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06.01.2016

00:27 Uhr

Russland und Ukraine

Coca-Cola setzt sich in die Nesseln

Zu wem gehört die Krim? Russland und die Ukraine haben über diese Frage einen gewaltsamen Konflikt heraufbeschworen. Nun gerät Coca-Cola zwischen die Fronten – mit einem Neujahrsgruß.

Die Familie der Coca-Cola Polarbären mit Papageitaucher "Puffin" aus dem aktuellen TV-Spot der Winterkampagne 2016. In Russland und der Ukraine eckte das Unternehmen mit einem anderen Motiv an. (Foto: obs/Coca-Cola Deutschland) obs

Coca-Cola

Die Familie der Coca-Cola Polarbären mit Papageitaucher "Puffin" aus dem aktuellen TV-Spot der Winterkampagne 2016. In Russland und der Ukraine eckte das Unternehmen mit einem anderen Motiv an. (Foto: obs/Coca-Cola Deutschland)

KiewDer US-Getränkeriese Coca-Cola hat seinen Kunden in Russland und der Ukraine zum neuen Jahr einfach nur alles Gute wünschen wollen - doch dann setzte er sich wegen des Streits um die Krim bei beiden Seiten in die Nesseln.

Zu den Neujahrswünschen, die in Russlands beliebtestem sozialen Netzwerk WK veröffentlicht wurden, gehörte zunächst eine Karte der Russischen Föderation, auf der die von Russland annektierte Halbinsel Krim nicht eingezeichnet war.

Fünf Schritt zur Annexion der Krim

1. Einsetzung einer Übergangsregierung

Fünf Tage nach dem Sturz des Moskau zugewandten ukrainischen Präsidenten Viktor Janukowitsch besetzten prorussische Milizen am 27. Februar 2014 das Parlament und Regierungsgebäude in der Krim-Hauptstadt Simferopol und hissten die russische Flagge. Der prorussische Politiker Sergej Axjonow wurde als Interims-Regierungschef eingesetzt, das Parlament stimmte am 6. März 2014 für den Beitritt zu Russland und für ein Referendum über die Unabhängigkeit am 16. März 2014.

2. Übernahme der Kontrolle vor Ort

Tausende russische Soldaten bezogen in den vergangenen Tagen Stellungen auf der Krim - nach Angaben ukrainischer Grenzschützer befinden sich inzwischen 30.000 russische Soldaten in der Region. Die professionell ausgerüsteten Männer in Uniformen ohne Hoheitsabzeichen haben ukrainische Militäranlagen umstellt. Zu größeren Zwischenfällen kam es bislang nicht. Die russische Schwarzmeerflotte blockiert derweil ukrainische Marineschiffe im Hafen von Sewastopol.

3. Sperrung der Grenzen

Durch ihre Lage ist die Halbinsel Krim leicht vom Rest der Ukraine zu trennen. Russische Truppen richteten Kontrollpunkte an den einzigen beiden Straßen ein, die auf die Halbinsel führen. Pro-russische Milizen ordneten die Aussetzung aller nicht aus Moskau kommenden Flüge von und zum Krim-Flughafen Simferopol an. Eine Maschine aus Kiew war zum Umkehren in die ukrainische Hauptstadt gezwungen worden. Zugpassagiere wurden von Milizen kontrolliert.

4. Kontrolle der Kommunikation

Um die Informationshoheit auf der Krim zu gewinnen, wurden in den vergangenen Tagen sechs ukrainische Fernsehkanäle abgeschaltet und durch russische Sender ersetzt. Ukrainische und ausländische Journalisten sind auf der Krim zunehmendem Druck ausgesetzt, mehrere ukrainische Reporter wurden von prorussischen Milizen verprügelt.

5. Abhalten eines Referendums

Bei der Volksabstimmung 16. März wurden die Bewohner gefragt, ob sie für einen Anschluss an Russland sind oder ob die Krim zu der weitreichenden Autonomie zurückkehren soll, die sie unter der Verfassung von 1992 genoss. Der Status Quo mit der Krim als integralem Bestandteil der Ukraine stand dagegen beim Referendum nicht zur Option. Mehr als 95 Prozent der Wähler stimmten für einen Beitritt zu Russland.

Nach vielfacher Kritik wurde die Karte am Dienstag geändert - dieses Mal gehörte die Krim zu Russland, ebenso wie die zwischen Russland und Japan umstrittenen Kurilen-Inseln und die zwischen Polen und Litauen gelegene Exklave Kaliningrad. Diese Kartenversion zog wiederum die Wut ukrainischer Internetnutzer auf sich, von denen einige zum Boykott des US-Limonadenherstellers aufriefen.

Coca-Cola entschloss sich daher schließlich, die Neujahrskarte ganz aus dem Verkehr zu ziehen. "Liebe Freunde! Danke für Eure Aufmerksamkeit. Es wurde entschieden, die Veröffentlichung, die für Unmut sorgte, zu löschen", erklärte der ukrainische Coca-Cola-Ableger auf seiner Facebook-Seite.

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Das Mutterunternehmen in den USA entschuldigte sich am Dienstagabend. Zugleich machte es in einer Atlanta veröffentlichten Erklärung eine externe Agentur für den Fauxpas verantwortlich.

Die Russische Föderation hatte die Krim im Frühjahr 2014 nach einem Volksentscheid auf der Halbinsel in ihr Staatsgebiet eingegliedert. Die Regierung in Kiew und ihre westlichen Verbündeten sehen dies als völkerrechtswidrige Annexion und betrachten die Krim weiter als Teil der Ukraine.

Von

afp

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