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04.12.2015

19:48 Uhr

Rolle Rückwärts bei Karstadt

Warenhausfiliale in Neumünster bleibt offen

Kehrtwende im schleswig-holsteinischen Neumünster: Die örtliche Karstadt-Filiale bleibt nun bis auf weiteres geöffnet. Grund ist offenbar, dass die Sparkasse als neuer Besitzer der Immobilie Zugeständnisse machte.

Erneut hat die Warenhauskette die geplante Schließung einer Filiale ausgesetzt. dpa

Karstadt in Neumünster

Erneut hat die Warenhauskette die geplante Schließung einer Filiale ausgesetzt.

Essen/NeumünsterKarstadt ändert seine Schließungspläne erneut: Das Warenhaus im schleswig-holsteinischen Neumünster soll mittelfristig weiter betrieben werden, wie Karstadt-Chef Stephan Fanderl am Freitag ankündigte. Ursprünglich sollte die Filiale Ende Juni 2016 schließen.

Hintergrund des Meinungswandels ist ein Eigentümerwechsel bei der Warenhausimmobilie. Die Sparkasse Südholstein übernahm das Areal vom bisherigen Besitzer und kam offenbar der Warenhauskette entgegen.

„Wir freuen uns sehr, dass sich die Situation in Neumünster so geändert hat, dass wir jetzt mit neuer Eigentümerstruktur die Filiale weiterbetreiben können“, sagte Fanderl. Karstadt werde nun umgehend sein Sanierungsprogramm auch am Standort Neumünster ausrollen.

Die Sparkasse Südholstein will ein neues Nutzungskonzept für das gesamte Gebäude-Ensemble erarbeiten. Vorgesehen ist, das derzeitige Karstadt-Haus durch einen neuen Gebäudekomplex mit Wohnungen, Einzelhandelsflächen und Räumen für die Sparkasse zu ersetzen.

Karstadts Krisen-Chronik

Lange Leidensgeschichte

Die Krisengeschichte der angeschlagenen Warenhauskette Karstadt ist lang, 2009 begann das Insolvenzverfahren. Eine Übersicht über sechs Jahre Überlebenskampf.

1. September 2009

Nach Jahren des Überlebenskampfes wird für die Karstadt Warenhaus GmbH das Insolvenzverfahren eröffnet.

7. Juni 2010

Die Berggruen Holding des Privatinvestors Nicolas Berggruen bekommt den Zuschlag zur Übernahme.

20. September 2010

Das Amtsgericht Essen hebt das Insolvenzverfahren auf. 40.000 Gläubiger verzichten auf zwei Milliarden Euro, die Belegschaft auf 150 Millionen Euro.

23. November 2010

Der frühere Woolworth-Manager Andrew Jennings wird zum neuen Karstadt-Chef bestellt und beginnt Anfang Januar 2011.

6. Juli 2011

Jennings legt das Konzept „Karstadt 2015“ vor: Modernisierung der Warenhäuser, stärkeres Online-Geschäft und Expansion der Sporthäuser sind der Kern.

16. Juli 2012

Karstadt kündigt die Streichung von 2000 Stellen an.

13. April 2013

Karstadt kündigt eine „Tarifpause“ für die Beschäftigten an. Die Belegschaft protestiert.

16. September 2013

75,1 Prozent der Premium-Kaufhäuser und der Sporthäuser gehen an den Karstadt-Vermieter Signa. Dafür sollen die Österreicher 300 Millionen Euro in die Modernisierung investieren.

7. Juli 2014

Karstadt-Chefin Eva-Lotta Sjöstedt, die dem Ende 2013 augeschiedenen Jennings folgte, verlässt das Unternehmen wieder. Sie sehe keine Basis mehr für die von ihr angestrebten Sanierung, sagt die Ex-Ikea-Managerin.

15. August 2014

Berggruen verkauft die Karstadt Warenhaus GmbH für einen Euro an den österreichischen Immobilieninvestor René Benko.

23. Oktober 2014

Die Warenhauskette kündigt tiefe Einschnitte an. Sechs Häuser sollen geschlossen werden.

22. Februar 2015

Nach monatelangen Verhandlungen zur Sanierung einigen sich Konzern und Betriebsrat. So wurden Altersteilzeit- und Vorruhestandsregelungen vereinbart. Rund 1400 Jobs sollen wegfallen.

2. April 2015

Dank sozialverträglicher Maßnahmen schrumpft die Zahl der Kündigungen auf 960. Außerdem zahlt Karstadt 2,5 Millionen Euro in einen Fonds für die Betroffenen.

10. April 2015

Teileinigung bei den Tarifverhandlungen: KaDeWe in Berlin, Alsterhaus in Hamburg und Oberpollinger in München kehren in die Tarifbindung zurück. Verhandlungen für die „normalen“ Karstadt-Warenhäuser und die Sporthäuser bleiben ohne Einigung.

12. Mai 2015

Weitere fünf Warenhäuser sollen geschlossen werden.

Karstadt hatte im Mai angekündigt, im Zuge der Sanierung 2016 die Filialen in Recklinghausen, Bottrop, Mönchengladbach-Rheydt, Dessau und Neumünster aufzugeben. Doch hatte das Unternehmen die Schließungspläne für die Häuser in Mönchengladbach und Dessau bereits in den vergangenen Monaten revidiert.

Von

dpa

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