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23.03.2017

14:23 Uhr

Richard Lutz tritt an

„Nicht alle Probleme der Bahn lösen sich in Luft auf“

Der neue Bahnchef Richard Lutz verkündet die Trendwende: Dem Staatskonzern ist 2016 die Rückkehr in die schwarzen Zahlen gelungen, so viele Passagiere wie nie fuhren mit IC und ICE. Trotzdem bleiben Baustellen.

Der neue Bahnchef zeigte sich nicht nur zufrieden mit den Geschäftszahlen, er machte auch besseren Service aus und spüre Aufbruchsstimmung im Unternehmen. AFP; Files; Francois Guillot

Richard Lutz (Mitte) mit Berthold Huber (links) und Ronald Pofalla

Der neue Bahnchef zeigte sich nicht nur zufrieden mit den Geschäftszahlen, er machte auch besseren Service aus und spüre Aufbruchsstimmung im Unternehmen.

BerlinDie Bahn sieht sich mit dem neuen Konzernchef Richard Lutz wieder in der Spur und will dieses Jahr sowohl mehr Gewinn als auch besseren Service liefern. „Wir haben die Trendwende geschafft“, verkündete Lutz am Donnerstag bei der Vorstellung der Bilanz 2016. Danach ist der Staatskonzern mit einem Betriebsgewinn von fast zwei Milliarden Euro aus der Krise gefahren. Nach Zinsen und Steuern blieben gut 700 Millionen Euro, nachdem 2015 noch ein Milliarden-Verlust anfiel.

Zudem fuhren – angelockt durch Sonderpreise – trotz Fernbus-Konkurrenz so viele Passagiere wie nie mit IC und ICE. Die Pünktlichkeit lag bei fast 80 Prozent und soll 2017 dies übertreffen. Zugleich wird ein Plus beim Betriebsgewinn auf über 2,1 Milliarden Euro von Lutz erwarte. „Wir haben einen sehr ordentlichen Start 2017 hingelegt und dabei den Rückenwind aus 2016 mitgenommen.“

Der neue Bahnchef Richard Lutz: Eine Milliarde zum Dienstbeginn

Der neue Bahnchef Richard Lutz

Eine Milliarde zum Dienstbeginn

Verkehrsminister Alexander Dobrindt bringt nicht nur freundliche Worte zur Inthronisierung des neuen Bahn-Vorstandsvorsitzenden mit, sondern auch Gastgeschenke, Geld und einen „Masterplan Schienengüterverkehr“.

Der Aufsichtsrat hatte Lutz erst Mittwoch zum Nachfolger von Rüdiger Grube ernannt, der den Konzern im Streit um seine Vertragsverlängerung verlassen hatte. Der 52-Jährige ist seit 1994 bei der Bahn und seit 2010 Finanzvorstand. Diese Position behält er zunächst.

Lutz zeigte sich nur zufrieden mit den Geschäftszahlen, er machte auch besseren Service aus und spüre Aufbruchsstimmung im Unternehmen. „Unsere Mitarbeiter haben sich auf die Jagd nach jeder verlorenen Minute gemacht.“ Dennoch blieben eine Reihe von Baustellen: „Ich verspreche nicht, dass sich jetzt alle Probleme bei der Bahn in Luft auflösen.“

Die Baustellen der Bahn

Fernverkehr

Im Herbst hat die Bahn den neuen ICE 4 vorgestellt – und sich im Fernverkehr Einiges vorgenommen. Um 25 Prozent soll das Angebot bis 2030 ausgebaut, fünfzig Millionen neue Fahrgäste gewonnen werden. Tatsächlich schafft es die Bahn mit ihrer Preisoffensive, etwa mit den 19-Euro-Tickets, mehr Fahrgäste in die Züge zu locken. Aber die Rendite leidet.

Güterverkehr

Der Güterverkehr der Bahn ist ein Sanierungsfall. Zwar verbesserte sich das Ergebnis von DB Cargo im ersten Halbjahr 2016, aber die Sparte ist defizitär – und das schon seit Jahren. Zwischen 2007 und 2015 stagnierte die Verkehrsleistung, und das in einer boomenden Wirtschaft. Private Anbieter, auch auf der Straße, machen der Bahn zunehmend Konkurrenz.

Pünktlichkeit

174,63 Millionen Minuten haben die Personen- und Güterzüge der Bahn 2015 an Verspätungen eingefahren. Hauptursache ist die wachsende Zahl von Baustellen. Zwar schneidet die Bahn im ersten Halbjahr 2016 besser ab. Aber: Das Bemühen um pünktliche Züge ist laut Bahnchef Grube „mit großen Kraftanstrengungen verbunden“.

Infrastruktur

Die Bahn investiert viel Geld in die Infrastruktur: Gut 5,2 Milliarden Euro flossen 2015 etwa in die Instandhaltung von Schienenwegen und Brücken. Doch es hapert bei der Koordinierung der vielen Baustellen. Und so verursacht die von Konzernchef Grube gefeierte „größte Modernisierungsoffensive in der Bahn-Geschichte“ vor allem eines: Verspätungen.

Privatisierung

Die Bahn braucht Geld, um den Schuldenanstieg zu bremsen. Geplant war deshalb ein Verkauf von maximal 40 Prozent der britischen Tochter Arriva und des Transport- und Logistikkonzerns DB Schenker. Arriva sollte im zweiten Quartal 2017 an der Londoner Börse starten, Schenker danach in Frankfurt. Doch die Pläne sind jetzt vom Tisch.

Stuttgart 21

Bahnchef Grube feierte kürzlich die Grundsteinlegung für den Stuttgarter Tiefbahnhof, aber das Großprojekt bleibt umstritten. Beim Volksentscheid 2011 war noch von 4,5 Milliarden Euro Kosten die Rede. Der Bundesrechnungshof hält nun offenbar zehn Milliarden Euro für möglich, Grube selbst spricht von 6,5 Milliarden Euro.

Der Ehrenvorsitzende des Fahrgastverbands Pro Bahn, Karl-Peter Naumann, sagte zur Bilanz der Bahn: „Die Richtung stimmt, aber man ist noch nicht am Ziel.“ Er verlangte mehr Ehrgeiz bei der Pünktlichkeit und dass das Bemühen um eine bessere Information der Kunden nicht nachlasse. Die Bahn brauche aber auch mehr Unterstützung aus dem Bundesverkehrsministerium.

Dass nicht alles rund läuft bei der Bahn, zeigt zum einen, dass der Umsatz mit 40,6 Milliarden Euro im vergangenen Jahr stagniert hat. Zudem kann die Bahn ihre Investitionen trotz des Gewinns weiter nicht aus eigenen Mitteln finanzieren. Die Schulden würden so auf fast 19 Milliarden Euro steigen, sagte Lutz. „Wir glauben, dass wir bei der Eisenbahn in Deutschland auf Angriff spielen müssen.“ Das bedeute, zu wachsen und zu investieren. Über Anleihen wolle das Unternehmen bis zu zwei Milliarden Euro einsammeln, die ersten Tranchen möglicherweise schon vor der Sommerpause.

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

23.03.2017, 14:35 Uhr

Die Deutsche Bahn war und bleibt ein Fass ohne Boden...der Deutsche Steuerzahler subventioniert seid Jahren die Deutsche Bahn.

Herr Leo Löwenstein

23.03.2017, 14:58 Uhr

Lutz: „Ich werde meine Arbeit zu 150 Prozent machen“

Meint er damit 150% Gehalt für die gleiche Arbeit?
Ein Schelm......

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