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03.09.2013

13:40 Uhr

Rewe testet Bistro-Konzept

„Macht euch warm, wenn gleich der Ansturm kommt“

VonCarina Kontio

Ein Restaurant im Supermarkt: Der Handelsriese Rewe wagt sich auf neues Terrain. In einer Filiale in Köln testet er die Reaktion der Kundschaft. Wir gehörten zu den ersten Gästen und haben uns dort umgeschaut.

Der erste Test-Standort der Rewe-Bistro-Kette „Made by Rewe“ hat am Kölner Waidmarkt eröffnet. Der Laden wirkt aufgeräumt und freundlich.(Quelle: Carina Groh-Kontio)

Der erste Test-Standort der Rewe-Bistro-Kette „Made by Rewe“ hat am Kölner Waidmarkt eröffnet. Der Laden wirkt aufgeräumt und freundlich.

(Quelle: Carina Groh-Kontio)

Köln„Toll, Sie sind unser dritter Gast heute. Ich erkläre Ihnen mal, wie das alles hier so geht“, strahlt mich eine sympathische Mitarbeiterin an. So früh an diesem Dienstag, den sich die experimentierfreudige Rewe-Handelskette zur Eröffnung ihres ersten Bistro-Ladens ausgesucht hat, sind die Freundlichkeitsakkus hier noch ordentlich aufgeladen. „Ikea-Restaurant trifft Kantine“ und „Eine riesige Wohnküche“ schreiben die anderen. Unser Eindruck: ein bisschen Italien, ein bisschen Asien, etwas Ikea und die mysteriöse Erinnerung an einen alten Bekannten.

Hier am Kölner Waidmarkt – einem Hotel-, Gewerbe- und Büroquartier – will Deutschlands zweitgrößte Supermarktkette Synergien zwischen Gastro- und Lebensmittelgeschäft ausnutzen. Das ganze nennt sich „Made by Rewe“ - eine Fusion aus Supermarkt und Restaurant, die immer im Doppelpack erscheinen. Auch die Öffnungszeiten sind identisch: von 7 bis 22 Uhr. Das Management hofft darauf, dass die Bistro-Kundschaft nach einem kleinen Sandwich oder einem Dessert im Supermarkt nebenan noch ein paar Dinge für zu Hause einkauft und dass umgekehrt auch einige hungrige Supermarkt-Kunden im Bistro Lust auf einen Imbiss bekommen.

Bestellt und bezahlt wird vorne an einer langen Theke, die einen freien Blick in die offene Küche gewährt. Hier stehen übrigens heute die Männer am Herd. Die frischen Zutaten kommen aus dem Supermarkt nebenan und werden allesamt vor den Augen der neugierigen Kundschaft zubereitet.

Die zehn größten Gastronomiebetriebe Deutschlands

Platz 10

Aral

Die Tankstellenkette erzielte laut Deutschem Fachverlag im Jahr 2012 einen Umsatz von 175,8 Millionen Euro mit seinen „Petit Bistro“-Verkaufsstellen in 1084 Tankstellen. Damit gab es Stagnation im Vergleich zum Vorjahr.

Platz 9

Ikea

Vom Skandal um Pferdefleisch in den beliebten Hackfleischbällchen „Köttbullar“ war im vergangenen Jahr noch nicht die Rede. Die Restaurants in den 46 Ikea-Möbelhäusern konnten 1012 einen Umsatz von 179 Millionen Euro verbuchen, ein Plus von etwa 2,5 Prozent.

Platz 8

SSP Deutschland

Der Betreiber von Restaurants und Geschäften in Bahnhöfen und Flughäfen musste einen leichten Umsatzrückgang um drei Millionen auf 182 Millionen Euro verkraften.

Platz 7

Subway

Die Zahl der Filialen der Sandwich-Kette ging zwar leicht um 12 auf 600 zurück im Jahr 2012. Doch der Umsatz konnte geschätzt um zehn auf 185 Millionen Euro zulegen.

