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12.09.2014

08:09 Uhr

Russische Reaktion auf EU-Sanktionen

Überflugverbot bedroht Asienangebot der Airlines

VonKaren Grass, Désirée Linde

Die verschärften Sanktionen der EU sind beschlossen. Dafür will der Kreml die Westmächte abstrafen. Er droht, den russischen Luftraum für westliche Airlines zu sperren. Das würde vor allem eine Fluglinie hart treffen.

Angst vor wirtschaftlichen Einbußen

Wie wird Russland auf Sanktionen reagieren?

Angst vor wirtschaftlichen Einbußen: Wie wird Russland auf Sanktionen reagieren?

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DüsseldorfEs ist ein heikles Thema für die Fluggesellschaften. Sollte Wladimir Putin ernst machen und als Reaktion auf härtere EU-Sanktionen die Region Sibiriens mit einem Überflugverbot für westliche Airlines belegen, wäre dies für viele der Unternehmen ein großes Problem.

Besonders betroffen dürften nordeuropäische Fluggesellschaften wie Lufthansa, British Airways, KLM Air France und die Scandinavian Airlines sein. Sie wickeln ihr Asien-Geschäft zu großen Teilen mit Flügen über Sibirien ab. Auf mehr als 20.000 Euro pro Flug hat die russische Luftfahrtbehörde die Kosten beziffert, die Fluggesellschaften wie die Lufthansa auf Asienflügen dank der kurzen Routen über Sibirien derzeit noch an Sprit einsparen.

Die Lufthansa nennt nur die Zahl von rund 180 Überflügen über Sibirien pro Woche nach Japan, China und Korea, äußert sich aber nicht zu den möglichen Kosten einer Luftraumsperrung. Die Sorge vor allen nachgelagerten Konsequenzen verdeutlicht aber ein Statement der KLM-Air France-Sprecherin Ulli Gendrot: Man könne aus Rücksicht auf den Börsenkurs des Unternehmens keine Angaben machen, sagt Gendrot auf Anfrage.

Selbst Wissenschaftler im Bereich Luftfahrtwirtschaft halten sich auffällig mit Aussagen zurück, die der Branche schaden könnten: Das Sekretariat des Instituts für Luftfahrt und Logistik wiegelt jede Anfrage an Mitarbeiter des Lehrstuhls ab. Das sei eine politische Frage, zu der man nichts beizutragen habe.

Die drei großen Airlines vom Golf

Newcomer in der Luftfahrt

Vor allem die Golf-Airlines Emirates, Etihad und Qatar Airways mischen das weltweite Luftfahrtgeschäft auf. Sie zählen zu den Großkunden der Flugzeughersteller Airbus und Boeing.

Emirates mit großer Marktmacht

Schlagzeilen macht vor allem Emirates, die rasant wachsende Airline aus dem Golf-Emirat Dubai. Sie schreckt europäische Konkurrenten wie die Lufthansa auf und spielt auch gegenüber den Flugzeugbauern ihre Marktmacht aus. Emirates ist der weltweit größte Betreiber der Großraumjets Airbus A380 und Boeing 777. Erst im vergangenen Jahr hatte die Gesellschaft ihre Bestellungen für den Superjumbo A380 von 90 auf 140 Maschinen aufgestockt.

Dubai soll zum Weltumsteige-Flughafen werden

Geführt wird die Airline vom Briten Tim Clark, das uneingeschränkte Sagen hat jedoch Scheich Ahmed bin Saeed Al-Maktoum, der zugleich Chef des Flughafens und der Luftfahrtbehörde ist. Er treibt seit Jahren seine Pläne voran, Emirates zur führenden Airline und Dubai zum Weltumsteige-Flughafen zwischen Europa und Asien zu machen. Nach Angaben der Gruppe lag der Jahresumsatz zuletzt bei knapp 24 Milliarden Dollar (rund 18 Milliarden Euro).

Etihad startete auf königlichen Erlass

2003 hob Etihad, die nationale Airline der Vereinigten Arabischen Emirate, erstmals ab – auf königlichen Erlass. Der Rivale der großen Emirates zählt zu den schnell wachsenden Golf-Airlines. Noch ist die Flotte mit Drehkreuz in Abu Dhabi mit 72 Flugzeugen halb so groß wie die der Air Berlin, schon in sechs Jahren sollen es aber 158 Maschinen sein.

