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14.08.2014

16:29 Uhr

Russland-Sanktionen

„Russland macht sich unabhängig"

VonKatharina Matheis

Andreas Brügger ist Geschäftsführer des Fruchthandelsverbandes. Seine Branche bekommt den Einfuhrstopp voll zu spüren: Die Grenze ist zu und Früchtetransporte müssen umkehren. Er warnt vor unwiderruflichen Auswirkungen.

Dr. Andreas Brügger, Geschäftsführer Deutscher Fruchthandelsverband

Dr. Andreas Brügger, Geschäftsführer Deutscher Fruchthandelsverband

Was bedeuten die Russland-Sanktionen für die deutschen Obst- und Gemüsebauern?

Deutschland hat nur 1,3% zu der Menge beigetragen, die an Obst und Gemüse nach Russland exportiert wurde. Von daher sind nur wenige heimische Hersteller unmittelbar betroffen, zum Beispiel  bei Kohl und Sellerie – die werden von Russen mehr nachgefragt als von Deutschen. Diese Bauern merken das natürlich direkt. Insgesamt gibt es aber sehr starke indirekte Auswirkungen.

Inwiefern?

Die EU gesamt hat Obst und Gemüse im Wert von 1,9 Milliarden Euro nach Russland exportiert, das waren 2,2 bis 2,3 Millionen Tonnen. Wo soll das jetzt hin? Es gibt es kaum weitere Exportmöglichkeiten, die müssen Sie jetzt auf einmal innerhalb der EU verkaufen. Deshalb drängt diese Menge plötzlich zurück auf den europäischen Markt .

Welche Konsequenzen hat das?

Das wird zu einem massiven Preisverfall führen. Unser Markt ist ohnehin schon relativ gesättigt, wenn jetzt noch dieses Volumen dazukommt, stellt das die Händler und Hersteller vor massive Probleme. Die Frischware kann ja nicht gelagert werden, bis die Zeiten sich entspannt haben.

Also können Endverbraucher mit sinkenden Preisen rechnen?

Klar, die Preise werden zunächst leicht nach unten gehen. Aber ob Sie 30 Cent mehr oder weniger für ein Kilo Obst bezahlen, merken Sie als nicht so sehr, weil wir ohnehin eine aggressive und für Verbraucher günstige Preispolitik haben. Aber die Erzeuger und die Großhändler merken das natürlich, wenn sie plötzlich nur noch  30 Prozent des ursprünglichen Preises bekommen. Das wird dramatische Auswirkungen haben.

Was hören Sie da aus den anderen Ländern?

Die Länder sind je nach Produkt sehr stark betroffen. Die Spanier bleiben auf Pfirsichen sitzen, die Polen auf Äpfeln und die Niederländer auf Tomaten. Und gleichzeitig sucht sich Russland neue Lieferanten in China, Brasilien und der Türkei. Wenn diese Importwege einmal richtig etabliert sind, und das entwickelt sich gerade, bleibt die Tür für die EU zu – auch wenn der Exportstopp aufgehoben wird. Russland macht sich gerade unabhängig im lebenswichtigen Bereich der Ernährungsindustrie. Gleichzeitig hat es Folgen für den EU-Markt, wenn Russland nun in anderen Ländern als großer Konkurrent auftritt. Denn die Russen haben wesentlich geringere Anforderungen bezüglich Produktqualitäten, Sozialstandards und Anbaubedingungen. Die zahlen dort den gleichen Preis, stellen aber keine Fragen. Damit können Importeure aus der EU nicht konkurrieren.

Welche akuten Maßnahmen könnten helfen?

Die Ware muss aus dem Markt geholt werden. Das würde allerdings in der letzten Konsequenz Lebensmittelvernichtung bedeuten. Oder die Politik könnte die Verarbeitung der überschüssigen Früchte subventionieren. Damit macht man allerdings den Verarbeitungsmarkt kaputt. Alle kurzfristigen Maßnahmen greifen nicht, das sind nur Tropfen auf dem heißen Stein.

Was fordern Sie somit von der Politik?

Der Handelskrieg muss sofort beendet werden. Die Sanktionen sind Wirtschaftspolitik mit der Machete.

Herr Brügger, vielen Dank für das Gespräch.

Russland-Sanktionen: Wohin mit den Pfirsichen?

Russland-Sanktionen

Wohin mit den Pfirsichen?

Russland macht Ernst: Seit vergangener Woche darf kein europäisches Obst und Gemüse mehr in das Land. Das Importverbot führt jetzt schon zum Preisverfall auf dem EU-Früchtemarkt. Und es könnte noch schlimmer kommen.

Kommentare (2)

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Herr Riesener Jr.

14.08.2014, 17:25 Uhr

Ich bin schon etwas überrascht, dass wir Deutschen nach zwei Weltkriegen und dem Kalten Krieg danach es immer noch nicht verstanden haben: Krieg ist "suboptimal".

Gerade Deutschland hatte mal einen guten Draht zu Putin - wieso haben wir so wenig mit ihm geredet? Wir sind doch so oft Meister des Interessenausgleichs bzw. von Kompromissen. Auf die Ukraine hätten wir auch mehr Druck ausüben können, so dass diese mit den Seperatisten reden und zu Kompromissen kommen.

Schade, dass wir wieder den Krieg bevorzugen, diesmal den Kalten bzw. Handelskrieg.


Herr peter Spirat

14.08.2014, 17:45 Uhr

Schon bei der Volksabstimmung zur Begrenzung des Einwanderungs-Tzunami in der Schweiz haben wir gesehen, dass es 2 Gruppen in Deutschland gibt:

1. Das volk, was sich imemr mehr über das Internet infpormiertund was in diesem Fall eindeutig auf der Seite von Herrn Putin steht.

2. Die Mainstream Medien und die Politiker, die auf der Seite der Kriegstreiber (USA / Israel) stehen.

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