir herkommen. Regionalflughäfen gibt es schon immer. Diese haben immer schon einen mehr oder weniger bescheidenen Verkehr abgewickelt –wie das für die jeweilige Region notwendig war. Diese Flughäfen waren noch nie die „Cashcows“ der Nation. Das hat sich gedreht, seitdem London-Heathrow privatisiert wurde. Danach galt Flughafen gleich „money making“, „Cashmashine“, „successfull“ und „sexy“ – und immer mehr deutsche Flughäfen sagten: „Wir verdienen auch Geld, wir gehören auch dazu“.

Kommentare (12)

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sowat

30.01.2014, 09:51 Uhr

"Eine vernünftige Stadt braucht einen vernünftigen Bahnhof, eine Straßenanbindung und einen Flughafen, der für die Region hilfreich ist"

Also sollte jede Stadt über 100.000 Einwohner einen Flughafen haben? Und der finanziert sich dann über die erheblichen Einnahmen aus Parkgebühren...?

Was für ein geistiger Dünnschi..

Bankster

30.01.2014, 10:00 Uhr

Warum denn nicht alle Manager nach China verlagern ? Ein wenig Mails schreiben und Meetings können auch über Videokonferenzen gehalten werden. Das würe auch Millionen an Gehälter sparen.
Ein Werk mit vielen Mitarbeiter sind viel schwieriger zu verlagern und es wird trotzdem gemacht. Da wird die ganze Logistik, Zuliefererketten usw. durcheinandergebracht um am Ende festzustellen dass nach einige Lohnrunden sich das doch nicht gelohnt hat. Und der Oberchef wird dann auch noch mit einige Millionen für seine grandiose Idee abgefunden.

worst_case_szenario

30.01.2014, 10:19 Uhr

Und was eigentlich, wenn der operative Gewinn einer Airline nichtzuletzt aus Mitteln des deutschen Steuerzahlern zustande kommen sollte?

Und nie nie sagen: sukzessive aus der Reibungswärme beim ÜberdenTischgezogenwerden eine solide Geschäftsbeziehung zusammenzuphantasieren: das läßt eher Kuschelambitionen zutage treten als kaufmännisch gesundes wie kaufmännisch fundiertes Handeln.

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