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11.10.2013

14:04 Uhr

Russische Fluggesellschaft

Aeroflot gründet eigenen Billigflieger

Mit einer eigenen Billigfluglinie plant Russlands größte Airline Aeroflot den Befreiungsschlag. Zurzeit hat das Unternehmen finanzielle Schwierigkeiten. In Zukunft sollen die Passagierzahlen steigen.

Die Airline Aeroflot will mit den Billigfliegern auch vom massiv wachsenden innerrussischen Luftverkehr profitieren. Reuters

Die Airline Aeroflot will mit den Billigfliegern auch vom massiv wachsenden innerrussischen Luftverkehr profitieren.

MoskauRusslands größte Fluglinie Aeroflot will sich mit einer eigenen Billigflug-Tochter aus finanziellen Turbulenzen befreien. Die erste Maschine des neuen Unternehmens Dobroljot solle bereits Mitte 2014 abheben, sagte der Chef des Staatsunternehmens, Witali Saweljew. Der Konzern will damit auch vom massiv wachsenden innerrussischen Luftverkehr profitieren und der Staatsbahn RZD Konkurrenz machen.

Flugtickets für Dobroljot sollen bis zu 40 Prozent billiger angeboten werden als bei Aeroflot und wären damit günstiger als viele Zugkarten. Inlandsflüge kosten derzeit in Russland häufig mehr als vergleichbare Auslandsstrecken. Schon in fünf Jahren rechnet Saweljew mit jährlich zehn Millionen Passagieren. Die Erwartung, die Marktanteile von derzeit knapp 40 Prozent weiter auszubauen, ist nach Ansicht von Experten größer als die Furcht, sich selbst Konkurrenz zu machen.

Der Aeroflot-Überschuss war zuletzt wegen gestiegener Kerosin- und Wartungskosten im ersten Halbjahr 2013 um fast 80 Prozent auf rund 1,5 Millionen US-Dollar (1,1 Millionen Euro) eingebrochen. Dabei hatte Aeroflot kürzlich erstmals seit dem Ende der Sowjetunion mehr als zwei Millionen Passagiere im Monat gezählt.

Die größten europäischen Billigflieger

Platz 10

Wizz Air: 42 Flugzeuge

Die ungarische Fluglinie Wizz Air hat ihr Streckennetz vor allem in Osteuropa. In Deutschland fliegt sie mit ihren 42 Airbus A320 die Flughäfen in Dortmund, Frankfurt-Hahn, Köln/Bonn, Lübeck und Memmingen an.

Quelle: DLR Low-Cost-Monitor 1/2014 (Stand: Frühjahr 2014). Es wurden ausschließlich in Deutschland operierende Airlines in das Ranking aufgenommen.

Platz 9

Jet 2: 49 Flugzeuge

Die britische Billig-Airline Jet 2 gibt es erst seit dem Jahr 2002, trotzdem hat sie mit 49 Flugzeugen eine der größten Flotten unter den europäischen Billig-Airlines. Mit ihren 38 Boeing 737-Maschinen und elf Boeing 757 fliegt die Airline viele Urlaubsziele im Mittelmeer und außerdem New York City an.

Platz 8

Germanwings: 55 Flugzeuge

Die Lufthansa-Tochter bleibt in den Top Ten der europäischen Billigflieger. Germanwings kommt der Aufstellung zufolge auf 55 Flugzeuge in der Flotte. Weil die Lufthansa allerdings noch weitere Flugverbindungen und Maschinen an die Tochter abgibt, wird die Zahl der Flieger noch zunehmen.

Platz 7

Flybe: 59 Flugzeuge

Die britische Airline Flybe betreibt mit 37 Maschinen die größte Flotte an Bombardier Dash Q8-400 Maschinen weltweit. Dazu kommen 22 Flieger von Embraer. Flybe hat seinen Sitz in Southampton und fliegt in Deutschland die Flughäfen in Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg, Hannover und Stuttgart an.

