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23.05.2011

14:29 Uhr

Ryanair

Billigflieger in der Kostenfalle

VonNils Rüdel

Sie haben unser Leben verändert: die Billigflieger. Doch das Geschäftsmodell wankt. Ölpreis und Steuern fordern ihren Tribut von den Fluglinien. Jetzt wankt selbst der Branchenpionier.

Ryanair-Maschine auf dem Flughafen Hahn: "Harte Nüsse". Quelle: dapd

Ryanair-Maschine auf dem Flughafen Hahn: "Harte Nüsse".

DüsseldorfVergangenen Dienstag war die blau-gelbe Ryanair-Welt noch in Ordnung. Mit Bikini-Mädchen, Flamenco-Paar und Riesenkuchen herzte Michael O'Leary auf dem Bremer Flughafen den 60-millionsten Passagier in Deutschland. Ein Auftritt ganz nach dem Geschmack des umtriebigen Billigflieger-Königs.

Die Ernüchterung kam knapp eine Woche später an der Börse in Dublin. Die Ryanair-Aktie stürzte heute um mehr als neun Prozent auf 3,25 Euro ab. Die Antwort der Anleger auf die Zahlen des abgelaufenen Geschäftsjahres, die Firmenchef O'Leary kurz zuvor bekanntgegeben hatte.

Dabei können sich die Ergebnisse auf den ersten Blick sehen lassen. Ryanair steigerte den Nettogewinn im Vergleich zum Vorjahr um 26 Prozent auf 401 Millionen Euro. Auch der Umsatz legte deutlich zu, um 21 Prozent auf 3,6 Milliarden Euro. Doch Commerzbank-Analyst Johannes Braun kippt Wasser in den Wein: "Die Zahlen sind okay, aber der Fokus liegt auf dem Ausblick".

Und der ist einigermaßen mau: Neben der Sorge wegen einer neuen Aschewolke will Ryanair erstmals in der Unternehmensgeschichte Kapazitäten kappen und im Winter 80 von 300 Maschinen am Boden lassen. Das Wachstum der Zahl der Flüge werde sich im kommenden Jahr von acht auf vier Prozent halbieren, rechnen die Iren. Gleichzeitig stiegen die Kosten um 13 Prozent, der Umsatz werde nicht zulegen. Schuld daran sei vor allem der hohe Ölpreis.

Das ist noch gar nichts im Vergleich zur Konkurrenz: Easyjet verdoppelte im ersten Halbjahr den Verlust auf 153 Millionen Euro, Air Berlin rutschte zu Jahresanfang tiefer in die roten Zahlen. Die Zeiten für die Billigheimer sind rau geworden.

Treibstoffkosten, die neue deutsche Luftverkehrsabgabe und die drohende Einbeziehung des Luftverkehrs in den europäischen Emissionshandel spielen ihnen übel mit. Der weltweite Branchenverband IATA warnte vor "gravierenden Folgen" des hohen Ölpreises. Allein die neue Steuer in Deutschland drückte laut Deutschem Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) die Zahl der Lowcost-Flüge zu Jahresbeginn um 1,4 Prozent. "Harte Nüsse" seien das, sagt Ralf Baron, Partner und Luftfahrtexperte bei der Unternehmensberatung Arthur D. Little. "Das Marktwachstum wird sich damit weiter abschwächen, da ein Teil der Kunden auf andere Verkehrsmittel wechseln und bei diesen bleiben wird."

Kommentare (3)

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23.05.2011, 15:11 Uhr

Hoffentlich macht der Energiepreis dieser unglaublichen Umweltsauerei endlich ein Ende.

Johnny

23.05.2011, 15:46 Uhr

Es ist ein offenes Geheimnis, dass der Branchenprimus RyanAir seine Gewinne nur aus buchhalterischen Tricks beim Flugzeugkauf generiert. Da werden Großbestellungen bei den Flugzeugbauer aufgegeben und dadurch riesige Rabatte gewährt. Die Flugzeuge werden dann sofort zum Listenpreis an Leasingfirmen (die in Stueroasen sitzen) verkauft und man kann einen satten Gewinn verbuchen. Anscheinend lassen sich nun die Flugzeugbauer nicht mehr darauf ein und Ryanairs Geschäftsmodell platzt.
Mal ernsthaft die Kostenseite kann nicht der Grund für diesen starken Aktieneinbruch sein. Schon seit Jahren bietet Ryanair Tickets für ein paar Euro an, wenn sie da jemals ihre Kosten decken konnten, würde mich dies stark überraschen!

Es scheint, dass die seit Jahren anhaltende Konsolidierung im Luftverkehr sich weiter verstärken wird. Prinzipiell wird dies wohl aber eher dem Konsumenten zu gute kommen, wird er doch von einem Preiskampf profitieren. Die Gewinne der Luftverkehrsgesellschaften hingegen, werden wohl wieder auf Jahre ins negative tendieren.

commonman

23.05.2011, 17:14 Uhr

und die neue aschewolke.

das letzte mal war es über berlin merklich ruhiger und die stadt spürbar entschleunigt.

sehr gut für die mentale gesundheit.

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