Platz 6

Yum Restaurants

In China kämpft der Yum-Konzern mit Umsatzrückgängen bei seiner Marke Kentucky Fried Chicken, nachdem Nachrichten über minderwertiges Hühnerfleisch die Runde gemacht hatten. Auch die Pizza-Hut-Kette und Taco Bells gehören zum Unternehmen. In Deutschland baute Yum die Zahl der Filialen im Jahr 2012 um 16 auf 157 aus und steigerte den Umsatz um mehr als zehn Prozent auf 199 Millionen Euro. Das reichte für Rang 6 statt Rang 7 im Vorjahr.

Platz 5

Nordsee

Unter den größten fünf Unternehmen gab es keine Veränderung. Die Nordsee-Fischrestaurants machten 291 Millionen Euro Umsatz im Jahr 2012 ein Rückgang um zehn Millionen Euro. Auch die Zahl der Filialen ging zurück auf 336 Restaurants (Vorjahr: 345).

Platz 4

Autobahn Tank & Rast

Insgesamt 392 Raststätten an Autobahnen betreibt das Unternehmen. Der Umsatz belief sich 2012 geschätzt auf 599 Millionen Euro. Damit gelang nur ein minimales Plus.

Platz 3

LSG Lufthansa Service

Der Caterer der Fluggesellschaft Lufthansa steigert den Umsatz um etwas mehr als zwei Prozent auf 730 Millionen Euro.

Platz 2

Burger King

Die Fast-Food-Kette hat 700 Restaurants (Vorjahr: 696) und legte 2012 geschätzt beim Umsatz um etwas mehr als fünf Prozent auf 833 Millionen Euro zu. Das reichte nicht, um sich näher an den Erzrivalen heranzupirschen …

Platz 1

McDonald’s

… der unangefochten auf Rang 1 liegt. Mit 1440 Restaurants setzt McDonald’s 3,25 Milliarden Euro um und wuchs prozentual zwar langsamer als Burger King. Doch absolut legte der Umsatz um 52 Millionen Euro zu. Allerdings sackte die Zahl der Gäste unter die 2011 noch geknackte Marke von eine Milliarde.

Kochen vor den Augen der Kundschaft? Das Selbstbedienungskonzept dürfte vielen nicht unbekannt vorkommen. Dahinter steckt nämlich der Vapiano-Gründer Mark Korzilius, ein System-Gastronom erster Klasse. Sein Vapiano-Konzept zählt in der Branche zum Innovativsten, was die Gastro-Industrie seit Jahrzehnten hervorgebracht hat. Für Rewe ist Korzilius also ein Glücksgriff, der mit seinem Erfolg die neue Bistro-Kette bestäuben soll. Der Lebensmittelhändler hatte ihn schon in der Entwicklungsphase an Bord geholt. Jetzt und inzwischen marktreif wird das Konzept in Eigenregie umgesetzt.

Und das kann sich durchaus sehen lassen. Frische weiße Rosen stehen mit kleinen Essig- und Ölkaraffen auf den großen langen Tischen. Die Hintergrundmusik ist nicht zu laut und nicht zu aufdringlich. Die Speisekarte stehen unter anderem Linsensalat mit roter Beete und Ziegenkäse für 6,50 Euro, Tandoori-Curry für 6,90 Euro und eine Lunchbox mit Roastbeef und Kartoffelsalat für 6,50 Euro. Einen Latte Macchiato für 3,20 Euro muss man sich in Eigenregie mit einem Nespresso-Pad am Automaten zubereiten. Immerhin gibt's aber einen kleinen Crashkurs für den hochglanzpolierten Apparat: „Darf ich Ihnen behilflich sein?“, spricht mich die nächste freundliche Mitarbeitern an, bevor sie sich umdreht und ihren Kolleginnen zu ruft: „Macht euch schonmal warm, wenn jetzt gleich der Ansturm kommt.“

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