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10.03.2006

12:07 Uhr

Rücknahmesystem

Dosenpfand lädt Gauner ein

VonC.Schlautmann

Das am 1. Mai startende Rücknahmesystem für Getränkedosen und Einwegflaschen geht in den ersten fünf Monaten ohne Sicherheitstechnik an den Start. Der Organisator der bundesweiten Rücknahmelösung gerät damit in argen Zeitverzug.

DÜSSELDORF Das am 1. Mai startende Rücknahmesystem für Getränkedosen und Einwegflaschen öffnet Pfandbetrügern Tür und Tor. In den ersten fünf Monaten Laufzeit müsse der Handel auf eine Überprüfung des Leerguts verzichten, ist einem aktuellen Schreiben der Deutschen Pfandsystem Gesellschaft (DPG) zu entnehmen, das dem Handelsblatt vorliegt.

Der Organisator der bundesweiten Rücknahmelösung gerät damit in argen Zeitverzug. Schon in diesen Tagen starten Aldi, Penny, Lidl, Edeka und Metro ihre ersten Rücknahmeautomaten, um am 1. Mai für den erwarteten Ansturm leerer Dosen und Flaschen einsatzbereit zu sein. Ab diesem Datum nämlich müssen Verkäufer von Einweggetränken laut Gesetz auch das Leergut der Konkurrenz zurücknehmen.

Weil es die DPG jedoch nicht mehr rechtzeitig schafft, den Händlern ein funktionsfähiges Sicherheitssystem zur Verfügung zu stellen, werden die Automaten zunächst sämtliche Getränkedosen und Flaschen als Pfandgut akzeptieren. Ob für die Getränkeverpackungen jemals tatsächlich ein Pfand gezahlt wurde, prüfen sie nicht - mit möglicherweise kostenträchtigen Folgen: Eine ähnliche Situation hatte vor einigen Jahren in Skandinavien dazu geführt, dass Betrüger mit pfandfreiem Leergut aus Osteuropa und den baltischen Staaten im großen Stil an den Automaten des Handels Kasse machten.

So etwas droht nun auch in Deutschland. Wörtlich heißt es in dem DPG-Handout, das Managern aus Handel und Getränkeindustrie am Montag in Berlin übergeben wurde: "Die DPG-Automaten müssen bis 1. 10. 2006 mit Leseeinheiten ausgerüstet sein." Damit hätten Gauner für ihre kriminellen Absichten fast ein halbes Jahr Zeit.

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