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10.01.2011

10:51 Uhr

Reinigungskonzern ISS

Eigentümer lassen Milliardenübernahme scheitern

VonHelmut Steuer

Es sollte die größte Unternehmensübernahme seit dem Beginn der Finanzkrise werden. Jetzt ist sie gescheitert. Die Eigner des dänischen Reinigungsriesen ISS haben den geplanten Verkauf abgesagt. Stattdessen soll das Unternehmen jetzt an die Börse gehen.

Jeff Gravenhorst von ISS: Die Eigner des dänischen Reinigungsriesen haben den geplanten Verkauf abgesagt. Das Unternehmen soll jetzt an die Börse gehen. Reuters

Jeff Gravenhorst von ISS: Die Eigner des dänischen Reinigungsriesen haben den geplanten Verkauf abgesagt. Das Unternehmen soll jetzt an die Börse gehen.

STOCKHOLM. Es sollte die größte Unternehmensübernahme seit dem Beginn der Finanzkrise werden, doch daraus wird nun doch nichts: Die beiden Eigner des weltgrößten Reinigungs- und Gebäudeverwaltungskonzerns ISS haben ein Kaufangebot des Private-Equity-Unternehmens Apax als zu niedrig abgelehnt. Jetzt soll das dänische Unternehmen wie ursprünglich geplant an die Börse gebracht werden. Einen Zeitpunkt dafür nannten sie aber noch nicht.

Apax hatte für ISS rund 8,5 Milliarden Dollar (6,6 Milliarden Euro) geboten. Die beiden ISS-Eigner, die US-Investmentbank Goldman Sachs und die schwedische Beteiligungsgesellschaft EQT lehnten die Übernahmeofferte nun aber als zu niedrig ab. Apax sei darüber bereits vor rund einer Woche informiert worden, hieß es bei ISS. "Unsere Eigner haben noch einmal bekräftigt, dass sie an eine starke Zukunft von ISS glauben und halten an ihrer Präferenz für einen Börsengangs fest", erklärte ein Sprecher. Ein Börsengang habe den Vorteil, dass die beiden Besitzer weiter an dem Reinigungsriesen beteiligt bleiben können.

Mit der geplatzten Übernahme steigt die Hoffnung, dass es im laufenden Jahr vielleicht doch zu einem der größten Börsengänge in der jüngeren europäischen Wirtschaftsgeschichte kommen könnte. Die Chancen für ein erfolgreiches Debüt stehen gerade in Kopenhagen gut: Im vergangenen Quartal gingen mit dem Schmuckhersteller Pandora und dem Telekomkonzern TDC zwei Unternehmen an die Börse und platzierten Aktien im Wert von jeweils etwa 1,5 Milliarden Euro.

ISS wurde 2005 von der zur Wallenberg-Familie zählenden Holding EQT und der US-Investmentgesellschaft Goldman Sachs Capital Partners übernommen. Ursprünglich war geplant, den Konzern Anfang dieses Jahres vollständig oder teilweise an die Börse zu bringen. Ende 2010 wurde dann bekannt, dass Apax an einer Übernahme interessiert ist und mehrere Konkurrenten mit seinem 6,6 Milliarden Euro umfassenden Angebot ausgestochen hatte. Doch offenbar reichte der Preis den Eigentümern nicht.

2005 zahlten EQT und Goldman Sachs Capital Partners 21,9 Milliarden Kronen (2,9 Milliarden Euro) für den Konzern. Analysten bewerten ISS derzeit mit rund 40 Milliarden Kronen. So lohnend, wie es auf den ersten Blick scheint, ist die Investition für EQT und Goldman Sachs allerdings nicht: Beide Unternehmen haben in den vergangenen Jahren etwa 7,7 Milliarden Kronen in den Konzern investiert, da ISS noch eine Nettoverschuldung von 32,5 Milliarden Kronen hat, bleibt den beiden Eignern nach dem Börsengang voraussichtlich weniger als sie sich erhofft hatten.

Der 1901 gegründete dänische Konzern beschäftigt heute 520 000 Mitarbeiter in 53 Ländern. Seit der Übernahme durch Goldman Sachs und EQT hat ISS rund 350 Unternehmen mit etwa 200 000 Mitarbeitern gekauft. 2009 setzte der Reinigungsriese 69 Milliarden Kronen um und verbuchte einen Ebitda-Gewinn von 4,1 Milliarden Kronen. Neben dem Reinigungsservice bietet ISS auch Sicherheitsdienste, Verwaltung von Gebäuden und Catering für Schulen und Altersheime an.

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