Kräftiges Passagierplus

2013 beförderte Etihad knapp 12 Millionen Passagiere, ein Plus von 16 Prozent. Das wirkt gegen die 31,5 Millionen der Beteiligung Air Berlin auch deshalb bescheiden, weil bei Etihad lange Strecken dominieren. Die knapp 11.000 Beschäftigten erwirtschafteten 2013 6,1 Milliarden US-Dollar Umsatz.

Qatar Airways Erstkunde bei der A350

Qatar Airways aus dem Emirat Katar komplettiert das Trio vom Golf. Die Fluggesellschaft wurde 1993 gegründet, ebenfalls auf Betreiben der Herrscherfamilie. Die Airline ist Großkunde bei Airbus und Boeing und hat nach eigenen Angaben 280 Flugzeuge bestellt. Beim neuen Airbus-Mittelstreckenjet A350 ist Qatar Airways Erstkunde.

Kritik wegen Arbeitsbedingungen

Zuletzt wurde Qatar Airways wegen der Arbeitsbedingungen kritisiert. Unter anderem wird der Arline vorgeworfen, dass seine überwiegend ausländischen Mitarbeiter unter Aufsicht in Gemeinschaftsunterkünften wohnen und eine Sperrstunde einhalten müssen. Außerdem dürfen sie demnach in den ersten fünf Jahren ihrer Firmenzugehörigkeit nicht heiraten, Schwangerschaften sind ein sofortiger Kündigungsgrund.

Deutlich härter als die Lufthansa, die jetzt schon einige ihrer Asienflüge von den Flughäfen München und Wien südlich der sibirischen Zone vorbei führt, dürfte das Überflugverbot die nordeuropäischen Unternehmen Scandinavian Airlines, British Airways und Finnair treffen. Sie können nicht auf andere Flugrouten ausweichen.

Andreas Wittmer, Geschäftsführer des Center for Aviation Competence an der Universität St. Gallen sagt: „Für Finnair wäre ein umfassendes Überflugverbot eine Bankrott-Erklärung.“ Die Airline habe zuletzt stark auf Asienangebote gesetzt und ihr Portfolio dort in den vergangenen Jahren immer weiter ausgebaut.

Die Folge wird aus einer Antwort des Unternehmens auf eine Anfrage von Handelsblatt Online deutlich: Finnair fliegt 15 asiatische Ziele wie Peking, Schanghai, Hongkong oder Seoul an. Für das Weihnachtsgeschäft 2014 nimmt Finnair als Spezialangebote auch noch die Zielorte Phuket und Krabi in Thailand hinzu. Die Flüge sind teils täglich, teils vier oder fünf Mal wöchentlich angesetzt und machen etwa 50 Prozent der kompletten Passagierkilometer der Airline aus.

Kommentare (16)

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Herr Fred Meisenkaiser

12.09.2014, 08:39 Uhr

Aber der Westen, besser die USA, will es nicht anders!
Wieso Sanktionen? Flugzeug wurde nicht von Seperatisten abgeschossen (wieso man dafür Rußland bestraft ist ohnehin schleierhaft).
Und Israel betraft man z.B. auch nicht für die Anektion der Palästinensergebiete.
Ebenso blieb der Irakkrieg der USA incl. Destabilisierung der Region ungestraft.

Herr Ferdinand Loeffler

12.09.2014, 10:18 Uhr

Natürlich wurde MH 317 nicht von Seperatisten, sondern von Separatisten abgeschossen. Israel hat keine Gebiete annektiert, sondern die Staatsgründung wurde 1948 von der UNO gebilligt und bestätigt. Das Leben in Russland scheint doch für manche Zeitgenossen erstrebenswert: Dann nichts wie weg.

Herr Jürgen Dannenberg

12.09.2014, 10:35 Uhr

Ich wunder mich schon das manche EU Regierung und Unternehmen ganz verdutzt dreinschauen wenn Russland sich wehrt. Unabhängig von der Sachlage in der Ukraine, bei der sich sich die Außenminister sich wahrlich nicht mit diplomatischen Feingefühl bekleckert haben.

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