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23.01.2011

14:48 Uhr

Reiseveranstalter

Spekulationen um Tui Travel

Der Tourismuskonzern Tui erwägt offenbar bis Spätsommer eine Aufstockung seiner Anteile an der britischen Reisetochter Tui Travel. Finanziert werden soll dies von den Erlösen aus dem geplanten Börsengang der zum Konzern zählenden Reederei Hapag-Lloyd.

Tui weiß angeblich schon genau, was mit dem Erlös aus dem kommenden Hapag-Lloyd-IPO passieren soll. Quelle: DAPD

Tui weiß angeblich schon genau, was mit dem Erlös aus dem kommenden Hapag-Lloyd-IPO passieren soll.

rtr FRANKFURT. Wie die Nachrichtenagentur Reuters von zwei mit dem Unternehmen nahestehenden Personen erfahren hat, will Tui Hapag Lloyd innerhalb der nächsten drei Monate an die Börse bringen und in den darauffolgenden drei bis vier Monaten dann Tui-Travel-Aktien kaufen. Derzeit hält Tui 55 Prozent der Anteile an Tui Travel, die den größten Teil zum operativen Konzerngewinn beisteuern. "Das Management will schnell handeln, damit bei den Anteilseigner keine Begehrlichkeiten bei der Verwendung der Erlöse aus dem Hapag-Lloyd-Börsengang geweckt werden", sagte einer der Insider gegenüber Reuters.

Tui Travel ist der größte Reiseveranstalter Europas und wurde 2007 im Zuge der Fusion zwischen der Tui-Reisesparte und dem britischen Unternehmen First Choice gegründet. Die Sparte hat einen Marktwert von 3,5 Milliarden Euro. Zuvor hatten Kreise gesagt, die Tui AG wolle sich mit Tui Travel zusammenschließen. Durch Synergien und niedrigere Steuern könnten demnach jährlich insgesamt 700 bis 800 Millionen Euro gespart werden.

Ein Tui-Konzernsprecher sagte am Samstag: "Es gibt keinen festgelegten Fahrplan für die entsprechenden Szenarien." Konzernchef Michael Frenzel hatte in der Vergangenheit wiederholt gesagt, dass Erlöse auf dem Verkauf der Hapag-Anteile in das Tourismusgeschäft investiert werden könnten. Tui besitzt bislang knapp die Hälfte an der Reederei und hatte zuletzt 2,5 Milliarden Euro in Hapag Lloyd investiert. Experten gehen davon aus, dass die Tui AG nicht alle Hapag-Anteile abstößt, sondern Aktien behält, um von einem möglichen Kursanstieg nach dem Börsengang zu profitieren.

Der jahrelange Streit um die Vertretung von Tui-Großaktionär John Fredriksen im Aufsichtsrat des Tourismuskonzerns ist unterdessen offenbar beendet. So soll bei der Aufsichtsratswahl auf der Hauptversammlung am 9. Februar Christian Strenger statt der ursprünglich vorgeschlagenen DSW-Vertreterin Christiane Hölz in das Gremium einziehen, wie Tui am Freitagabend mitteilte. "Dieser Vorschlag wird von allen großen Tui Aktionären unterstützt", hieß es in der Mitteilung. Ziel sei es, ein konstruktives Verhältnis zwischen den Aktionärsgruppen und dem Tui-Management herzustellen. Strenger ist Mitglied der Regierungskommission "Deutscher Corporate Governance Kodex" und unter anderem in den Aufsichtsräten von Evonik und Fraport vertreten.

Zudem will Tui nach Informationen aus Kreisen den Aufsichtsrat wieder auf 20 Mitglieder von derzeit 16 aufstocken. Damit könnte Tui-Chef Frenzel mehr Verbündete in das Kontrollgremium holen, sagte eine mit dem Vorgang vertraute Person Reuters. Tui lehnte eine Stellungnahme dazu ab.

Mit dem Einzug des von Fredriksen akzeptierten Strenger in das Kontrollgremium dürfte damit endlich wieder Ruhe bei Tui einkehren. Seit Jahren gibt es einen Streit zwischen Großaktionär Fredriksen und dem Management. Fredriksen, der rund 15 Prozent der Anteile hält, hatte wiederholt einen Sitz im Aufsichtsrat gefordert. Dies hatte das Management und die ihm freundlich gesonnenen Aktionäre mit Verweis auf mögliche Interessenskonflikte jedoch stets abgelehnt. Wie Tui über die Beteiligung an Hapag-Lloyd ist auch Fredriksen im Reedereigeschäft tätig.

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