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05.07.2012

17:25 Uhr

Rettungsplan

Schiffsstandort Deutschland unter Druck

VonFrank Matthias Drost

ExklusivDer Koordinator der Regierung für die maritime Wirtschaft, Staatssekretär Hans-Joachim Otto, befürchtet eine langfristige Schwächung des Schifffahrtsstandortes Deutschland. Otto hatte die Branche zu Gesprächen geladen.

Container am Hamburger Hafen dpa

Container am Hamburger Hafen

BerlinDurch den teilweisen Rückzug der Banken aus der Schiffsfinanzierung seien nicht nur Reeder, sondern auch Werften und Zulieferer betroffen. „In Asien gibt es derzeit wesentlich bessere Finanzierungsbedingungen“, sagte Otto in einem Gespräch mit dem Handelsblatt.

Otto hatte heute führende schiffsfinanzierende Banken in Deutschland wie die HSH Nordbank, Commerzbank, NordLB, Unicredit, KfW Ipex-Bank und die Deutsche Bank nach Berlin eingeladen, um die Lage nach dem erklärten Rückzug der Commerzbank aus der Schiffsfinanzierung zu sondieren.

Die Commerzbank begründete den Strategieschwenk mit einer Konzentration auf das Kerngeschäft und einer zunehmenden Eigenkapitalanforderungen. Die Branche befindet sich seit Jahren in der Krise, die durch Überkapazitäten im Transportbereich geprägt ist.

Für Erleichterung in der Branche sorgte die Feststellung der Commerzbank, dass sie ihr 20 Milliarden Euro schweres Schifffahrtsportfolio vertragsgerecht abbauen werde, ohne die Kredite in eine Bad Bank zu überführen. Vor Ende der Laufzeit werde sich die Bank nicht zurückziehen, hieß es.

Die Vorschläge der Reeder zur Lösung der Krise fielen bei den vertretenden Banken dem Vernehmen nach auf keinen fruchtbaren Boden. So forderten die Reeder, dass die staatliche KfW bei bestehenden Krediten einspringen sollte. Das wurde in der Runde als nicht notwendig angesehen. „Die KfW braucht nicht ihre Schatullen zu öffnen“, gab Otto den Tenor der Runde wieder. Allerdings könnte die KfW Ipex-Bank künftig eine größere Rolle im Neugeschäft spielen.

Für Otto sind die Probleme bei der Schiffsfinanzierung „nur die Spitze eines Eisbergs“. Denn die verschärften Eigenkapital- und Liquiditätsanforderungen nach den neuen Eigenkapitalrichtlinien von Basel III würden sich generell negativ auf langfristige Investitionsvorhaben auswirken.

„Es kann nicht sein, dass Banken jetzt nicht mehr in der Lage sind, langfristige Vorhaben zu finanzieren“, so Otto. In Kürze soll der Dialog unter Einschluss des Bundesfinanz- und Bundesverkehrsministeriums, der Reeder, der Werften, der Zulieferindustrie und der Banken fortgesetzt werden.

Kommentare (3)

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Skyjumper

05.07.2012, 18:33 Uhr

Die Gier nach Subventionen ist auch hier, wie so häufig deplaziert. Es Branche schreit nicht etwa nach staatlichen Eingrffen weil die Finanzierung von Schiffsneubauten gefährdet ist. Daran denken im Moment sowieso nur sehr sehr hartgesottene Optimisten.

Nein, die Reeder und die ganzen Fond sind mit ihren Bestandsfinanzierungen unter Wasser. Viel zu Frachtkapazitäten haben die Preise in Regionen stürzen lassen, in denen man gerade noch so die laufenden Betriebskosten erwirtschaftet werden. Die Zinsen der ganzen kreditfinanzierten Frachter können kaum noch aufgebracht werden. DAS ist das Problem der Reeder, und deshalb bitten sie um Staatsgeschenke.

Und niemand ist auch nur annährend in der Lage vorherzusagen, ob sich daran so schnell etwas ändert. Vermutlich handelt es sich aber nicht um ein temporäres Problem, sondern die es müßten Schiffe abgewrackt werden. Die Commerzbank weiß schon, warum sie kein weiteres Geld in die Branche stecken will.

http://dasneueeuropa.wordpress.com/2012/07/04/deutsche-reeder-kleiner-geist/

HG Skyjumper

matze

05.07.2012, 19:40 Uhr

@skyjumper: wahrscheinlich haben se(coba,nördliche lb usw.) in der guten zeit auch die "rederei aufgeblasen" und in der schlechten laufen se weg. weg mit den finanzheinis/lemmingen aus der realwirtschaft und der aufsicht! sag ich dazu.
das problem wenn der kern einer branche weg is - isser weg. welche länder haben in den letzten jahre neue wirtschaftzweige aufgebaut und so ihren handel ausgebaut? handel schaft wohlstand oder?
gut noch sind es anfragen von "bequemen". aber gutes traditionelles läßt mann/frau nicht verkommen. hoffe der herr sekretär bereitet sich darauf vor!
ja, und: hat es sich nicht gezeigt, dass eine erfolgreiche deutsche wirtschaft - trotzdem teils nicht mal mehr "eigenen stahlwerke" rechtzeitig und gut zu erstellen weiss?
scheint so das bänker nur verkaufen und "aufblasen" können oder? ich sage ihne was, wenn mann/frau selbst mal etwas aufgebaut hat, so sehen sie die dienge anders an. durch den "tanz ums goldene kalb" hat ihre branche die fähigkeit verloren den richtigen wert - nicht preis - zu finden. inflationär werden sie dies wohl bald noch mehr verlernen!

Account gelöscht!

05.07.2012, 22:41 Uhr

Ich sehe noch erhebliches Potential im Bereich der Luxusyachten - dank ESM-Vertrag.



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