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02.10.2012

16:41 Uhr

Rettungskredite gesichert

Praktiker erreicht entscheidenden Durchbruch

Seit 2011 suchte Praktiker einen Weg aus der Krise. In den letzten Tagen rannte die Zeit davon. Jetzt hat sich der Baumarktkonzern die rettenden Kredite für die Sanierung gesichert - bis auf einen winzigen Baustein.

Die Zukunft der Baumarktkette Praktiker hängt von vielen Faktoren ab. dpa

Die Zukunft der Baumarktkette Praktiker hängt von vielen Faktoren ab.

FrankfurtDer angeschlagene Baumarktkonzern Praktiker hat sich nach langem Ringen mit seinen Geldgebern Rettungskredite gesichert. Die Verhandlungen über Darlehen für den Umbau und die Neuausrichtung des Konzerns seien in zentralen Teilen erfolgreich abgeschlossen worden, teilte das Unternehmen am Dienstag mit.

Die beliebtesten Baumärkte

Ruinöser Preiskampf

Experten sind sich weitgehend einig: In Deutschland gibt es schlichtweg zu viele Baumärkte. Unter diesen Bedingungen ist der Preiskampf hoch und die Margen gering. Es folgt eine Übersicht über die beliebtesten Baumärkte.

Platz 10

Auf Rang zehn liegt Marktkauf. 3,2 Prozent der befragten Deutschen gaben an, 2010 dort eingekauft zu haben. 32,7 Prozent der 23.000 Befragten gaben übrigens an, gar keinen Baumarkt besucht zu haben.

Platz 9

Auf Platz 9 landet Hellweg Baumarkt mit 3,7 Prozent.

Platz 8

Die Globus-Kette steht auf Rang acht: 4,6 Prozent der Befragten gaben an, hier eingekauft zu haben.

Platz 7

Max Bahr rangiert auf dem sechsten Platz mit einem Anteil von 5,5 Prozent.

Platz 6

Nicht unter den Top-Five steht Bauhaus, nämlich nur auf Rang sechs. Mit 9,3 Prozent liegt die Kette nur knapp hinter ...

Platz 5

... Hornbach. Die auch durch intensive TV-Werbung recht bekannte Kette kommt auf zehn Prozent.

Platz 4

Knapp davor rangiert mit 10,4 Prozent Hagebaumarkt.

Platz 3

Etwas überraschend liegen die Baumärkte von Toom vor der Konkurrenz von Hagebaumarkt und Hornbach. Allerdings nur knapp: 10,6 Prozent der Befragten gehen hier gern shoppen.

Platz 2

Mit deutlichem Abstand liegen die beiden Dickschiffe der Branche vorne. Die Silbermedaille geht an Praktiker. Die Kette befindet sich in einem umfangreichen Umbauprozess und musste dabei so manchen Rückschlag einstecken. 20,8 Prozent der Deutschen waren 2010 in einem der blau-gelben Märkte.

Platz 1

Branchenführer im Hinblick auf die Beliebtheit ist Obi. Der Wert liegt bei 26,3 Prozent.

Unter anderem erhalte Praktiker auf Vermittlung des österreichischen Großaktionärs Semper Constantia von einer Investorengruppe ein besichertes Darlehen in Höhe von 40 Millionen Euro. Zudem habe eine Bank zugesagt, nach der geplanten Kapitalerhöhung weitere 20 Millionen Euro zu gewähren. Diese soll 60 Millionen Euro einbringen. Zuletzt hatte der Investor Clemens Vedder signalisiert, die Summe teilweise garantieren zu wollen. Die Rede war von einem Betrag über 25 Millionen Euro.

Überdies sei die bestehende Kreditlinie unter Federführung der Commerzbank über 40 Millionen Euro auf drei Jahre verlängert worden. „Mit dieser Paketlösung haben wir den Durchbruch zur Finanzierung unseres Restrukturierungsprogramms weitestgehend geschafft“, sagte Kay Hafner, Vorstandsvorsitzender in einer Mitteilung von Praktiker. „Weil der Abstimmungsbedarf zwischen den verschiedenen Finanzierungsparteien recht komplex war, haben wir etwas mehr Zeit gebraucht als zunächst erwartet. Aber jetzt haben alle Beteiligten ihren in den Verhandlungen bezeugten Willen zur Kooperation bestätigt.“

Noch offen und letzter Baustein des Fremdfinanzierungspakets ist ein weiteres Darlehen in Höhe von 15 Millionen Euro. Das Unternehmen geht davon aus, auch diese Verhandlungen kurzfristig zum Abschluss bringen zu können. Kay Hafner: „Wir sind zuversichtlich, dass wir auch die Verträge über die weiteren 15 Millionen Euro kurzfristig schließen und uns dann voll und ganz auf die Neuausrichtung unseres Geschäftsmodells konzentrieren und es zügig vorantreiben können.“

Im Handel brechen massenhaft Jobs weg

Kahlschlag

Zehntausende Arbeitsplätze stehen im Handel auf der Kippe. Schlecker-Pleite, Stellenabbau bei Karstadt und Metro und auch bei Neckermann.de geht es um viele Jobs. Hier eine Übersicht…

Wie ist die Lage bei Karstadt?

Der Warenhaus-Konzern will 2000 Arbeitsplätze streichen. Ende August läuft der Sanierungstarifvertrag bei Karstadt aus - damit steigen die Personalkosten für das Unternehmen. Außerdem dämpft die Euro-Krise die Kauflaune der Verbraucher. Bis Ende 2014 soll der Jobabbau über die Bühne gehen - möglichst sozialverträglich.