Platz 6

Vueling: 72 Flugzeuge

Die spanische Fluggesellschaft Vueling startete im Jahr 2004. Die Flotte der Billig-Airline besteht aus Flugzeugen der Typen Airbus A320 und A319. Der Billigflieger gehört mittlerweile zur International Airline Group (IAG), der Mutter von British Airways und Iberia. Die Flotte wächst weiter – auch dank der Übernahme von Iberia-Verbindungen.

Platz 5

Air Berlin: 88 Flugzeuge

Die Netzwerk-Airline Air Berlin ist ebenfalls im Ranking vertreten – mit Strecken, die als Low-Cost-Flüge gelten (siehe Hinweis). Die Fluggesellschaft hat 41 Airbus A319, A320 und A321, 46 Boeing 737 und eine ATR in der Flotte.
Hinweis: Das DLR spricht bei Air Berlin von einer „Grauzone“, in der mehrere Geschäftsmodelle Anwendung finden. In das Ranking wurden nur die bisherigen Low-Cost-Strecken der in Air Berlin aufgegangenen Fluggesellschaften aufgenommen. Bei der Flotte verhält es sich offenbar ähnlich. Die komplette Flotte von Air Berlin finden Sie hier.

Platz 4

Norwegian: 91 Flugzeuge

Zu Norwegian gehören 87 Boeing 737 und vier 787, viele davon sind mit Portraits berühmter skandinavischer Persönlichkeiten geschmückt. Norwegian gehört damit mittlerweile zu den großen im europäischen Luftraum.

Platz 3

HOP!: 102 Flugzeuge

Die Fluggesellschaft ist neu im Ranking – und schießt gleich auf Rang drei vor. Das hat einen einfachen Grund: Der Zusammenschluss mehrerer ehemaliger französischer Regionalflieger unter dem Dach der Air France bedient erst seit kurzem den deutschen Markt.

Platz 2

Easyjet: 197 Flugzeuge

Die britische Fluglinie Easyjet ist die Nummer zwei der Billigflieger in Europa. Zu der wachsenden Flotte gehören 138 Airbus A319 und 59 Airbus A320.

Platz 1

Ryanair: 297 Flugzeuge

Mit einer Flotte von mehr als knapp 300 Flugzeugen ist Ryanair unumstritten die größte Billig-Airline in Europa. Und die Flotte wird noch größer: Bei Boeing haben die Iren zuletzt 175 neue Flugzeuge bestellt.

Saweljew verfolgt ehrgeizige Ziele: Bereits in zwei Jahren soll Dobroljot einen Marktwert von 1,4 Milliarden US-Dollar erreichen. Das wäre annähernd soviel wie Aeroflot mit derzeit etwa 1,9 Milliarden Dollar. In der ersten Phase erhält der Lowcost-Carrier, benannt nach dem 1923 gegründeten Aeroflot-Vorgänger, acht neue Flugzeuge vom Typ Boeing 737-800. Später soll die Flotte auf 40 Maschinen wachsen.

Zunächst sind neun innerrussische Verbindungen geplant, darunter auf den beliebten Strecken von Moskau in die Touristenmetropole St. Petersburg und in die Millionenstadt Jekaterinburg. 2016 stehen mit Kiew, Eriwan und Istanbul die ersten Auslandsziele auf dem Flugplan. Als Heimatflughafen ist der Moskauer Airport Domodedowo vorgesehen.

Der Start des neuen Billigfliegers ist aber noch nicht hundertprozentig geklärt. Voraussetzung sei, dass die Staatsduma den Verkauf nicht erstattbarer Tickets sowie das Engagement ausländischer Piloten genehmige, sagte Saweljew. „Sonst wird Dobroljot nicht fliegen.“ Die ersten beiden russischen Billiglinien - SkyExpress und Avianova - waren schon nach kurzer Zeit 2011 pleitegegangen. Aus dem Ausland fliegen derzeit nur zwei Lowcost-Carrier nach Russland: Wizz Air mit Sitz in Ungarn und die britische Easyjet.

Von

dpa

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