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18.12.2013

14:02 Uhr

Rückschlag für Kellerhals

Metro sieht sich im Streit mit Media Markt gestärkt

Seit Jahren ringen Kellerhals und Metro um die Macht bei Media-Saturn. Jetzt hat das Oberlandesgericht München ein weiteres Urteil gefällt: Bei Europas größter Elektrohandelskette wird ein Beirat eingerichtet.

Seit mehr als einem Jahr tobt um Media Markt und Saturn ein Machtkampf. dpa

Seit mehr als einem Jahr tobt um Media Markt und Saturn ein Machtkampf.

DüsseldorfDer Handelsriese Metro sieht sich im Rechtsstreit um das Sagen bei Europas größter Elektronikhandelskette Media-Saturn gestärkt. Metro begrüße die Entscheidung des Oberlandesgerichts München, den Schiedsspruch zur Einrichtung eines Beirats bei der Tochter Media-Saturn zu bestätigen, sagte ein Metro-Sprecher am Mittwoch. Dem Beirat kommt entscheidende Bedeutung im Zwist mit Media-Saturn-Minderheitseigner Erich Kellerhals zu, denn mit Hilfe des Gremiums kann der Düsseldorfer Handelsriese Veto-Rechte des Minderheitseigners in einigen wichtigen Entscheidungsbereichen aushebeln. „Wir haben jetzt Rechts- und Planungssicherheit“, unterstrich Metro-Chef Olaf Koch. Der Beirat leiste gute Arbeit. Media-Saturn-Gründer Kellerhals sieht dies anders: Kochs Einschätzung habe „mit der Realität nichts zu tun“.

Kellerhals und der Metro-Vorstand ringen seit Jahren um die Macht bei Europas größter Elektrohandelskette. Umstritten war zwischen beiden Seiten unter anderem die Expansionsstrategie der Kette und die Aufstellung des Online-Geschäfts. Der Zwist beschäftigt auch die Gerichte. Denn Media-Saturn-Gründer Kellerhals hat trotz seiner Beteiligung von nur noch rund 22 Prozent umfassende Veto-Rechte. Diese sind der Metro ein Dorn im Auge, mit der Einrichtung des Beirats bei Media-Saturn will der Düsseldorfer Handelsriese diese aushebeln. Denn der Beirat entscheidet mit einfacher Mehrheit: Kellerhals kann Metro hier nicht stoppen. Ein Schiedsspruch aus dem August 2012 hatte dem Beirat bescheinigt, dass dieser unter anderem über Personalien und Übernahmen befinden kann.

Strittig war nach einer früheren Mitteilung des OLG nun unter anderem noch, ob im Schiedsverfahren „unverzichtbare Formalia“ eingehalten wurden. Unter anderem ging es um die „Form der Übermittlung des Schiedsspruchs“. Der 34. Zivilsenat des OLG München entschied nun, der Schiedsspruch sei vollstreckbar. Auch sei er per Einschreiben mit Rückschein „wirksam übermittelt“ worden. Das Gericht räumte Kellerhals aber die Möglichkeit ein, Rechtsbeschwerde beim Bundesgerichtshof zu erheben.

Größte Einzelhändler weltweit (Umsatz 2012)

Platz 10

Best Buy (USA)

Die US-Amerikaner aus Richfield, Minnesota, sind einer der führenden Anbieter für Unterhaltungselektronik. Der Umsatz im Jahr 2012 betrug 50,7 Milliarden Dollar.

Platz 9

Walgreens (USA)

Mit rund 7.000 Filialen in den USA und Puerto Rico, von denen ein Drittel 24 Stunden am Tag geöffnet sind, schafft es Walgreens unter die zehn größten Einzelhändler. Am Hauptsitz in Deerfield, Illinois, konnte man sich 2012 über einen Umsatz von 71,6 Milliarden Dollar freuen.

