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16.01.2014

19:42 Uhr

Roboter in der Landwirtschaft

Die Revolution hat gerade erst begonnen

VonSebastian Schaal

Sense und Spitzhacke haben bereits länger ausgedient: Damit der Hunger der Welt gestillt werden kann, werden Drohnen, Roboter und vollautonome Landmaschinen den modernen Ackerbau grundlegend umpflügen.

Feldroboter statt Landmaschine: Künftig könnten Dutzende der autonomen Maschinen ein Feld bewirtschaften. David Dorhout

Feldroboter statt Landmaschine: Künftig könnten Dutzende der autonomen Maschinen ein Feld bewirtschaften.

DüsseldorfTaucht das Stichwort „Drohne“ in den Medien auf, geht es meist um zwei Themen: Die fliegenden Killer-Maschinen des US-Militärs oder das „Euro Hawk“-Debakel um den unbemannten Aufklärer der Bundeswehr. Drohnen sind also etwas Militärisches. Mitnichten.

Die größten Einsatzbereiche für Drohnen liegen nicht in den schwer zugänglichen Gebirgen am Hindukusch, sondern direkt vor unserer Haustüre: in der Landwirtschaft. Mittels der Aufnahmen aus der Luft lassen sich eben nicht nur Rückschlüsse auf die Bewegungen mutmaßlich feindlicher Kämpfer ziehen, auch der Zustand von Pflanzen kann genau beobachtet werden. Mit Wärmebild-Kameras kann der Landwirt krankheitsbedingte Veränderungen im Bestand schon zu einem frühen Stadium erkennen. Wachsen die Pflanzen auf einem Feld unterschiedlich schnell, können Dünge- oder Pflanzenschutzmittel gezielt eingesetzt werden.

Dank moderner Drohnen braucht es nur eine Person am Boden, um den Bestand zu überblicken – damit rechnet es sich auch für kleinere Betriebe. Satellitenaufnahmen waren bisher oft zu ungenau, bemannte Flugzeuge und Hubschrauber mit Fotografen an Bord kosteten oft mehr, als durch die Erkenntnisse eingespart werden konnte.

Rezepte gegen Flächenfraß in Deutschland

Ursachenforschung

Der andauernde Flächenverbrauch hat viele Gründe. Ebenso vielfältig sind die Ideen, ihn zu verringern. Eine Übersicht hat der Autor Leo Frühschütz in einem Beitrag für das Magazin „Schrot & Korn“ erstellt.

Flächen recyceln

Anstatt neue Baugebiete auszuweisen, lassen sich für ungenutzte Gebäude und Industriebrachen Nutzungskonzepte entwickeln. Auf 180.000 Hektar schätzt das Umweltbundesamt nutzbare Brachflächen innerhalb bestehender Siedlungen.

Mit Geld steuern

Neuversiegelungsabgabe, Flächennutzungssteuer, Umlenkung der Eigenheimförderung: Das sind nur einige der ökonomischen Instrumente, die die Kommission Bodenschutz des Umweltbundesamtes vorschlägt. Sie alle sollen den Flächenverbrauch verteuern und das Flächenrecycling belohnen.

Leben im Zentrum

Damit sich nicht immer mehr Eigenheimsiedlungen in die Landschaft fressen, müssen die Innenstädte und Ortszentren lebendiger und lebenswerter werden - auch für Kinder.

Gemeinsam planen

Mit immer neuen Gewerbegebieten konkurrieren benachbarte Kommunen um Betriebe. Denn die bringen Gewerbesteuer. Hier hilft nur: Gemeinsam planen und das Geld teilen.

Drohnen sind im Agrarsektor zu einem Modethema geworden. Auch der Landmaschinen-Hersteller Claas arbeitet daran – Fotos soll das Fluggerät aber keine machen. „Wir entwickeln in einem Forschungsprojekt eine Drohne mit Infrarotkamera, die ein Feld vor der Ernte abfliegt und als Wildretter zum Beispiel Rehkitze aufspürt“, sagt Claas-Geschäftsführer Theo Freye.

Yamaha ist da bereits einen Schritt weiter: Die Japaner bauen bereits seit 1990 den Mini-Hubschrauber RMAX, der Reisfelder mit Pestiziden besprüht. 1995 besprühten bemannte Helikoptern in Japan noch 1.328 Hektar, 2011 waren es nur noch 57 Hektar. Im selben Jahr wurden rund 1.000 Hektar von unbemannten Helikoptern besprüht.

Laut einer im Auftrag der AUVSI (Association for Unmanned Vehicle Systems International) entstandenen Studie würden durch die Zulassung von privaten Drohnen im US-Luftraum alleine in den USA innerhalb von drei Jahren 70.000 neue Arbeitsplätze entstehen – das Stichwort ist dabei Präzisions-Landwirtschaft. Der deutsche Verband UAV Dach sieht ähnliches Potential in Deutschland, wenn Sprühmittelhubschrauber im Weinanbau in steilen Hanglagen durch Drohnen ersetzt würden.

Kommentare (10)

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Account gelöscht!

16.01.2014, 20:15 Uhr

"Damit der Hunger der Welt gestillt werden kann, werden Drohnen, Roboter und vollautonome Landmaschinen den modernen Ackerbau grundlegend umpflügen. "
Es geht nicht um den Hunger in der Welt, es geht um maximale Gewinne! Einsparung von Arbeitskräften. Das spült Geld in die Taschen der Eigner und beseitigt lästige Konkurrenz der Kleinbauern.
Ist wie mit der grünen Gentechnik. Entwickelt wurden zuerst einmalkeimende Getreidesorten, um auf dem Hunger der Menschen Maximalprofite zu generieren!

Steinweg

16.01.2014, 20:30 Uhr

Alle, die frueher in der Landwirtschaft gearbeitet habe, die bekommen Sozial-Hilfe. Das Feld mit Roboter wird menschenfreie Zone.Als naechstes kommt der tierfreie Stall. Auf alle Faelle: der Verbraucher bekommt vom Staat das Geld zum Verbrauchen.

Account gelöscht!

16.01.2014, 20:55 Uhr

Geringe Kosten und mehr Gewinne führen zu Anreizen, mehr zu produzieren. Die Gütermenge wird erhöht, die Konzerne profitieren, die Bevölkerung (außer arbeitslose Bauern) auch.
So läufts nunmal im Kapitalismus. Win-Win.

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