Wie viele Stellen kostet die Schlecker-Pleite?

Mit dem Ende der Drogeriemarktkette Schlecker brachen bislang etwa 25 000 Arbeitsplätze weg. Offen ist derzeit noch die Zukunft der gut 4000 Mitarbeiter zählenden Tochter Ihr Platz. Der Insolvenzverwalter ringt gegenwärtig noch um den Einstieg eines Investors bei Ihr Platz.

Wie viele Stellen stehen bei Neckermann auf der Kippe?

Beim Versandhändler Neckermann.de stehen 1380 Jobs auf der Streichliste des Managements. Der vom US-Finanzinvestor Sun Capital beherrschte Versandhändler hat insgesamt 2400 Arbeitsplätze. Neckermann.de will den Eigenhandel mit Textilien und das Frankfurter Zentrallager aufgeben. Das Kataloggeschäft war zuletzt so rapide eingebrochen, dass Erfolge aus dem Onlinehandel aufgezehrt wurden.

Wie umfangreich ist der Stellenabbau bei Metro?

Der größte deutsche Handelskonzern will mittelfristig 900 Stellen abbauen. Betroffen davon ist vor allem die Verwaltung. Auf der Verkaufsfläche soll das Personal nicht reduziert werden. Konzernchef Olaf Koch hatte vor wenigem Monaten angekündigt, etwa 100 Millionen Euro einsparen zu wollen.

Strikter Sparkurs nötig

Die Metro AG, zu der neben den Metro- Großhandelsmärkten für Gewerbetreibende auch die Elektronikketten Media Markt und Saturn, der Lebensmittelhändler Real sowie die Kaufhof-Warenhäuser gehören, ist aber schon seit etlichen Jahren auf einem strikten Sparkurs mit Stellenstreichungen.

Cordes machte den Anfang

Unter Kochs Vorgänger Eckhard Cordes wurde die Metro AG 2009 einem milliardenschweren Sparprogramm („Shape“) unterzogen, mit dem weltweit etwa 19 000 Arbeitsplätze gestrichen wurden. An anderer Stelle entstanden durch neue Märkte und Dienstleistungen ähnlich viele Jobs. Ende 2011 hatte Metro weltweit 281 000 Mitarbeiter.

Welche Hintergründe haben die Stellenstreichungen?

Die Handelskonzerne bieten unterschiedliche Sortimente und sind zumeist auch in unterschiedlichen Ländern aktiv. Hinzu kommen auch hausgemachte Probleme. Erklärtes Ziel des Managements ist in der Regel, die Kosten zu senken und die Strukturen im Unternehmen zu verbessern. Konzepte müssen häufig den veränderten Konsumgewohnheiten angepasst. Die Staatsschuldenkrise und eine hohe Arbeitslosigkeit in vielen Ländern Europas dämpfen aktuell die Konsumlust der Kunden.

Das „böse“ Internet

Ein großer, übergreifender Faktor im Handel ist das boomende Internetgeschäft. Immer mehr Menschen kaufen online ein. Damit nimmt der Preisdruck für die Läden zu. Nur wenige Bereiche wie der Lebensmittelhandel sind bisher kaum von diesem Trend betroffen.

Zeitenwende

Nach Einschätzung von Tengelmann-Chef Karl-Erivan Haub (Obi, Kik, Kaiser's Tengelmann) sind die Zeiten, in denen Läden wie Pilze aus dem Boden schossen, vorbei. Das verdeutlichten viele leerstehende Läden nach der Schlecker-Pleite. Neue Verkaufsflächen entstünden inzwischen vor allem im Internet mit den zahlreichen Online-Shops.

Das Geld soll dazu dienen, bis 2014 etwa 120 der bundesweit 234 Filialen von Praktiker auf die Zweitmarke Max Bahr umzustellen. In der vergangenen Woche wurden, der Notlage zum Trotz, die ersten sieben Praktiker-Märkte unter der Flagge von Max Bahr neu eröffnet. Zum Abschluss mit den österreichischen Investoren erklärte Finanzvorstand Markus Schürholz: „Das Darlehensvolumen ist zwar etwas geringer als ursprünglich angestrebt. Aber dafür sind die Konditionen, auf die wir uns mit Semper Constantia einigen konnten, in der Gesamtbetrachtung günstiger als das, was wir an die internationale Fondsgesellschaft hätten leisten müssen.“

Praktiker war wegen seiner jahrelangen Billigstrategie ("20 Prozent auf alles") und Missmanagements tief in die roten Zahlen gerutscht. 2011 machte das Unternehmen mehr als 500 Millionen Euro Verlust. Die Situation ist ernst. Von Januar bis Juni sank Praktikers Umsatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 4,5 Prozent auf fast 1,6 Milliarden Euro. Der Fehlbetrag hat sich zwar deutlich verringert auf knapp 97 Millionen Euro. Der Bargeldbestand aber schrumpfte von 301 auf 48 Millionen Euro. Praktiker hat in den vergangenen Monaten kostbare Zeit verspielt. Die Chefs wurden ausgetauscht und mit ihnen das Sanierungskonzept.

Kommentare (1)

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Twister

02.10.2012, 21:55 Uhr

Praktiker wird zerschlagen und legvitiert!

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