Platz 8

Home Depot (USA)

Die Amerikaner bezeichnen sich selbst als größte Baumarktkette der Welt. Was den Umsatz angeht, haben sie recht. Mit rund 74,8 Milliarden Dollar kann keine andere Baumarktkette mitthalten.

Platz 7

Tesco (Großbritannien)

Die blau-weiße Handelskette aus Cheshunt gehört schon seit Jahren zu den größten Supermarktkonzernen. Weltweit beschäftigen die Briten 520.000 Mitarbeiter und machten 2012 einen Umsatz in Höhe von 83,5 Milliarden Dollar. Das US-Geschäft mit 5.000 Beschäftigen will Tesco abstoßen.

Platz 6

Metro (Deutschland)

Der deutsche Handelsriese aus Düsseldorf ist der drittgrößte Einzelhändler Europas. International erreicht der Dax-Konzern mit einem Umsatz von 87,8 Milliarden Dollar im Jahr 2012 ebenfalls einen Spitzenplatz, auch wenn das Unternehmen mit Schwierigkeiten kämpft.

Platz 5

Kroger

Was als kleiner Lebensmittelladen in Cincinnati begann, ist mittlerweile einer der größten Supermarktketten der Welt. Im Jahr 2012 setzte der Lebensmittelhändler 96,8 Milliarden Dollar um.

Platz 4

Costco Wholesale (USA)

Die 500 Cash&Carry-Märkte der US-Großhandelskette sind in den USA weit verbreitet. Der Hauptsitz liegt in der Kleinstadt Issaquah bei Seattle im Bundesstaat Washington. Mit 99,1 Milliarden Dollar fiel der Umsatz auch 2012 gigantisch aus.

Platz 3

Carrefour (Frankreich)

Kein europäischer Einzelhändler ist größer als Carrefour. Mit fast 500.000 Mitarbeitern weltweit machten die Franzosen im Jahr 2011 einen Umsatz von 104 Milliarden Dollar.

Platz 2

CVS Caremark (USA)

In der Kleinstadt Woonsocket im US-Bundesstaat Rhode Island ist die drittgrößte Handelskette der Welt beheimatet. Der Drogerie- und Pharmahändler setzten im Jahr 2012 rund 123 Milliarden Dollar um.

Platz 1

Walmart (USA)

Unangefochten an der Spitze bleibt der Handelsgigant aus Bentonville, Arkansas. Gigantische 443,85 Milliarden Dollar setzte der Konzern 2012 um - bei einem Gewinn von 15,7 Milliarden Dollar. Weltweit beschäftigt der Konzern mehr als zwei Millionen Mitarbeiter.

Quelle: Eigene Recherche.

Metro-Chef Koch zeigte sich zuversichtlich, „dass wir den Wachstumskurs von Media-Saturn beibehalten können“, der Beirat arbeite ausgezeichnet. Koch hofft nun auch auf eine „Befriedung des Verhältnisses zwischen den Gesellschaftern“. Diese deutet sich aber nicht an: „Es kann keine Rede davon sein, dass der Beirat bisher 'ausgezeichnet' arbeitet“, sagte ein Sprecher der Kellerhals-Gesellschaft Convergenta: „Das hat mit der Realität nichts zu tun.“ Der Beirat sei vielmehr „ein Hindernis für eine effiziente und effektive Corporate Governance“, ließ er Koch wissen.

Die Aktionäre ließ der Gerichtsentscheid kalt - Metro-Aktien notierten am Mittag leicht im Minus bei 34,73 Euro. Dabei birgt die Machtfrage bei Media-Saturn Sprengkraft. Denn wenn die Metro bei der Tochter trotz ihrer Mehrheitsbeteiligung nicht ihren Willen durchsetzen kann, müsste der Konzern letztlich Media-Saturn aus den Bilanzen nehmen. Der Metro-Vorstand sieht auf Grundlage der bisherigen Gerichtsurteile aber keine Notwendigkeit für eine solche Entkonsolidierung. Aber auch hier ist laut Metro-Geschäftsbericht noch eine Klage anhängig.

Von

rtr

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