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05.02.2004

08:08 Uhr

Renitente Kunden sollen Porto bei Rücksendungen tragen

Versandhandel will Retourenkosten eindämmen

Der deutsche Versandhandel steckt in der Krise. Vor allem junge Kunden haben sich angewöhnt, bestellte Katalogware in Massen wieder zurückzuschicken – zu Lasten der Händler. Denn im Gegensatz zu nahezu allen anderen EU-Staaten trägt in Deutschland der Unternehmer die Kosten der Rücknahme. Quelle & Co. laufen nun Sturm gegen das deutsche Gesetz. Sie wollen die Portokosten der Retouren auf den Kunden abwälzen.

vsp DÜSSELDORF. Auf diese Weise soll eine kleine, renitente Gruppe von Versandhauskäufern zur Vernunft gebracht werden. Nach Angaben des Bundesverbands des Deutschen Versandhandels (BVH) senden etwa zehn Prozent der Kunden regelmäßig große Mengen an Kleidung an den Absender zurück. Ein Trend, der die Unternehmen teuer zu stehen kommt: 40 % aller Rücknahmekosten lasten sie derartigen „Hochretournierern“ an. Sie gelten als Kunden mit einer veränderten Einkaufsmoral.

„Da gibt es Leute, die sich alles Mögliche nach Hause bringen lassen, die neuen Klamotten auf einer Party tragen und dann gebraucht wieder zurückschicken“, erzählt BVH-Sprecherin Dorothee Hoffmann. „Heute bestellen Kunden einen Anzug gleich in zwei Größen und zwei Farben“, weiß Erich Jeske, Sprecher des mit rund 4 Mill. Euro Jahresumsatz größten deutschen Versandhändlers Quelle AG.

Bereits im Jahr 2002 schickten mehr als 58 % aller Versandhauskunden mindestens einen Artikel zurück. Sollte – wie es die Unternehmensberatung Roland Berger in einer Studie prognostiziert – dieser Anteil weiter steigen, drohen der Branche nach eigenen Angaben massive Einbußen. Eine Änderung des Fernabsatzgesetzes könnte jedoch das Dilemma lösen, glaubt der BVH.

Das deutsche Recht belastet Katalogversender seiner Ansicht nach über Gebühr. „Uns sind gesetzlich die Hände gebunden, Kunden mit Missbrauchsabsichten an den Rückgabe-Kosten zu beteiligen“, sagt Hoffmann. Einzig in Finnland gelte ein ähnlich scharfes Gesetz. Die europäische Fernabsatz-Richtlinie als Grundlage der nationalen Gesetze lasse dagegen offen, wer für das Rückporto aufkommen soll. „Wir wollen eine EU-analoge Regelung“, fordert Hoffmann. „Mancher wird dann vielleicht gezielter bestellen“, hofft auch Detlev von Livonius, Sprecher des Otto-Versandes.

Hinter vorgehaltener Hand allerdings hegen die großen deutschen Versandhändler Zweifel an der Politik ihres Verbandes. „Die kostenlose Rückgabe war bei uns jahrelang Standard und wird auch in Zukunft zu unserem Service gehören“, sagt der Sprecher eines renommierten Versenders. Steigende Retourenkosten weisen für ihn vor allem auf eines hin: „Die Unternehmen müssen besser kalkulieren.“

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