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13.03.2006

13:25 Uhr

Rekordgewinn in 2005

Kühne + Nagel will zukaufen

Der Schweizer Logistikkonzern Kühne + Nagel hat 2005 ein Rekordergebnis erzielt. Doch die Margen sind unter Druck geraten. Der Konzern will als Gegenmaßnahme mit Übernahmen vor allem im Bereich des europäischen Landverkehrs wachsen.

oli/HB ZÜRICH. Unternehmenschef Klaus Herms kündigte bei der Vorstellung der Jahresbilanz am Montag in Zürich an, dass das Unternehmen in Frankreich und Spanien auf Suche nach Zukäufen gehen werde. „Wir werden aber keine genaue Fährte legen, wo wir hingehen. Das wird dann nur viel zu teuer“, sagte er. Mehrheitsaktionär und Verwaltungsratspräsident Klaus Michael Kühne schloss nicht aus, im Fall einer Großübernahme auch die eigene Aktienmehrheit abzugeben. Allerdings müsse das Unternehmen selbständig bleiben. „Stabilität lässt sich aber auch mit einem Anteil unterhalb der Mehrheit garantieren“, meinte er.

Das Schweizer Unternehmen mit deutschen Wurzeln zählt zu den Marktführern in einer sich rasch konsolidierenden und stark wachsenden Branche. Logistiker wie DHL, Schenker oder die dänische DFDS-Gruppe profitieren alle von der Globalisierung und dem Trend, die Fertigung von Waren in den fernen Osten zu verlegen.

Kühne + Nagel hat seinen Umsatz vergangenes Jahr um 21,5 Prozent auf umgerechnet 9,3 Mrd. Euro gesteigert. Der Reingewinn stieg um 32,3 Prozent auf 210 Mill. Euro. Damit lag der Konzern leicht über den Analystenerwartungen. Die Zahlen zeigen auch, dass Kühne & Nagel erneut stärker als die Branche zulegte. In seiner größten Sparte See- und Luftfracht wuchs der Konzern sogar doppelt so schnell wie der Markt. Die Dividende solle von 4,50 auf 5,50 sfr je Aktie erhöht werden.

Finanzchef Gerard van Kesteren rechnet allerdings mit einem anhaltenden Preisdruck für die Logistikkonzerne. Die Branche stehe angesichts der Konsolidierung unter einem zunehmenden Wettbewerbsdruck. Im vergangenen Herbst übernahm die Deutsche Post den britischen Kontraktlogistiker Exel. Auch in der Seefracht, wo Kühne + Nagel weltweit führend ist, macht van Kesteren Margendruck aus. Im Schiffsverkehr müsse Kühne + Nagel, anders als sonst, sinkende Preise derzeit schnell an die Kunden weitergeben, sagte der Finanzchef. Früher hatte es die Branche meist geschafft, die Weitergabe der niedrigeren Einkaufspreise um einige Monate zu verzögern. „In diesem Jahr ist das anders, alles geht sehr schnell“, sagte van Kesteren.

Analysten hatten zum Teil darauf spekuliert, dass der Konzern die Margen zumindest kurzfristig steigern könnte, da der Einkauf von Frachtkapazität für Kühne + Nagel günstiger geworden ist, denn die Container-Schiffbetreiber haben ihr Angebot erhöht. „Die Preisreduktionen konnten wir jedoch über Volumenwachstum mehr als kompensieren“, fügte van Kesteren hinzu.

Die Schweizer haben im vergangenen Oktober die französische ACR-Gruppe gekauft und sind dadurch von 25 000 auf 40 000 Mitarbeiter gewachsen. Die Integration von ACR verläuft van Kesteren zufolge sehr gut. „Wir haben keinen Kunden verloren“, sagte der Finanzchef. Kleinere Synergien würden kleiner Restrukturierungskosten ausgleichen, so dass unter dem Strich mit keinen Sonderkosten zu rechnen sei. Kühne + Nagel hat im vergangenen Herbst für 490 Mill. Euro die auf Kontraktlogistik in Europa spezialisierte ACR übernommen. Diese wird jedoch erst ab Anfang 2006 konsolidiert.

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