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01.04.2013

14:47 Uhr

Ritter wird 60

Schokoladen-Macher mag es klassisch

Ob Knusperkeks, Kakao-Mousse oder Erdbeer-Joghurt: Schokoladen-Fabrikant Alfred Ritter wacht über 25 verschiedene Sorten. Dabei mag er es selbst am liebsten ganz einfach – nicht nur beim Naschen.

Schokoladen-Fabrikant Ritter mit seiner Lieblingssorte Vollmich: Der Schwabe wird 60. dpa

Schokoladen-Fabrikant Ritter mit seiner Lieblingssorte Vollmich: Der Schwabe wird 60.

WaldenbuchAm liebsten mag er sie ganz klassisch mit Vollmilch. Der schwäbische Schokoladen-Fabrikant Alfred Ritter ist Herr über zwei Dutzend verschiedene Sorten – seiner Lieblingstafel ist er dennoch seit Jahren treu. Ebenso wie dem quadratischen Format, das die Marke „Ritter Sport“ bekanntgemacht hat. „Es ist keine Änderung angedacht“, betont Ritter immer wieder. Am 1. April wird der Enkel des gleichnamigen Firmengründers 60 Jahre alt.

Seine Gesundheit hat er nicht zuletzt der süßen Nascherei zu verdanken: „Mein Vater war da sehr restriktiv und kontingentierte meinen Konsum“, sagt er. „Doch an der Grundschule fand der Schularzt, dass ich zu dünn sei“. Daraufhin habe er täglich Schokolade bekommen. „Danach ging es mir viel besser.“

Jeden Tag nascht Ritter heute zwar nicht mehr, wie er erzählt. Auswahl hätte er aber genug: 2,5 Millionen Tafeln „Ritter Sport“ verlassen jeden Tag das Werk in Waldenbuch bei Stuttgart. Neben 25 festen Sorten gibt es zusätzlich drei saisonale Varianten im Frühling, Sommer und Winter.

Süßwaren-Hersteller: Ritter Sport wehrt sich gegen Millionenstrafen

Süßwaren-Hersteller

Strafe wegen Preisabsprachen

Im Jahr 2008 sprangen etwa die Preise für Schokolade deutlich.

Die quadratische Form erfand seine Großmutter 1932, sein Vater führte 1974 die bunten Farben ein. Seit 2008 – unter Ritters Führung – gibt es auch ein Bio-Sortiment. Kein Wunder, bezeichnet er sich doch selbst als Öko-Freak.

Bereits Ende der 90er Jahre wurde Ritter als Ökomanager des Jahres ausgezeichnet, später folgte der Deutsche Solarpreis. Süßwaren sind nämlich nicht sein einziges Standbein: 1988 gründete er in Karlsruhe die Firma Paradigma, die sich auf Energie- und Umwelttechnik spezialisiert hat. 2000 kam die Ritter Solar in Karlsruhe dazu.

Ritters Bemühen um die Umwelt macht sich auch in der Schokoladen-Produktion bemerkbar. Die Energiesparliste ist lang: „Blockheizkraftwerk, Abwärmeverwertung, gute Isolierungen, automatische Stromabschaltung und Anforderung von Strom, wenn er billig ist“, zählt er auf. „Wir sind ein energieintensives Unternehmen, aber so energieeffizient wie kaum ein anderes.“

Ritter Sport – rund ums Quadrat

Warum eine quadratische Tafel?

Die quadratische Tafel existiert bereits seit 1932. Die viereckige Form dachte sich die Oma vom jetzigen Firmenchef Alfred T. Ritter aus, wie das Unternehmen berichtet.

Snack

Sie beobachtete im Jahr 1932 Menschen auf dem Weg zum Fußballplatz in Waldenbuch, die Schokolade als Snacks für die Spielpause in die Jackentaschen steckten.

Sportjackett

„Die Tafeln haben immer oben rausgeschaut und sind leicht zerbrochen“, erzählt der heutige Chef Alfred T. Ritter. „Meine Großmutter wollte eine Tafel machen, die ins Sportjackett passt.“

Quadratisch

Die Schokolade, die sie daraufhin ihrer Familie präsentierte war quadratisch und dicker als die üblichen, länglichen 100-Gramm-Tafeln.

Wo wird die Schokolade produziert?

Es gibt nur eine Fabrik für die quadratische Schokolade: den Standort in Waldenbuch bei Böblingen. An dem soll auch festgehalten werden.

Vorteile der Produktionsstätte

Hohe Sicherheit, gute Infrastruktur und motivierte Mitarbeiter sind laut Gründer-Enkel Alfred T. Ritter die Vorteile der schwäbischen Produktionsstätte.

Credo

Dies wiege niedrigere Lohnkosten im Ausland mehr als auf. Mitarbeiter bezeichnet Ritter als Freunde. Sein Credo: „Bei Schokolade schmeckt man, wie es den Leuten geht, die sie produzieren.“

Wo wird Ritter Sport verkauft?

Mittlerweile kann die quadratische Schokolade in über 90 Ländern weltweit gekauft werden. Vor allem auf dem europäischen Markt ist Ritter Sport stark vertreten. In den nächsten Jahren möchte die Alfred Ritter GmbH aber noch weiter expandieren, so eine Sprecherin.

Dabei konnte sich Ritter, der mittlerweile der dritte Alfred Ritter an der Spitze des Unternehmens ist, lange nicht vorstellen, die Geschäfte selbst zu führen. Zunächst studierte er zwar Volkswirtschaft, brach dann aber ab, um ein Diplom in Psychologie zu machen. Die Geschicke des Unternehmens lenkte er zunächst nur aus dem Beirat heraus. Doch als 2005 die Ergebnisse schwächelten, übernahm er schließlich das operative Geschäft. Zum Gewinn schweigt er – traditionell. Im vergangenen Jahr verbuchte das Unternehmen mit 345 Millionen Euro allerdings einen Rekordumsatz.

Noch führt Ritter die Schoko-Schmiede zusammen mit seiner Schwester als Eigentümer. Die Kinder – erst selbst hat zwei Söhne und eine Tochter – seien aber bereits jetzt voll integriert, wie er jüngst erzählte.

Ob er der Firma zumindest an seinem Geburtstag den Rücken kehrt oder gar einen Schokoladenkuchen bekommt, bleibt jedoch sein Geheimnis. Fragen zu seinem Ehrentag lehnt Ritter dankend ab. Zu persönlich. Wenn das Wetter mitspielt, dürfte er am heutigen Ostermontag aber genug Zeit zum Entspannen haben. Wobei er das am besten kann? Das ist ebenso klassisch wie sein Schokoladen-Geschmack. „Beim Segeln“, sagt er. Und: „bei einem Glas Rotwein.“

Von

dpa

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