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30.05.2012

11:54 Uhr

Reisebranche

Thomas Cook verängstigt Urlauber

VonChristoph Schlautmann

Thomas Cook reagiert mit merkwürdigen Methoden auf seine Krise: Der angeschlagene Reiseveranstalter ändert das Zahlungsverfahren - Reisebüros werten das als deutliches Warnsignal. Was haben die Kunden zu befürchten?

Thomas Cook verunsichert Urlauber

Video: Thomas Cook verunsichert Urlauber

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DüsseldorfUnmittelbar vor dem Start der Urlaubssaison verunsichert Europas zweitgrößtes Touristikunternehmen Thomas Cook ("Neckermann", "Öger") seine deutsche Kundschaft. Eine Ankündigung, die von der Oberurseler Deutschlandzentrale an die Vertriebspartner verschickt wurde, lässt Sorgen um die Bonität des Reisekonzerns aufkommen. "Ich rate meinen Kunden von langfristigen Anzahlungen an Thomas Cook ab", sagte Marija Linnhoff, Reisebüroinhaberin aus Iserlohn und Vizevorsitzende der Interessengemeinschaft Reisebüro, dem Handelsblatt.

Was Linnhoff und ihren Koblenzer Verband alarmiert, ist eine scheinbar unbedeutende Änderung im Zahlungsverkehr. Jahrelang hatte Thomas Cook seine Gebühren so gestaffelt, dass Urlauber sowohl Anzahlungen wie auch Restbeträge per Lastschrift beglichen. Während diese Zahlungsart für sie gratis war, verlangten die Oberurseler für Überweisungen eine Gebühr von drei Euro.

Umso mehr überraschte vor wenigen Tagen der abrupte Schwenk: Nun stellt Thomas Cook die Überweisungen gebührenfrei, für Lastschriften dagegen müssen Kunden seither drei Euro zahlen. Der vormals bevorzugte Bankeinzug, den bislang die Commerzbank abwickelte, ist damit faktisch Geschichte. "Wir fürchten", sagt Marija Linnhoff, "dass bei Thomas Cook die Kreditinstitute nicht mehr mitgespielt haben."

Verliert nun auch der Deutschland-Ableger des angeschlagenen britischen Reisekonzerns Thomas Cook die notwendige Bonität? Sie nämlich ist Voraussetzung für ein funktionierendes Lastschrift-Verfahren, weil Abbuchungen von den Kundenkonten auch nach dem Zahlungseingang widerrufen werden können - ab 9. Juli erlaubt das Sepa-Verfahren eine Frist von acht Wochen.

Um sich vor Zahlungsausfällen zu schützen, verlangen die Geldinstitute deshalb von den einziehenden Unternehmen einen üppigen Kreditrahmen. "Es kann dabei um mehrere Millionen Euro gehen", berichtet ein Sprecher des Bundesverbands Deutscher Banken.

Ein Firmensprecher widersprach dagegen Befürchtungen, dem finanziell angeschlagenen Reisekonzern gehe bei der Commerzbank der Kredit aus. "Wir besitzen dort weiterhin einen soliden Kreditrahmen", sagte er. Den Sinneswandel im Zahlungsverkehr erklärte er so: Mit der Einführung des europäischen Zahlungssystems Sepa seien die Kosten für das Lastschriftverfahren derart gestiegen, dass Thomas Cook nun Überweisungen den Vorzug gebe.

Kommentare (5)

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Michael1200

30.05.2012, 12:25 Uhr

In schlechten Zeiten rächt sich offensichtlich das jahrelang gepflegte kundenunfreundliche Verhalten. Kulanz, Kundennähe, Fairness,... wenn das fehlt, dann feht in schlechten Zeiten auch die Kundenbindung. Politische Unruhen erscheinen da nur als vorgeschobene Entschuldigung.
Ich persönlich habe meinem Reisebüro wegen mehrerer schlechter Erfahrungen bereits vor Jahren den Auftrag gegeben, Thomas Cook nicht zu buchen, auch wenn dort im Einzelfall günstigere Preise verfügbar gewesen wären.

FunkerM

30.05.2012, 13:15 Uhr

@ Michael 1200: So mache ich es schon lange mit FTI. Letzten Endes gibt es wohl nicht viel Unterschiede bei den "Großen" der Branche.

@ Handelsblatt: Warum aber hier die Reisenden durch den Artikel beunruhigt werden müssen, verstehe ich nicht, schließlich gibt es den Reisepreissicherungsschein?! Da muss doch jetzt nicht noch unnötig Angst geschürt werden....

maxmotz

31.05.2012, 08:52 Uhr

@FunkerM: Die Kunden beunruhigen? Erwachsene Menschen sollten wissen, worauf sie sich einlassen und dazu gehört hin und wieder auch ein Blick hinter die Kulissen. Zudem ist es nicht der Blick der versunsichert, sondern das, was man hinter dem Vorhang sieht.

Reisepreissicherungsschein? Wer kennt sie nicht, die süssen kleinen Fallstricke im Kleingedruckten der Versicherungsbedingungen? Was passiert z.B. im Falle des Vorwurfs der Insolvenzverschleppung? Wie auch immer, ich drücke allen Beteiligten die Daumen und hoffe, dass verlorenes Vertrauen wieder erstarkt, denn schließlich geht es um die schönsten Wochen des Jahres.

Aber bitte immer daran erinnen, dass es anachronistisch anmutet, wenn man den Überbringer der Nachricht köpft.

Schönen Urlaub!!!

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